Weltgebetstag für die Kirche in China

  • Bedrängte Christen - 22.05.2019

Der Papst lobt ihre Standhaftigkeit im Glauben, der deutsche Weltkirche-Bischof Ludwig Schick fordert mehr Aufmerksamkeit für die rund 13 Millionen Katholiken in China. Doch der Weltgebetstag für die Kirche in China am kommenden Freitag bietet auch Anlass zur Sorge um die Religionsfreiheit in der kommunistischen Volksrepublik. Etwa bei den Experten des China-Zentrums in Sankt Augustin.

Trotz der jüngsten diplomatischen Annäherung zwischen Vatikan und China besteht nach wie vor eine Spaltung zwischen der sogenannten „Untergrundkirche“ und der regierungstreuen „offiziellen“ Kirche in China. Das beobachtet der Leiter des China-Zentrums in Sankt Augustin, Pater Martin Welling. Aufgrund verschärfter Vorschriften für Religionsangelegenheiten würden Kirchengebäude zerstört, Gebetsräume geschlossen und Kindern der Besuch von Gotteshäusern verboten. Eine freie Weitergabe des Glaubens sei so kaum noch möglich, sagte der Steyler Missionar anlässlich des bevorstehenden Weltgebetstags für die Kirche in China am kommenden Freitag.

Weltgebetstag für die Kirche in China

Der Leiter des China-Zentrums, Pater Martin Welling, ruft zum Gebet für Chinas Katholiken auf.

China-Zentrum e.V.

Grundrecht auf Religionsfreiheit faktisch ausgehebelt

„Die kommunistische Zentralregierung versucht gerade mit aller Macht, die Christen der sogenannten Untergrundkirche unter eine enge staatliche Kontrolle zu zwingen“, so Pater Welling weiter. „Die kommunistische Partei will damit nicht nur innerkirchliche Verwaltungs- und Personalangelegenheiten regeln, sondern letztlich auch Einfluss auf die Glaubensdoktrinen nehmen. Ziel ist eine politisch korrekte Kirche mit einer chinesisch-sozialistischen Prägung. Wer sich ohne Registrierung religiös engagiert, muss mit harten Konsequenzen rechnen.“

In manchen Teilen Chinas sei es verboten, Minderjährigen den Zugang zu religiösen Stätten zu erlauben oder katechetische Aktivitäten anzubieten. Das China-Zentrum beobachtet hier einen Trend, der sich über ganz China ausbreitet. „Das Grundrecht auf Religionsfreiheit wird durch ein dichtes Netz an Vorschriften und Gesetzen faktisch ausgehebelt“, so Pater Welling. Der Weltgebetstag am kommenden Freitag solle genau auf solche Probleme hinweisen und den Christen in China Mut machen. „Papst Benedikt und Papst Franziskus haben erkannt, dass die Lage für die gespaltene Kirche in China immer ernster wird. Ich hoffe daher, dass sich viele Menschen am Weltgebetstag beteiligen, damit sich Wege auftun, wie die Einheit der Katholiken in China verwirklicht werden kann. Ich wünsche den Christen vor Ort, dass Sie nie die Kraft und den Mut zur Verkündigung des Evangeliums verlieren“, so Pater Welling.

Papst bekundet Solidarität mit Chinas Katholiken

Papst Franziskus mahnte Chinas Katholiken bei der Generalaudienz am Mittwoch zur Einheit mit der Weltkirche. Zugleich bekundete er seine Verbundenheit mit chinesischen Bürgern, die „unter täglichen Mühen und Prüfungen“ ihren katholischen Glauben lebten. Am 22. September 2018 hatte der Heilige Stuhl ein vorläufiges Abkommen mit der Volksrepublik China bekanntgegeben. Der genaue Wortlaut wurde zwar nicht veröffentlicht, aber offenbar sind dem Papst gewisse Rechte bei der Auswahl und Ernennung von Bischöfen eingeräumt worden. Papst Franziskus hat im Gegenzug sieben illegitime Bischöfe, die gegen den Willen des Vatikans geweiht und von denen einige auch exkommuniziert worden waren, wieder in die „volle Gemeinschaft der Kirche“ aufgenommen und als Diözesanbischöfe eingesetzt.

Pilgerinnen bei der Wallfahrt zum größten chinesischen Marienheiligtum Sheshan in der Nähe von Shanghai.

China-Zentrum e.V.

Erzbischof Schick fordert mehr Aufmerksamkeit für Chinas Katholiken

An das jüngste Abkommen erinnerte auch der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Er begrüßte, dass mit der Vereinbarung „zum ersten Mal überhaupt ein gemeinsames Dokument durch die Volksrepublik China und den Vatikan unterzeichnet wurde und heute alle Bischöfe Chinas in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom sind“. Der Heilige Vater erhoffe sich durch den in Gang gesetzten Prozess weitere Fortschritte auf dem Weg zu einer besseren Zusammenarbeit mit dem Staat.

Auch solle mit diesem Dokument die Versöhnung der Gläubigen und die dauerhafte Einheit der katholischen Kirche in China vorangebracht werden, damit sich die Kirche glaubhaft und erfolgreich für die Verkündigung des Evangeliums einsetzen könne.

Gleichwohl sei die Lage der Christen in China weiterhin schwierig, nicht selten sogar bedrückend, so der Erzbischof. Das Schicksal inhaftierter oder unter Hausarrest gestellter Bischöfe und Priester etwa sei ungewiss. Gerade in dieser Situation sei es geboten, „unsere Aufmerksamkeit und unser Gebet den bedrängten Glaubensbrüdern und -schwestern in der Volksrepublik China zuzuwenden“.

© China-Zentrum e.V./DBK/KNA/cze

Pilger am Sheshan-Hügel, beim größten chinesischen Marienheiligtum in der Nähe von Shanghai.

China-Zentrum e.V.

Hintergrund

Am 24. Mai findet jedes Jahr die traditionelle Wallfahrt zum größten chinesischen Marienheiligtum Sheshan in der Nähe von Shanghai statt. Die katholische Kirche begeht weltweit an diesem Tag den Gebetstag für die Kirche in China, den Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 eingeführt hat. Auch in Deutschland sind alle katholischen Christen aufgerufen, im Gebet ihre Verbundenheit und Solidarität mit den Christen in China zu zeigen.

Mehr Infos zum Weltgebetstag beim China-Zentrum e.V.