„Schreib weiter!“

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  • Blog - 13.11.2015

Radio Vatikan meldete am 13.11.2015, dass Papst Franziskus sich mit dem Befreiungstheologen Jon Sobrino nach der Morgenmesse im Gästehaus des Vatikan Santa Marta zu einem Gespräch getroffen habe. Das Institut für Theologie und Politik hat dazu unmittelbar eine Stellungnahme herausgegeben, die wir im Wortlaut dokumentieren:

Die Rehabilitierung der Befreiungstheologie durch Papst Franziskus?!

Am heutigen Freitag, den 13. November 2015, empfing Papst Franziskus den Jesuiten Jon Sobrino in der Casa Santa Marta mit den Worten: „Schreib weiter!“. Jon Sobrino nimmt zurzeit auf Einladung des Instituts für Theologie und Politik an der Versammlung „Katakombenpakt erinnern und erneuern“ in Rom teil.

Jon Sobrino (links) und Pfarrer Norbert Arntz vom Institut für Theologie und Politik in Münster.

Franz-Thomas Sonka

Nach Leonardo Boff und Gustavo Gutiérrez ist dies das dritte Treffen von Papst Franziskus mit einem lateinamerikanischen Befreiungstheologen. Damit ist wohl deutlich, dass der Vatikan die Befreiungstheologie nach langen Jahren der Verunglimpfung und Ausgrenzung rehabilitiert hat.

Die theologische Linie von Franziskus: seine Kritik der mörderischen Weltwirtschaft und seine Reformbemühungen um eine Kirche, die „das menschliche Leben an[nimmt], indem sie im Volk mit dem leidenden Leib Christi in Berührung kommt“ (EG 24), liegt ganz auf der Linie der Befreiungstheologie.

Angesichts der Probleme der Welt, wie den Millionen Flüchtlingen, dem Auseinanderklaffen von Arm und Reich, der Umweltverwüstung hat die Kirche tatsächlich nur eine Zukunftsberechtigung, wenn sie im Sinne der Befreiungstheologie eine praktische Hoffnung für die Welt ist. Die TeilnehmerInnen der Tagung „Katakombenpakt erinnern und erneuern“ begrüßen deshalb das Treffen zwischen dem Papst und Jon Sobrino.

Jon Sobrino gehört zu den profiliertesten Kritikern des Vatikans unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Anlässlich der lateinamerikanischen Bischofskonferenz in Aparecida 2007 kritisierte er die redaktionellen Eingriffe der Kurie, die die Bedeutung der Basisgemeinden herunterspielten. Außerdem schrieb er in einem fiktiven Brief an seinen ermordeten Mitbruder Ignacio Ellacuria: „Der objektive Konflikt mit den Mächtigen, keine abstrakte allgemeine Verfügbarkeit, hat Jesus ans Kreuz gebracht. Das zu ignorieren, führt zu schlimmen Konsequenzen; denn es verführt dazu zu denken, dass wir auch heute die Sendung ohne schwerwiegende Konflikte realisieren könnten.“

Im gleichen Jahr versuchte ihn der Vatikan mit einer Notification zum Schweigen zu bringen, in der einzelne Thesen seiner Bücher verurteilt wurden. Jon Sobrino unterschrieb diese Notification nicht. Dass Papst Franziskus ihn nun ermutigt hat, sich nicht von lehramtlicher Zensur einschüchtern zu lassen, ist zu verstehen als eine respektvolle Anerkennung der theologischen Arbeit Sobrinos auf der einen Seite und eine direkte Unterstützung der Befreiungstheologie durch den Papst auf der anderen Seite. Diese Positionierung ist ein Bruch mit dem verurteilenden Umgang mit der Befreiungstheologie in den beiden vorangegangenen Pontifikaten.

Institut für Theologie und Politik

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Blog

Den Katakombenpakt erinnern und erneuern!

Vom 11. bis 17. November 2015 wird mit einer internationalen Versammlung in Rom an die Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren erinnert. In einem Blog für das Internetportal Weltkirche berichtet Franz-Thomas Sonka aus dem Bistum Münster von der Veranstaltung.

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Veranstaltung

Katakombenpakt erinnern und erneuern!

Weitere Informationen und das Programm der Veranstaltung „Katakombenpakt erinnern und erneuern!“ finden Sie auf der Website von „Pro Konzil“.

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Der Katakombenpakt

Am 16. November 1965 trafen sich etwas mehr als 40 Bischöfe aus allen Teilen der Welt in den Domitilla-Katakomben von Rom und legten ein Gelübde für eine dienende und arme Kirche ab.

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