Im Schatten von Michelangelos Kuppel

  • Blog - 14.11.2015

Hinter dem Vatikan, im Schatten von Michelangelos Kuppel, außerhalb der Mauern, aber nicht hinter verschlossenen Mauern findet zurzeit die Veranstaltung „Katakombenpakt erinnern und erneuern!“ statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind inzwischen seit drei Tagen zusammen und verständigen sich über ein Kirchenmodell der Anfänge für die Kirche von heute, die auch Papst Franziskus meint, wenn er sagt „Ich wünsche mir eine Kirche der Armen für die Armen“.

Am heutigen Samstag (14.11.2015) konnten die Teilnehmenden dieses Thema mit zwei Angeboten vertiefen. Ein Teil der Gruppe hat sich auf den Weg zu einer kirchenhistorischen Führung mit der Historikerin Dorothee Linnemann vom Historischen Museum in Frankfurt gemacht. Unter dem Motto „Auf den Spuren des Vor- und Frühchristentums“ führte die Exkursion zunächst zur Katakombe der Heiligen Marcellinus und Petrus und anschließend zum spätantiken Bischofsbezirk des Lateran, wo am Beispiel frühchristlicher Kirchen archäologische Spuren dazu einluden, über Aspekte von Laien- und Amtskirche, die Spaltung der Kirche in Reiche und Arme, über Gewalt und Verfolgung von oder durch die Kirche zu diskutieren.  

Führung zur Katakombe der Heiligen Marcellinus und Petrus

Christel Bußmann, Pastoralreferentin im Ruhestand aus dem Bistum Münster, hat an der Führung teilgenommen. Sie fasste ihre Eindrücke beim Besuch der Katakomben zusammen: „Eindrucksvoll in der Katakombe waren für mich die vielen frühchristlichen Darstellungen aus der Zeit um 280 bis 300 nach Christus. Auffällig waren die zahlreichen Darstellungen von Händen.“ Besonders gefallen hätte ihr eine der ältesten Mariendarstellungen – Maria sehr einfach mit normalem, nicht verklärtem Gesichtsausdruck, das Kind auf dem Arm und umgeben von zwei Königen, ein dritter sei wohl verlorengegangen. Was sie sehr bewegt habe, sei ein Bild, auf dem eine Mahlgemeinschaft dargestellt wurde.  Eine Frau mit verschiedenen Gefäßen in der Hand spiele hier eine tragende Rolle. „Hier wird eindeutig die Vorsteherin einer frühchristlichen Eucharistiefeier gezeigt. Interessant ist, dass im Jahre 2013 ähnliche Bilder bei der Restaurierung der benachbarten Priscilla-Katakombe auftauchten. Der Vatikan beeilte sich damals sehr zu betonen, dass es sich hier auf gar keinen Fall um eine Priesterin handeln würde“, erklärte Bußmann.  Was sie darüber hinaus in der Katakombe noch beeindruckt habe, sei, dass man bei den Gräbern keinerlei Standesunterschiede feststellen könne. Das sei bei anderen, späteren Katakomben wohl anders.

Internationaler Studientag zum Katakombenpakt

Eine zweite Gruppe hat an diesem Samstag an einem ganztägigen Internationalen Studientag zum Katakombenpakt in der Päpstlichen Universität Urbaniana mit der Ordenskommission „Justitia et pax“ teilgenommen. Mitbeteiligt am Studientag waren unter anderem Jon Sobrino SJ (Freund und Berater des ermordeten salvadorianischen Erzbischofs Oscar Romero), João Kardinal Braz (Präfekt der Kongregation für das Geweihte Leben), Bischof em. Luigi Bettazzi (Erstunterzeichner des Katakombenpaktes), P. Alberto Trevisiol IMC (Rektor der Universität), Sr. Sally Hodgson CSJ (Vizepräsidentin der Internationalen Ordensoberinnenkonferenz), Luca Pandolfi (Professor an der Universität, Moderator der Veranstaltung) und Alberto Melloni (Kirchenhistoriker und Konzilsexperte, Bologna).

„Wir können, müssen und dürfen ab heute wieder von einer eindeutigen Option für die Armen sprechen!“

— Michael Ramminger, Institut für Theologie und Politik

Michael Ramminger vom Institut für Theologie und Politik in Münster äußerte sich im Anschluss sehr zufrieden mit dem Verlauf. „Die Veranstaltung hat kirchenpolitisch eine sehr große Bedeutung für mich. Das Thema des Katakombenpaktes und damit einer Kirche der Armen und der Befreiungstheologie ist nach langer Zeit endlich wieder auf die Agenda gesetzt worden. Ein weiterer Schritt zur Rehabilitation der Befreiungstheologie ist damit getan. Wir haben Jon Sobrino eingeladen.  Er hat hier und heute gesprochen und ist gestern vom Papst mit den Worten ‚Schreib weiter!‘ zum Gespräch eingeladen worden“, fasste Ramminger zusammen. Weitere wichtige Punkte seien für ihn, dass Bischof Luigi Bettazzi gesagt habe, wir hätten auf der Konziliaren Versammlung 2012 in Frankfurt den Katakombenpakt aus der Vergessenheit geholt und heute sei er Thema einer Studientagung an der Päpstlichen Universität in Rom. Auch die Ordensleute, die zur Veranstaltung eingeladen hatten, hätten bekräftigt, dass ein solches Treffen vor drei Jahren nicht möglich gewesen wäre. „Wir können, müssen und dürfen ab heute wieder von einer eindeutigen Option für die Armen sprechen!“, beendet Michael Ramminger sein kurzes Fazit.

Die Erinnerung und Erneuerung des Katakombenpakts findet zwar außerhalb der vatikanischen Mauern statt. Dass er aber auch hinter den Mauern wohlwollend wahrgenommen wird, macht eine weitere Meldung von Radio Vatikan deutlich, in der die Veranstalter des internationalen Treffens zu Wort kommen.

Bei der gemeinsamen Eucharistiefeier am Abend gedenken die Anwesenden besonders der Opfer des Terroranschlages in Paris und deren Angehörigen.

Von Franz-Thomas Sonka, Bistum Münster

© weltkirche.katholisch.de

Blog

Vom 11. bis 17. November 2015 wird mit einer internationalen Versammlung in Rom an die Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren erinnert. In einem Blog für das Internetportal Weltkirche berichtet Franz-Thomas Sonka aus dem Bistum Münster von der Veranstaltung.

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Veranstaltung

Weitere Informationen und das Programm der Veranstaltung „Katakombenpakt erinnern und erneuern!“ finden Sie auf der Website von „Pro Konzil“.

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Am 16. November 1965 trafen sich etwas mehr als 40 Bischöfe aus allen Teilen der Welt in den Domitilla-Katakomben von Rom und legten ein Gelübde für eine dienende und arme Kirche ab.

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