„Du musst das tun, was du kannst!“

  • Mission

Seine Heimat: Waegwan, Südkorea. Seine zweite Heimat ist Königsmünster. Die dritte: Osterfeld. Worte von Pater Thomas, der am 26. Dezember 1933, dem „unglücklichsten Jahr der deutschen Geschichte“ dort geboren und auf den Namen Josef getauft wurde. Mit drei weiteren Geschwistern wuchs er in einer Lehrerfamilie heran. Sein Bruder wurde Weltpriester, eine Schwester trat bei den Tutzinger Missionsbenediktinerinnen ein, starb aber früh. Seine zweite Schwester wurde Ärztin.

„Unser Haus war das letzte Haus in Osterfeld,“ beschreibt Pater Thomas. „So gingen wir durch den Wald und in Bottrop auf das Gymnasium.“ Seine Zeit dort in der Jugendgruppe des „Bund Neudeutschland“ (ND) hat ihn sehr geprägt. Gemeinsame Fahrten und Lager waren wichtige Erfahrungen. „Als ich überlegte, auf was ich am meisten verzichten müsste, wenn ich ins Kloster ginge, war das: auf Fahrten gehen.“ Aber auch etliche Tagungen des ND auf der Jugendburg Gemen sind ihm in tiefer Erinnerung, etwa mit dem damaligen Kaplan Johannes Bours oder dem jungen Künstler Sieger Köder. Sein Vater war Mitglied im „Quickborn“ und stolz darauf, Romano Guardini persönlich gekannt zu haben. Durch seinen Vater erhielt er auch ein besonderes Verhältnis zur Liturgie, wenn dieser ihn mitnahm zu Vespern mit den Geistlichen des Ortes oder der Osternacht um 6 Uhr in der Frühe des Karsamstags.

Im Alter von 9 bis 14 Jahren wuchs er ohne Vater heran, der im Krieg und dann in amerikanischer und französischer Kriegsgefangenschaft war. Mit ihrer Mutter wurden die Kinder nach Thüringen evakuiert. „Zweieinhalb Jahre waren wir dort ohne Sonntagsgottesdienst,“ berichtet Pater Thomas. Trotz einer eigenen Wochentagsmesse für die Evakuierten wurde ihm dort bewusst, wie wichtig ihm die Eucharistie ist.

„Die Nazis sind gut. Hitler ein großer Mann.“ Obwohl seine Eltern ihre Kinder zum selbständigen Denken erzogen, klärten sie sie hier nicht auf. Wohl um sie zu schützen. Erst spät merkte Josef, dass das Marschieren im Jungvolk nicht alles war, dass sich die Nazis auch gegen die Kirche wandten. „Am Ende fühlte ich mich – vor allem – belogen.“ Denn seine Eltern waren auch kirchlich sehr bewusste und aufgeschlossene Christen.

Dossier

Zum Außerordentlichen Monat der Weltmission, den Papst Franziskus für Oktober 2019 ausgerufen hat, macht die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) „Mission“ zu ihrem Schwerpunktthema. Sie stellt wichtige „Missionsköpfe“ der Orden vor und geht der Frage nach, was Mission heute bedeutet.


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Schon früh kam bei Josef der Gedanke auf, Missionar werden zu wollen. Durch Besuche in der Abtei Gerleve lernte er die Liturgie und das gemeinschaftliche Leben schätzen. So zog es ihn zu den Missionsbenediktinern. Seine Mutter meinte, es sei zu schnell, direkt nach dem Abitur einzutreten. Josef lernte P. Thomas Ohm kennen, der ihm sagte: „Wenn du dir klar bist, dann trete ein – sofort.“ 1953 trat er in die Abtei ein und legte am 2. Mai 1954 seine erste Profess ab. 1960 wurde er zum Priester geweiht und am 6. Januar 1962 als erster Missionar von Königsmünster nach Korea ausgesandt.

Korea? Sein Ziel war immer Afrika gewesen. Doch auf einer Rückreise von seinen Studien in Rom teilte ihm der Erzabt mit: „Rechnen Sie mit Korea.“ Dabei hatte P. Thomas schon angefangen, Arabisch zu lernen. Nun beschäftigte er sich mit dem Hinduismus und Buddhismus. Im ersten Jahr in Seoul lernte er nicht nur die Sprache, sondern machte sie sich – wie auch später an anderen Orten – so zu eigen, dass man ihn kaum als Ausländer identifizierte.

Die Stationen seines Wirkens würden Seiten füllen. Kaplan in Waegwan und Pfarrer in Sangju waren erste Schritte. Mit 33 Jahren wurde er Novizenmeister. „Es war eine schwere Zeit“, beschreibt P, Thomas. „Es holte mich das Trauma aus dem ND ein: zu früh wurde ich Fähnleinführer. Führungsaufgaben sind nicht meine Sache.“ Doch inhaltlich konnte er dort wie an vielen weiteren Stellen den ihm Anvertrauten sehr viel mitgeben. Er war Prior der Abtei und konnte mit einem theologischen Abendkurs für Laien etwas Neues schaffen, unterrichtete Exegese am Priesterseminar und war beteiligt an der Übersetzung des NT ins Koreanische. Zwei Jahre (2002-04) war er Spiritual bei den Olivetanerinnen in Pusan: „Die schönste Zeit meines Lebens!“

Heute lebt er in Hwasun – einem Kloster von Waegwan im Südwesten von Korea, das Möglichkeiten zu Einzelexerzitien und für Gruppen bietet – gibt selber Exerzitien v.a. für Ordensschwestern. „Ich bin dort sehr zufrieden – und dennoch bedrückt mich, dass wir so wenig für die Armen und die Jugend tun.“ Ein wenig tröstet ihn der Zuspruch einer Aktivistin aus der Arbeiterbewegung: „Du musst das tun, was du kannst!“

Von P. Guido Hügen OSB

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