Fünf Missbrauchsopfer berichten im Vatikan

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  • Vatikan - 21.02.2019

Mit den Zeugnissen von fünf Opfern sexuellen Missbrauchs hat am Donnerstagmorgen die vom Papst einberufene weltweite Konferenz gegen Missbrauch in der Kirche begonnen. Vier Männer und eine Frau berichteten per Videoaufzeichnungen über ihr Leiden.

Als besonders verletzend und traumatisch – neben dem Missbrauch an sich – schilderten alle die Tatsache, dass Bischöfe und Ordensobere ihnen nicht geglaubt haben. „Das erste, was sie taten, war, mich als Lügner zu behandeln, sich umzudrehen und zu behaupten, ich und andere seien Feinde der Kirche“, kritisierte ein Mann aus Südamerika. Zugleich warnte er vor „falscher oder erzwungener Vergebung“; auch forderte er die Kirchen-Verantwortlichen zur Zusammenarbeit mit Behörden auf.

Vatikan - 21.02.2019

Missbrauchsvertuschung und Täterschutz in der katholischen Kirche hat Manilas Kardinal Antonio Tagle verurteilt. „Das Fehlen von Antworten auf das Leid der Opfer, bis hin zu ihrer Zurückweisung und der Vertuschung des Skandals zum Schutz der Vergewaltiger und der Institution hat unser Volk gebrochen“, sagte der 62-Jährige am Donnerstag im Vatikan.


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Davon, wie der Missbrauch ihr Leben und ihre Beziehungen zu anderen zerstörte, erzählten ein US-Amerikaner und ein Mann aus Asien. Beide forderten von Bischöfen und Ordensleitungen mehr und entschiedeneres Engagement im Kampf gegen Missbrauch, denen sie Vertuschung vorwarfen. „Ich verlange von den Bischöfen, ihre Hausaufgaben zu machen, denn hier liegt eine der Zeitbomben in der Kirche Asiens“, so der junge Asiate. Er forderte auch ausdrücklich Strafen für Vergewaltiger.

Vatikan - 20.02.2019

Eine weltweite Verpflichtung zur Prävention innerhalb der katholischen Kirche – das erhofft sich der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz und Trierer Bischof Stephan Ackermann vom vatikanischen Anti-Missbrauchsgipfel ab Donnerstag. Im Interview warnt er vor „ideologischen Schlachten“.


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Eine Frau aus Afrika schilderte, wie sie seit dem Alter von 15 Jahren von einem Priester über 13 Jahre lang immer wieder vergewaltigt wurde. Weil er keine Kondome oder andere Verhütungsmittel zuließ, sei sie drei Mal schwanger geworden. Der Priester habe sie jedes Mal zur Abtreibung gezwungen. Sie habe sich nicht wehren können, weil sie von ihm wirtschaftlich abhängig gewesen und geschlagen worden sei, wenn sie sich weigerte.

Über das Nicht-Reagieren seines Bischofs berichtete ein Ordensmann aus Osteuropa, der erst als Erwachsener von dem Missbrauch durch einen Priester in seiner Jugendzeit erzählen konnte. Erst der Nuntius habe reagiert und ihm auch geglaubt. Doch auch anschließend habe der Bischof ihn scharf angegriffen.

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