Festgottesdienst zum 50. Jubiläum des Katakombenpaktes

  • Blog - 17.11.2015

Ein Höhepunkt der Veranstaltungen zum Katakombenpakt in Rom war am Montag (16.11.2015) der Festgottesdienst zum 50. Jubiläum mit Bischof em. Luigi Bettazzi und Jon Sobrino SJ in der Domitilla-Katakombe, dem Ort, an dem am Tag genau vor 50 Jahren der Katakombenpakt von 40 Bischöfen aus der ganzen Welt unterzeichnet wurde.

 „Sie haben sie begraben, aber nicht gewusst, dass sie wie Samen in die Erde gelegt sind. Sie können alle Blüten abreißen und zerstören, den nächsten Frühling können sie aber nicht verhindern.“ Mit diesen Worten begrüßte Pfarrer Norbert Arntz die Anwesenden zu Beginn des Gottesdienstes. Es sei ein Zeichen der Hoffnung an diesem Tag in der Katakombe über den Gräbern der ersten christlichen Märtyrer. Vor 50 Jahren sei die Selbstverpflichtung von 40 Bischöfen unterschrieben worden, 500 folgten später. Viele Christinnen und Christen würden bis heute den Anliegen nachfolgen, wie die Versammlung der letzten Tage gezeigt habe.

Katakombenpakt als geheimes Vermächtnis des Konzils

Jon Sobrino erinnerte in seiner Predigt an die notwendige Umkehr zur Kirche der Armen und an die Selbstverpflichtung, an einer „armen und dienenden Kirche“ mitzuwirken, was der wesentliche Wunsch von Johannes XXIII. gewesen sei. In der Konzilsaula hätte die Forderung nach einer „Kirche der Armen“ nur geringes Echo gefunden, so wäre der Katakombenpakt zum „geheimen“ Vermächtnis des Konzils geworden. Der habe bis heute nicht an Aktualität verloren, wie die Versammlung der vergangenen Tage gezeigt hätte. „Die Sünde ist heutzutage Lampedusa, Flüchtlinge, die angesichts der effizienten Gleichgültigkeit Europas nach Überlebensmöglichkeiten suchen. Die Sünde ist die Päderastie von Priestern und die Karrieresucht führender Kleriker. Daran erinnert Papst Franziskus deutlich und entschieden.“

Dann sprach Sobrino davon, welchen tiefen Eindruck die Anstöße des Katakombenpaktes bei ihm persönlich und in Lateinamerika hinterlassen haben. Bei der Versammlung der Bischöfe in Medellín drei Jahre nach dem Konzil hätten sie eindeutige Worte über ihre Selbstherrlichkeiten und ihr Desinteresse an den Armen gefunden. Sie hätten sich nicht wirklich mit ihnen, mit ihren Problemen und Ängsten identifiziert. Mit dem Dokument von Medellín hätten die Bischöfe bekräftigt, dass sie den Schrei der Armen existentiell ernst nehmen wollten.

Beim Festgottesdienst wurde eine neue Gedenktafel enthüllt, die an die Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren erinnert.

Franz-Thomas Sonka

„Die Märtyrer sind für uns ein Segen“

Das Konzil, der Katakombenpakt und die Versammlung von Medellín haben bei vielen Priestern, Ordensleuten und Bischöfen zu Veränderungen geführt und Bekehrungen hervorgebracht. Sie haben sich damit der Gefährdung ihres Lebens ausgesetzt. Sobrino beschrieb in seiner Predigt am Beispiel seiner bekannten Landsleute deren Weg der Veränderung zur Option für die Armen, der mit ihrer Ermordung ein tödliches Ende fand, Frauen und Männer, auch Kinder, die zu Märtyrern geworden sind: 1977 Rutilo Grande, 1979 Erzbischof Oscar Romero und ausgerechnet am 16. November 1989, also heute genau vor 26 Jahren, Ignacio Ellacuría SJ, fünf seiner Jesuiten-Mitbrüder, ihre 42-jährige Köchin, Julia Elba, und deren 15-jährige Tochter Celina, die zum Übernachten im Jesuitenhaus geblieben seien, weil sie sich dort sicherer fühlten. Sie seien ermordet worden, um keine Zeugen zu hinterlassen.

Jon Sobrino erinnerte bewusst an diesem Tag und an diesem Ort der Märtyrer: „Ihr Leben und ihr Tod sind kaum zu ertragen. Deshalb wiegen meine Worte so schwer. Aber wahr ist auch, dass die Seligpreisungen Jesu an sie gerichtet sind. Die Märtyrer sind für uns ein Segen und können für uns zum Segen werden: Sie machen uns Mut, uns für andere einzusetzen und Hoffnung zu haben. Solchen Mut mit solcher Entschiedenheit finden wir nirgends sonst, weder in der Liturgie, noch in der Akademie.“

Zum Schluss dankte Sobrino Papst Franziskus, der sich wieder in den Katakomben bewege. Er danke seiner Weise, mit Humor und Schlichtheit, Kompromisslosigkeit und Zärtlichkeit die Kirche zu reformieren. „Lasst uns ihm behilflich sein, ihm nicht nur applaudieren!“

Am Ende des Gottesdienstes wurde in Kirche der Domitilla-Katakombe noch feierlich eine Gedenktafel enthüllt, die an diesem Ort immer an das Ereignis der Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren erinnern wird.

Von Franz-Thomas Sonka, Bistum Münster

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Den Katakombenpakt erinnern und erneuern!

Vom 11. bis 17. November 2015 wird mit einer internationalen Versammlung in Rom an die Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren erinnert. In einem Blog für das Internetportal Weltkirche berichtet Franz-Thomas Sonka aus dem Bistum Münster von der Veranstaltung.

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Katakombenpakt erinnern und erneuern!

Weitere Informationen und das Programm der Veranstaltung „Katakombenpakt erinnern und erneuern!“ finden Sie auf der Website von „Pro Konzil“.

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Der Katakombenpakt

Am 16. November 1965 trafen sich etwas mehr als 40 Bischöfe aus allen Teilen der Welt in den Domitilla-Katakomben von Rom und legten ein Gelübde für eine dienende und arme Kirche ab.

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