Forscher weisen Gedankengut der Maya in Missionsschriften nach

  • Indigene Völker - 12.12.2018

Eine internationale Forschergruppe hat dank missionarischer Schriften neue Erkenntnisse über Denkweisen des indigenen Volkes der Maya gewonnen. Der Dominikanerpater Domingo de Vico habe während seiner Mission in Guatemala erste christliche Annäherungen an die Sichtweisen der einheimischen mittelamerikanischen Bevölkerung geschaffen, teilte die Universität Bonn am Dienstag mit.

Der Priester habe die Ursprachen erforscht und damit das Christentum verbreitet. Wissenschaftler der Universität Bonn übersetzen derzeit seine noch weitgehend unbekannten Schriften, wie es hieß.

Mexiko - 12.01.2018

Papst Franziskus begegnet bei seinen Lateinamerika-Reisen immer wieder Indigenen und spricht sich für ihre Rechte aus. So auch in Mexiko, wo er 2016 in San Cristobal im Bundesstaat Chiapas eine Messe mit den Nachfahren der Maya feierte. Wie ergeht es den Indigenen heute? Claudia Zeisel hat eine Dorfgemeinschaft der Tzeltal-Maya in Chiapas besucht.


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„Vico übernahm gezielt Begriffe aus der Maya-Religion und belegte diese mit einer neuen christlichen Bedeutung, um das Christentum so besser verständlich zu machen“, sagte die Bonner Amerikanistin Frauke Sachse.

Domingo de Vico bezeichnete demnach in seiner Theologie den christlichen Gott mit demselben Begriff, den die Maya für ihre höchste Schöpfergottheit verwendeten. Diese habe sowohl weibliche als auch männliche Aspekte. Der christliche Gott wurde dadurch in der Sprache der Maya weiblich. Ziel sei es aber grundsätzlich gewesen, die Vorstellungen der Maya zu ändern.

So übersetzte Vico den christlichen Begriff der „Hölle“ mit dem Maya-Wort „Xibalba“ (Ort der Furcht), das die Unterwelt der Maya bezeichnet habe. Dass Vico „Xibalba“ als Ort des ewigen Feuers und ewiger Verdammnis beschrieben habe, stimme aber nicht mit den Vorstellungen der Maya überein, so Sachse. Diese hätten unter „Xibalba“ eine nach dem Tod zu durchlaufende Station verstanden, die zur Wiedergeburt führte.

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In diesem Dossier werden die Glaubens- und Lebenswelt ausgewählter indigener Völker vorgestellt.


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Vico kam im 16. Jahrhundert ins Hochland von Guatemala und untersuchte den Maya-Dialekt K'iche sowie die dortigen Vorstellungen von Jenseits und Religion. Zwischen 1550 und 1554 verfasste der spanische Geistliche mit „Theologia Indorum“ (Theologie für die Indianer) die erste christliche Theologie Amerikas. „Es handelt sich dabei mit ursprünglich über 800 Seiten um den umfangreichsten bekannten kolonialzeitlichen Text in einer indigenen amerikanischen Sprache überhaupt“, betonte Garry Sparks von der George Mason University in Washington D.C. Vico wurde 1555 im nahen Acalan von Einheimischen getötet.

© KNA/cze