Naturschützer in Indien klagen gegen Indigene

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  • Indigene Völker - 08.08.2019

In Indien gibt es einen Konflikt zwischen Naturschützern und indigenen Volksgruppen. Weil die Verbände ihnen Umweltzerstörung in Wäldern und Bergen vorwerfen, droht rund acht Millionen Indigenen eine Umsiedlung. Das teilte Missio München anlässlich des Internationalen Tags der indigenen Völker an diesem Freitag mit.

Hintergrund ist eine Klage von Naturschutzverbänden vor dem Obersten Gerichtshof in Delhi. Sie fürchten den Rückgang der Lebensräume für bedrohte Tierarten und beschuldigen indigene Volksgruppen, die Zerstörung der Urwälder mit ihrer Lebensweise, wie zum Beispiel Brandrodung, voranzutreiben. Ureinwohner entgegnen, dass sie das rohstoffreiche Ökosystem des Urwalds schon seit Jahrtausenden erfolgreich schützen, auch gegen die Interessen großer Konzerne.

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In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.


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„Wir haben eine Verantwortung für unser gemeinsames Haus und die Bewahrung der Schöpfung – aber auch für alle Menschen darin“, betonte der Präsident von Missio München, Monsignore Wolfgang Huber. Der Oberste Gerichtshof in Delhi ordnete zunächst für Juli 2019 die Umsiedlung von Ureinwohnern an, die kein verbrieftes Bleiberecht besitzen. Nun soll es jedoch im September 2019 eine weitere Anhörung geben.

Nach Missio München garantiert Indiens Forstgesetz den Waldbewohnern ein Landrecht, wenn sie nachweisen können, dass ihre Familien seit mindestens drei Generationen in einer bestimmten Region leben. Doch von den knapp drei Millionen Anträgen auf Anerkennung der Bleiberechte wurden bislang mindestens 1,2 Millionen abgelehnt. „Die indigenen Einwohner, unter ihnen viele Christen, gehören zu den bedrohtesten Bevölkerungsgruppen. Trotz ihrer per Gesetz gesicherten Rechte werden sie von der indischen Regierung nicht ausreichend geschützt“, so Monsignore Huber.

Insgesamt zählen laut Missio rund 104 Millionen Menschen in Indien zu den sogenannten indigenen Stammesgruppen, das sind knapp zehn Prozent der indischen Gesamtbevölkerung.

© Missio München/cze