„Mama Ernesta“ und die Frauen in Tansania

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Die Deutsche Ordensobernkonferenz stellt in ihrer Reihe „Missionsköpfe“ zum Außerordentlichen Monat der Weltmission Ordensleute vor, die mit ihrem Leben für ein modernes Missionsverständnis stehen. So auch die Erlöserschwester Ernesta, die als erste aus ihrem Orden nach Tansania ging, um Bildungsprojekte für Frauen anzubieten.

Schwester Ernesta Huth CSR wurde am 26. Februar 1928 in Kahl am Main im Landkreis Alzenau geboren. 1948 trat sie im Alter von 20 Jahren ins Kloster ein und war ab 1957 als Missionarin in Tansania; die ewige Profess legte sie im Mai 1959 ab. 1957 war Schwester Ernesta die erste Erlöserschwester, die nach Tansania flog, um dort mit der Missionsarbeit zu beginnen. Die Reise war abenteuerlich – um Kerosin aufzutanken, musste der Flieger in Rom, Athen, Kairo, Sudan, Uganda und Kenia zwischenlanden.

Der jungen Schwester wurde ein klarer Auftrag mitgegeben: sie sollte sich um die tansanischen Frauen kümmern. Nach einem kurzen Aufenthalt in Ndanda bei den Benediktinern, bei denen Schwester Ernesta Kisuaheli lernte, stürzte sie sich in die Arbeit. Sie unterrichtete Frauen in Luagala unter freiem Himmel in Kinderpflege und brachte ihnen Nähen bei. Daneben galt es auch, das erste Haus in Luagala einzurichten, das weder Wasser noch Strom hatte. Doch das änderte sich schnell und es blieb nicht bei dem kleinen Haus auf einem Hügel: bereits 1960 eröffnete die Gemeinschaft, die mittlerweile aus vier deutschen Schwestern bestand, eine Hauswirtschaftsschule in Luagala, die Schwester Ernesta über 40 Jahre lang leitete.

Dossier

Zum Außerordentlichen Monat der Weltmission macht die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) „Mission“ zu ihrem Schwerpunktthema. Sie stellt wichtige „Missionsköpfe“ der Orden vor und geht der Frage nach, was Mission heute bedeutet.


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Immer wieder reiste die dynamische Schwester zurück in die deutsche Heimat, um durch Vorträge und Besuche in Gemeinden Unterstützer für ihre Arbeit zu gewinnen. „Mama Ernesta“, wie sie in Tansania genannt wird, erzählt bis heute leidenschaftlich von ihrer Arbeit und begeistert viele für die guten Werke, die die Schwestern in Tansania tun.

Schwester Ernesta Huth mit Novizinnen in Luagala.

Deutsche Ordensobernkonferenz

Lange Zeit wirkten nur deutsche Schwestern der Kongregation in Tansania. Dies änderte sich, als 1986 ein Noviziat eröffnet wurde. Mit dieser neuen Entwicklung für den Orden gab es auch ein weiteres Aufgabenfeld für Schwester Ernesta: die Leitung der Novizinnen-Ausbildung im „Formation Center“. Die Augen der Schwester leuchten, wenn sie von dieser Arbeit erzählt. Viele der jungen Schwestern, die in den Orden eintraten, kannte sie schon aus der Hauswirtschaftsschule. Ihre Schülerinnen nannten sie liebevoll „Mama“. Die Bewahrung der eigenen Identität war für Schwester Ernesta ein wichtiges Thema in der Ordensausbildung. „Ich habe den jungen Schwestern immer wieder gesagt: ihr seid keine europäischen Erlöserschwestern, ihr seid Schwestern für Euer Volk“, erinnert sie sich. Heute macht es die Schwester stolz, dass es in diesem Jahr das erste silberne Professjubiläum in Tansania gab: Vier der ersten einheimischen Schwestern, die Schwester Ernesta auf ihrem Weg begleitet hatte, feierten 25. Jubiläum.

Viele Jahrzehnte hat Schwester Ernesta in Tansania gelebt und sie freut sich über die positiven Veränderungen im Land. In den 60er Jahren hatten Frauen überhaupt keine Schulbildung. Heute ist das anders: alle Kinder besuchen eine Grundschule und seit den 90er Jahren dürfen Mädchen höhere Schulen besuchen. Der Abschluss der mittleren Reife ist mittlerweile sogar Voraussetzung für den Antritt einer Ausbildung.

Von Miriam Christoph

© DOK

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