„Corona hat den armen Familien in Guatemala alle Hoffnung genommen“

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  • Adveniat - Lebensmittel- und Anbauhilfe

Guatemala zählt zu einem der ärmsten Länder Lateinamerikas. Schon vor Corona war die Hälfte der Kinder chronisch unterernährt. Experten warnen vor einer nahenden Hungersnot. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat hilft in Guatemala vor allem der armen Landbevölkerung mit Lebensmitteln und unterstützt Anbauprojekte als langfristige Stütze bei der Ernährung.

„Viele Menschen sind verzweifelt“, sagt der guatemaltekische Sozialarbeiter Cesar Puac. „Corona hat den Bewohnern der ärmsten Viertel um Guatemala-Stadt alle Hoffnung genommen.“ Der schlanke Mann mit den typischen Gesichtszügen der indigenen Mayabevölkerung Mittelamerikas arbeitet in La Comunidad, einem Stadtteil im Westen der guatemaltekischen Hauptstadt. Dort leben über 70.000 Menschen, die meisten in Armut, viele in extremer Armut.

„Besonders Eltern von kleinen Kindern machen sich Sorgen, nicht so sehr um das Virus, sondern um die Ernährung. Sie wissen nicht mehr, was sie den Kleinen zu essen geben sollen. Der seelische Druck kann zu einer schwerwiegenden Depression führen, aus der sie nicht mehr heraus kommen“, sagt Cesar Puac.

Nothilfe ist nötig in Guatemala. Viele Menschen haben keine Grundnahrungsmittel mehr.

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„In dieser Krise musst du doch alles für deine Kinder tun. Sie dürfen keinen Hunger leiden.“

— Maria Luisa aus La Comunidad, Guatemala-Stadt

Der 40-jährige Auvilio Gonzales hätte den Kampf gegen die Depression fast verloren. Er hatte versucht, sich das Leben zu nehmen. Allein die Tatsache, dass sein Sohn im richtigen Moment hereinkam, hat ihn vor dem Tod gerettet. "Warum? Weil ich nicht wusste, wie es weiter gehen soll", sagt Gonzales.

Don Auvilios Frau, Maria Luisa, ist wütend auf ihren Mann. Sie kann nicht verstehen, warum er sie gerade jetzt mit den Kindern allein zurücklassen wollte: „In dieser Krise musst du doch alles für deine Kinder tun. Sie dürfen keinen Hunger leiden. Dafür sind sie noch viel zu klein. Irgendwo kann man immer etwas zu essen auftreiben. Obwohl, manchmal haben wir auch gar nichts. Dann fühlt man sich krank, zu kraftlos um weiter zu kämpfen.“

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Die Zahl der Infizierten hat die fünf Millionen überschritten, mehr als 200.000 Menschen sind an oder mit dem Virus gestorben. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat hat im Zusammenhang mit der Pandemie inzwischen 324 Projekte mit 5,6 Millionen Euro unterstützt. 


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„Ohne Nahrung fühlt man sich hungrig und müde. Die Haut wird grün."

Pater Abel Villegas registriert bedürftige Familien in dem Armenviertel La Comunidad.

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Für Auvilio Gonzales und seine Familie ist heute ein guter Tag. Sie haben Lebensmittelspenden bekommen. Der Familienvater schaut zufrieden in den Kochtopf voll Nudeln. In den letzten Tagen hat ihm der Hunger ziemlich zugesetzt. „Man fühlt sich kraftlos und müde. Die Haut wird grün. Wenn du lange nichts isst und immer nur Wasser aus dem Hahn trinkst, dann siehst du irgendwann ein helles Licht vor Augen. Du bist zu schwach, dich zu bücken."

„Wer weiß, wie lange diese Krise noch dauern wird?“

— Auvilio Gonzales aus La Comunidad, Guatemala-Stadt

Mit den ersten Löffeln Suppe kommen die Lebensgeister zurück. Das Gesicht des 40-Jährigen sieht aus wie das eines alten Mannes. Nach und nach blinkt jedoch wieder ein wenig Hoffnung aus seinen Augen. „Wer weiß, wie lange diese Krise noch dauern wird? Aber wenn wir alle unseren Beitrag leisten, dann wird es mit der Hilfe Gottes hoffentlich bald besser. So muss es sein. Denn wer will schon sterben? Niemand.“

 

 

So hilft das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat

So wie in vielen anderen Ländern Lateinamerikas ist der Hunger eines des größten Folgeprobleme, die Corona für die Menschen mit sich bringt. Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat konzentriert seine Hilfe in Guatemala und Lateinamerika daher derzeit auf die Verteilung von Lebensmitteln, Hygieneprodukten und Schutzmasken. Doch auch bei der Aufklärungsarbeit sowie beim Kauf von Saatgut für Anbauprojekte unterstützt Adveniat die Partner vor Ort, um die Ernährung der Familien auch langfristig zu sichern.

 

Die Hilfe kommt vor allem der armen Landbevölkerung zugute, sowie Müttern mit Kleinkindern und Menschen in armen städtischen Ballungsgebieten. Bei der Verteilung der Hilfsgüter arbeitet Adveniat mit langjährigen Partnern vor Ort zusammen wie der Ordensleutekonferenz oder mit den Pfarreien vor Ort, die den direkten Kontakt zu den Familien haben und wissen, was sie brauchen.

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Text: Andreas Boueke/Adveniat

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