„Unsere Erde weint und leidet“

  • Indigene Völker - 13.12.2018

Armut und Umweltzerstörung belasten die indigene Gemeinschaft der Kuna in Panama. Briseida Iglesias gilt in ihrem Volk als weise Frau, die das Wissen der Vorfahren teilt und in die Zukunft blickt. Für ihr Volk sieht sie trotz vieler Schwierigkeiten eine gute Zukunft. Dabei setzt sie besonders auf die Jugend.

Frage: Briseida, Sie sind Gelehrte vom indigenen Volk der Kuna in Panama. Gleichzeitig bezeichnen Sie sich auch als Katholikin. Wie bringen Sie diese beiden Spiritualitäten zusammen?

Briseida: Ich bin zum einen Katholikin und zum anderen gehöre ich der Religion der Kuna an. Beide Spiritualitäten geben mir viel Kraft. Ich sage immer: „Ich stehe auf zwei Beinen“. Ich glaube an den einen Gott und das lässt sich gut miteinander verbinden. Wenn ich in dem Gebiet der Kuna, in der Guna Yala, bin und dort meine Religion als Kuna auch lebe, stärkt mich das gleichzeitig auch im katholischen Glauben.

Frage: Welche Herausforderungen gibt es für das Volk der Kuna in Panama?

Briseida: Eine Herausforderung besonders für die Jugend der Kuna ist es, stark zu bleiben. Wie einer unserer Vorfahren gesagt hat: „Wenn die Sonne aufgeht und ein neuer Tag beginnt, musst du ein Friedensbotschafter sein.“

„Unsere Erde weint und leidet“

Die indigene Gelehrte Briseida Iglesias zu Armut und Umweltzerstörung in ihrer Heimat Panama.

Claudia Zeisel

Frage: Panama ist Ziel von Steuerhinterziehern aus der ganzen Welt. Viel Kapital fließt ins Land, aber wenig kommt beim Volk an. Wie erleben Sie das im Volk der Kuna?

Briseida: In Panama sieht man riesige Hochhäuser, Banken, den Panama-Kanal. Ich weiß nicht wie viele Millionen Euro täglich ins Land fließen. Meine Vorfahren haben es immer gesagt: Panama ist, was den Reichtum angeht, das schlimmste Land, weil dieser nicht mit den Brüdern und Schwestern geteilt wird. Wir sind eine Gesellschaft der Ungleichheit. Wir merken, dass beim Volk nichts ankommt. Die Oberschicht macht sich selbst immer reicher, aber wir Armen bleiben arm.

Frage: Ihr Lebensraum auf den Inseln vor der Küste Panamas ist vom steigenden Meeresspiegel bedroht. Diese Woche endet in Polen der Weltklimagipfel: Welche Forderungen haben Sie an die internationale Politik zum Thema Klimaschutz?

Briseida: Ich würde ihnen sagen: Brüder und Schwestern – schließlich sind wir auf dieser Erde alle Geschwister – noch liegt der Klimawandel in unserer Hand. Wir alle können jetzt noch gegensteuern. Helft uns! Unsere Erde ist im Moment nackt, verbrannt, sie weint und leidet. Aber wenn wir uns zusammenschließen, können wir sie wieder grün kleiden. Dann können wir sie schützen. Und dann wird sie der Raum, wo wir das Glück haben, zusammenzuleben, wie es Gott für uns möchte.

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Frage: Sie als weise Frau der Kuna blicken auch in die Zukunft. Wenn Sie auf ihr Volk und besonders auf dessen Jugend schauen – was sehen Sie da für eine Zukunft?

Briseida: Dieses Volk wird nicht enden, weil wir unsere Geschichte haben. Wie unsere Vorfahren sagten: Ein Volk, das seine Geschichte hat, ist ein Volk mit Seele. Wir Kuna sind ein Volk mit Wissen, Weisheit. Ich sehe, dass wir die drei Prinzipien bewahren müssen, die uns unsere Vorfahren überliefert haben. Die Gleichheit, Geschwisterlichkeit und die Einheit. Wir kämpfen jeden Tag dafür, unsere Kultur und Tradition zu erhalten. Wir sind im Kampf vereint, weil wir in Verbindung leben mit unserer Mutter Erde, wir untereinander gleichberechtigt sind und miteinander teilen. Unser Volk der Kuna hat eine Zukunft.

Das Interview führte Claudia Zeisel.

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