Indigene in Panama kämpfen für ein besseres Leben

  • Indigene Völker - 21.01.2019

Tausende junge Menschen und Familien machen sich aus Mittelamerika auf in die USA. Der 19-jährige Jeroncio Onorio aus Panama kann verstehen, dass viele nach einem besseren Leben anderswo suchen. Aber sein indigenes Volk der Kuna will an Ort und Stelle für ein besseres Leben kämpfen: auf einem Archipel von 365 Inseln vor der Küste Panamas.

Frage: Jeroncio, du lebst zwischen zwei Welten, gehörst einerseits dem indigenen Volk der Kuna an, das in der Küstenregion in einem autonomen Gebiet lebt, andererseits bist du Student in der Großstadt, in Panama-Stadt. Wie schaffst du den Spagat zwischen diesen zwei Welten?

Jeroncio: Es ist eine Herausforderung und sehr schwierig, zwischen der Comarca und der Großstadt zu leben. Dennoch ist es für mich ein wichtiger Schritt, nach Panama-Stadt zu gehen, denn Jugendliche wie ich haben in der Comarca wenig Perspektiven. Dort ist alles ausgerichtet auf die Landwirtschaft und die Fischerei. Wir leben also von der Natur und ernähren uns selbst. In die Stadt gehen wir deshalb, um eine gute Ausbildung zu bekommen. Da gibt es auch nicht so viele Chancen für Jugendliche, aber die Situation ist ein bisschen besser. Viele junge Kuna aus der Comarca suchen in der Stadt nach einem besseren Leben, aber leicht fällt ihnen das Leben dort nicht immer.

Frage: Wie setzt du dich als Jugendlicher für den Erhalt der Traditionen deines Volkes ein?

Jeroncio: Gott sei Dank können wir in der Indigenen-Pastoral tätig sein. Die katholische Kirche unterstützt uns da sehr. Da machen wir verschiedene Treffen mit Briseida, einer Weisen aus dem Volk der Kuna, die uns von unserer Tradition und unseren Bräuchen erzählt. Sie sagt, wir sollten nicht vergessen, woher wir kommen. Bei jedem Treffen sprechen wir über unsere Identität, unsere Kultur, wie wir leben. Wir sprechen über unsere Vorfahren, wie sie mit der Natur und der Erde lebten. Diese Treffen sind auch offen für Jugendliche, die nicht den Kuna angehören. Wir machen sie an verschiedenen Orten in der Stadt. Das ist eine Herausforderung, aber es hilft uns, unsere Kultur lebendig zu halten. 

Junge Indigene in Panama

Der junge Indigene Jeroncio Osorio aus Panama über ein Leben zwischen Tradition und Moderne.

Claudia Zeisel

Frage: Viele junge Menschen und Familien aus Mittelamerika brechen auf Richtung Norden, in die USA. Das sehen wir gerade täglich in den Medien. Kannst du verstehen, dass diese Menschen aufbrechen oder würdest du als junger Mensch dafür plädieren, in der Heimat zu bleiben?

Jeroncio: Wir als Kuna haben immer gesagt: Wir werden uns nicht einfach so geschlagen geben. Das ist unsere Kultur und unser Gebiet. Es gibt Menschen, Firmen oder Regierungen, die dort eindringen wollen. Aber das werden wir nicht zulassen. Wir werden um unsere Kultur und unser Territorium kämpfen. Ich verstehe, wenn Familien auf der Suche nach einem besseren Leben auch in andere Länder gehen. Aber wir als Kuna und besonders meine Familie haben immer gesagt: Wir bleiben hier, kämpfen hier für ein besseres Leben und verteidigen unser Land, das uns gehört. Und wir schützen die Natur, das ist das Allerwichtigste.

Frage: Der Weltjugendtag in Panama steht vor der Tür. Viele Tausend Jugendliche aus aller Welt werden in Panama Stadt erwartet. Wie schaust du auf dieses Ereignis und was erhoffst du dir davon?

Jeroncio: Ich werde am Weltjugendtag teilnehmen und bei der Organisation mithelfen. Der Weltjugendtag ist für uns eine große Chance, um der Welt zu zeigen, was unsere Kultur und Tradition ist und wie wir leben. Wir möchten auch auf die Diskriminierung der Jugendlichen und insbesondere junger Kuna aufmerksam machen, um der Welt zu zeigen: Das ist unsere Situation und wir möchten auch respektiert werden.

Das Interview führte Claudia Zeisel.

© weltkirche.de

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