Sumak Kawsay – Das gute Leben

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  • Blog - 12.11.2015

Seinen abendlichen Vortrag „Laudato Si: Die Kirche der Armen und die ‚Sorge für das gemeinsame Haus‘“ eröffnete Bischof Erwin Kräutler am Donnerstag (12.11.2015) mit den Worten: „Pfingsten ist ein griechisches Wort und es bedeutet 50 Tage – 50 Tage nach Ostern. Die Zahl 50 ist eine heilige Zahl – 50 Jahre Katakombenpakt!“.

Der aus Österreich stammende brasilianische Bischof wurde vor 50 Jahren zum Priester geweiht und hat genau am Tag der Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren zum ersten Mal brasilianischen Boden betreten. Am heutigen 12. November vor genau 35 Jahren wurde bekannt gegeben, dass er Bischof von Xingu am Amazonas werden sollte. Vom Katakombenpakt hat er erst sehr viel später erfahren. Das Versprechen für eine dienende und arme Kirche verkörperte für Dom Erwin alles, was er immer von der Kirche erwartet hatte.

Nun hat ihn Papst Franziskus zu Rate gezogen bei der Abfassung seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“. Dom Erwin betonte, es sei falsch, dass er mitgeschrieben habe, wie häufig in der Presse gemeldet würde. Er war beratend für den Papst tätig und das sei für ihn, den Bischof vom Amazonas, Ehre genug. Er habe dem Papst den Rat gegeben, die Probleme am Amazonas und die Situation der indigenen Bevölkerung mit aufzunehmen. Es gehe um Schwestern und Brüder, es gehe um Leben und Tod! Der Papst habe seine Anmerkungen in „Laudato Si“ einfließen lassen wie auch den wissenschaftlichen Rat anderer Fachleute.

Ökologie und soziale Gerechtigkeit

Der zweite Tag der Julibäumsveranstaltung "Katakombenpakt erinnern und erneuern!" (von rechts nach links): Dr. Alfons Kloss (Botschafter Österreichs beim Heiligen Stuhl), Bischof Erwin Kräutler, Anna Maria Kloss und weitere Teilnehmer.

Franz-Thomas Sonka

Franziskus stelle in seiner Enzyklika die Ökologie in Beziehung zum Menschen. Ökologie, die intakte Mitwelt, stehe immer im Zusammenhang mit der sozialen Gerechtigkeit. Fortschritt bringe nur, was die Verbesserung der Lebensbedingungen aller bringt. Wenn Menschen vertrieben würden, wenn die Umwelt aus dem Gleichgewicht falle, könne das kein Fortschritt sein. Eine Wegwerfkultur sei Umweltzerstörung und eine Verzerrung des Kulturbegriffs. Die Umwelt sei immer Mitwelt und zu schützen, weil auch der Mensch aus den Elementen der Welt bestehe. Der Mensch sei Erde. Wenn die Erde verwüstet sei, sei auch der Mensch zerstört. Durch die ökologische Krise werde die ethische und spirituelle Krise des Menschen sichtbar.

Auf die Situation der indigenen Bevölkerung und die Probleme Amazoniens eingehend appelliere „Laudato Si“ an die Verantwortung des Menschen, Sorge zu tragen für das ihm anvertraute Gut. Er erinnere an die Harmonie aller Menschen untereinander und mit der Schöpfung. Mit dem guten Geist in Verbindung zu sein, das gehe nur, wenn der Mensch in Harmonie mit der gesamten Schöpfung lebe. Das Gute in den Naturschönheiten zu sehen, zu staunen über die Blumen und den Sternenhimmel, das brächte uns selbst und einander wieder näher, so Dom Erwin. Es gäbe in der Sprache des Quechua-Volkes ein Wort, das diese Harmonie mit der gesamten Schöpfung zum Ausdruck bringe: Sumak Kawsay – das gute Leben.

Das Recht der indigenen Urbevölkerung auf einen intakten Lebensraum und die Komplexität der Urwälder mit ihrer Artenvielfalt als Lebensgrundlage für die ganze Welt seien Grundanliegen in der Enzyklika. In diesem Zusammenhang betone Franziskus den Einsatz von Organisationen zum Schutze der Umwelt und deren Einsatz legitimer Druckmittel ohne jegliche Form der Gewaltanwendung. Wer sich in diesem Sinne zu Wort melde, habe immer die Rückendeckung des Papstes. Es gehe darum, alle menschenverachtenden Maßnahmen abzuschaffen, damit Natur und Mensch wieder in Einklang kämen.

Von Franz-Thomas Sonka, Bistum Münster

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Blog

Vom 11. bis 17. November 2015 wird mit einer internationalen Versammlung in Rom an die Unterzeichnung des Katakombenpaktes vor 50 Jahren erinnert. In einem Blog für das Internetportal Weltkirche berichtet Franz-Thomas Sonka aus dem Bistum Münster von der Veranstaltung.

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Veranstaltung

Weitere Informationen und das Programm der Veranstaltung „Katakombenpakt erinnern und erneuern!“ finden Sie auf der Website von „Pro Konzil“.

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Am 16. November 1965 trafen sich etwas mehr als 40 Bischöfe aus allen Teilen der Welt in den Domitilla-Katakomben von Rom und legten ein Gelübde für eine dienende und arme Kirche ab.

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