Wenn viele gemeinsam träumen …

  • Blog - 17.11.2015

Der letzte Tag der Versammlung zum Jubiläum des Katakombenpaktes in Rom begann noch einmal mit einer Bibelarbeit von Kuno Füssel. Anschließend haben Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Versammlung mit Statements ein Fazit der Veranstaltung gezogen.

Kuno Füssel hat bei seiner Bibelarbeit den Jakobusbrief aufgegriffen und ihn im Kontext seiner Entstehung im römischen Reich gedeutet, das von Macht und Herrschaft auf der einen, Unterdrückung und Ungerechtigkeit auf der anderen Seite gekennzeichnet war. Er verdeutlichte dabei viele Parallelen zur heutigen Zeit, die ins Auge sprängen.

Das Team vom Institut für Theologie und Politik (von links): Katja Strobel, Michael Ramminger, Cordula Ackermann, Norbert Arntz, Peter Fendel, Philipp Geizhaus, Benedikt Kern und Julia Lis.

Franz-Thomas Sonka

Vor dem Abschlusspodium stellte eine Gruppe von Studentinnen und Studenten eine neue Erklärung zur Aktualisierung des Katakombenpaktes vor, die in Zusammenkünften der letzten Nächte entstanden ist und von den Anwesenden unterschrieben werden konnte. Die Erklärung nimmt zu aktuellen Fragen Stellung: Flucht und Aufnahme von Flüchtlinge; Absage an jegliche Art des Terrorismus und der Gewalt vor allem vor dem Hintergrund der letzten Anschläge in Beirut und Paris; Erneuerung der Option für die Armen; die ökologische Bedrohung und der Einsatz für die Rechte aller Menschen in den herrschenden Strukturen.

Die Teilnehmer ziehen Bilanz

Das Abschlusspodium zu einer ersten Auswertung der Tagung wurde von Katja Strobel, Institut für Theologie und Politik, und Norbert Mette, Pastoraltheologe an der Universität Dortmund, geleitet. Vier Teilnehmende aus unterschiedlichen Kontexten stellten kurz ihre Erfahrungen mit und während der Veranstaltung vor und ihre Perspektiven, die sie von den Tagen in Rom mitnahmen:

Kacem Gharbi, muslimischer Philosoph und Experte für den Dialog zwischen christlicher und muslimischer Befreiungstheologie aus Tunis, betonte, dass er mit vielen Fragen nach Rom gekommen sei, aber auch mit vielen Fragen wieder gehe. Die Veranstaltung habe ihm Mut und Hoffnung gemacht für neue gemeinsame Wege.

Franziska Wintermantel, Theologiestudentin aus Freiburg, konnte als Teilnehmerin der jungen Generation viel von den Älteren lernen. Sie habe erkannt, dass nicht nur zwischen Sprachen zu übersetzen sei, sondern auch zwischen den Generationen. Auf die Frage, wie man das machen könne, habe sie die Antwort gefunden, jede und jeder könne es und müsse einfach nur damit anfangen. Sie habe einen neuen Zugang zur Befreiungstheologie erhalten, die für sie bedeute, sich als Christin aktiv und konsequent politisch zu gesellschaftlichen Fragen zu verhalten. Hier in Rom habe sie dafür viel Mut und Hoffnung erhalten: „Viele Menschen stehen dabei neben und hinter mir! Das habe ich hier gespürt.“

Franziska Wintermantel (rechts), Theologiestudentin aus Freiburg, und die mexikanische Aktivistin Pilar Puertas (links)

Franz-Thomas Sonka

Den Geist der Erneuerung vorantreiben

Philipp Geizhaus, Theologe am Institut für Theologie und Politik und engagiert in sozialen Bewegungen, war erfreut, dass sich so viele unterschiedliche Menschen in Rom versammelt haben: Ältere, die sich seit Jahrzehnten engagieren, Studenten von verschiedenen Universitäten und mit unterschiedlichem Hintergrund und sogar eine Firmgruppe aus Wil in der Schweiz. Sie alle hätte er auf der Tagung als Companeros, als Gefährten, erleben dürfen. Die Versammlung zum Katakombenpakt hätte neu ermutigt, konsequent nach Alternativen zur kapitalistischen Weltordnung zu suchen und danach zu handeln. Wir müssten uns bewegen und erneuern gegenüber der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, wie Papst Franziskus es nennt. Es bedürfe mehr als einer Neuauflage der Selbstverpflichtungen des Katakompenpakts. Man müsse sich auf die aktuellen Ereignisse je neu einlassen und diese verändern. Die Erneuerung stehe noch aus – das sei für ihn der Impuls, der von der Tagung ausgehe. Der Geist der Erneuerung bringe eine mühevolle Arbeit, aber er sei nicht nur Verheißung, sondern schon Realität geworden.

„Wenn einer allein träumt, ist das nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“

— Dom Hélder Câmara, ehem. Erzbischof von Olinda-Recife

Pilar Puertas, Historikerin, Aktivistin der mexikanischen Basiskirchenbewegung und Mitarbeiterin am Institut für Theologie und Politik, hat bewegt, dass die wirklichen Zeichen der Zeit, unserer Zeit, während der Tagung so eindeutig in den Blick genommen worden sind. Dazu gehörten vor allem die Flucht weltweit und ihre Auswirkungen, die zunehmende Klimakatastrophe, die ungleiche und ungerechte Verteilung der Güter. Sie rief alle auf, die Versammlung gestärkt für eine andere Kirche zu verlassen  und erinnerte zum Schluss an das bekannte Zitat von Dom Hélder Câmara, ehemaliger Erzbischof von Olinda-Recife: „Wenn einer allein träumt, ist das nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“

Von Franz-Thomas Sonka, Bistum Münster

Erklärung der Studentengruppe zur Aktualisierung des Katakombenpaktes

Statements von Teilnehmenden zum Abschluss der Versammlung

Kommentar

Hiermit endet die Berichterstattung über das Jubiläum des Katakombenpaktes und einer „Kirche der Armen für die Armen“ (Papst Franziskus). Vieles des Erlebten, Gehörten und Ausgetauschten hätte noch ausführlicher geschrieben werden können und ist nur verkürzt wiedergegeben worden. Aber Raum und Zeit sind begrenzt.

Ein abschließender Hinweis: Einige der Dokumente und Texte werden in den nächsten Tagen auf dem Internetportal von Pro Konzil veröffentlicht. Anfang 2016 wird eine Dokumentation zur Veranstaltung „Hoffnung und Widerstand – Katakombenpakt erinnern und erneuern!“ mit allen Vorträgen und sonstigen Beiträgen vom Institut für Theologie und Politik in Münster herausgegeben.

Ihr Franz-Thomas Sonka

Blog

Den Katakombenpakt erinnern und erneuern!

Vom 11. bis 17. November 2015 wird mit einer internationalen Versammlung in Rom an die Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren erinnert. In einem Blog für das Internetportal Weltkirche berichtet Franz-Thomas Sonka aus dem Bistum Münster von der Veranstaltung.

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Katakombenpakt erinnern und erneuern!

Weitere Informationen und das Programm der Veranstaltung „Katakombenpakt erinnern und erneuern!“ finden Sie auf der Website von „Pro Konzil“.

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Der Katakombenpakt

Am 16. November 1965 trafen sich etwas mehr als 40 Bischöfe aus allen Teilen der Welt in den Domitilla-Katakomben von Rom und legten ein Gelübde für eine dienende und arme Kirche ab.

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