Ein Salesianer im Einsatz für die Indigenen Brasiliens

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Missionsköpfe – das sind Ordensfrauen und Ordensmänner, die mit ihrem Leben und ihrem Tun für ein modernes Missionsverständnis stehen, etwa im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, auch wenn sie zum Teil schon vor dem Konzil gelebt und gewirkt haben. Die Deutsche Ordensobernkonferenz stellt zum Außerodentlichen Monat der Weltmission den Salesianerpater Rudolf Lunkenbein, der seinen Einsatz für Indigene in Brasilien mit dem Leben bezahlte.

P. Rudolf Lunkenbein wurde am 01.04.1939 in Döringstadt bei Bamberg geboren. Schon mit zehn Jahren äußerte er den Wunsch, Priester zu werden. Vier Jahre später (1953) ging er daher auf das Gymnasium der Salesianer Don Boscos in Buxheim. Im Herbst 1958 begeisterte ihn der damalige Provinzial P. Johannes Greiner, mit ihm nach Mato Grosso, Brasilien zu gehen, um dort das Noviziat zu machen. Nach seiner ersten Ordensprofess am 31.01.1960 studierte er in Campo Grande Philosophie. Ab Februar 1963 absolvierte er ein zweijähriges Praktikum in der Missionsstation von Merúri und gab Schulunterricht.

Um sein Theologiestudium zu beenden, kehrte er 1965 nach Deutschland an die Ordenshochschule in Benediktbeuern zurück. Dort empfing er am 29. Juni 1969 auch seine Priesterweihe durch den Augsburger Weihbischof Josef Zimmermann.

Zurück in Brasilien wurde er zum apostolischen Einsatz zu den Bororo-Indianern nach Merúri gesandt, wo er bis zu seinem tragischen Tod am 15.07.1976 tätig war.

Der Salesianerpater Rudolf Lunkenbein SDB.

Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK)

Am 15. Juli 1976 fiel der aus Ebensfeld in Oberfranken stammende Salesianer Don Boscos P. Rudolf Lunkenbein Schüssen von weißen Großgrundbesitzern im nordwestbrasilianischen Bundesstaat Mato Grosso zum Opfer. Sie fühlten sich durch den Leiter der Missionsstation in Merúri bedroht, hatte sich dieser doch für eine Landvermessung eingesetzt, um die Ureinwohner, die Bororo-Indianer, vor der Besetzung ihres Gebietes durch weiße Siedler zu schützen.

Der Bundesstaat Mato Grosso galt seit Jahrhunderten als Siedlungsgebiet der Bororo-Indianer. Doch in den Siebzigerjahren kauften Großgrundbesitzer ihr Land auf, um dort Sojabohnenplantagen zu errichten. Unterstützt wurden die weißen Siedler von der Militärregierung, die an der Lizenzvergabe verdiente. Pater Lunkenbein, der im Jahr 1958 im Alter von 19 Jahren als Missionar nach Brasilien aufgebrochen und schon einige Jahre bei den Bororo-Indianern tätig war, kam nach seinem Theologiestudium in Benediktbeuern wieder dorthin. Neben seinem vielfältigen sozialen und pastoralen Engagement setzte er sich auch mit aller Kraft für die Errichtung von Schutzzonen und eine Entschädigung für die Indianer ein. Zu diesem Zweck sollten die Gebiete staatlich vermessen und von den weißen Siedlern geräumt werden.

Für die Bororo-Indianer ging es dabei um Leben und Tod. Durch die Maßnahmen der Militärregierung und die Besetzung ihrer Siedlungsgebiete wurden ihnen Grund und Boden genommen. Weil sie ohne jede hoffnungsvolle Zukunftsperspektive waren, beschlossen sie in ihrer ausweglosen Situation, aussterben zu wollen, weil sie ihre Nachkommen nicht mehr ernähren konnten. Die Zahl der Kinder ging bedenklich zurück.

P. Rudolf Lunkenbein nahm diese Situation betroffen wahr und handelte. Um den unterdrückten Indianern ihr Land und Lebensrecht zu verschaffen, setzte er sich vehement bei der Regierung für die Rechte der Ureinwohner ein.

Dossier

Zum Außerordentlichen Monat der Weltmission, den Papst Franziskus für Oktober 2019 ausgerufen hat, macht die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) Mission zu ihrem Schwerpunktthema. Sie stellt wichtige „Missionsköpfe“ der Orden vor und geht der Frage nach, was Mission heute bedeutet.


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Einsatz mit dem Leben bezahlt

Seinen entschiedenen Einsatz musste er mit seinem Leben bezahlen. Am Tag, an dem Lunkenbein das Dekret in den Händen hielt, das den Indianern das Recht auf ihr eigenes Land bestätigte, wurde der 37-jährige Pater vor der Missionsstation in Merúri erschossen.

Am Grab von Pater Lunkenbein versprachen die Bororo-Indianer, weiter leben zu wollen.

Gemäß seinem Leitspruch zur Priesterweihe: „Ich bin zum Dienen gekommen und dafür zu sterben“, war Pater Lunkenbein ein leidenschaftlicher und tatkräftiger Glaubenszeuge unserer Zeit, ganz im Sinn von Papst Franziskus und seiner Enzyklika „Laudato si'“. Im Jahr 2018 wurde in Brasilien der Seligsprechungsprozess für ihn eingeleitet.

Von P. Josef Grünner SDB

© DOK

Dossier

In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.


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