Unterscheidung der Geister

  • 6. Fastenwoche

Als Jesuitenprovinzial zu Zeiten einer Militärdiktatur und als Erzbischof von Buenos Aires hatte Papst Franziskus schwierige Entscheidungen zu treffen. Nicht alle waren richtig, wie er zugibt. In einem bemerkenswerten Interview mit dem Redakteur einer Jesuiten-Zeitschrift spricht er über seine Erfahrung, wie der ignatianische Weg der „Unterscheidung der Geister“ auch in den täglichen Entscheidungen keine letzte Sicherung, aber inneren Frieden schenken kann.

  • Die Unterscheidung erfolgt immer in der Gegenwart des Herrn, indem wir auf die Zeichen achten, die Dinge, die geschehen, hören, mit den Menschen, besonders mit den Armen, fühlen. Meine Entscheidungen, auch jene, die mit dem normalen Alltagsleben zu tun haben, wie die Benützung eines einfachen Autos, sind an eine geistliche Unterscheidung gebunden, die auf ein Erfordernis antwortet, das durch die Umstände, die Menschen und durch das Lesen der Zeichen der Zeit entsteht. Die Unterscheidung im Herrn leitet mich in meiner Weise des Führens.
  • Diese Unterscheidung braucht Zeit. Viele meinen, dass Veränderungen und Reformen kurzfristig erfolgen können. Ich glaube, dass man immer genügend Zeit braucht, um die Grundlagen für eine echte, wirksame Veränderung zu legen. … Ich muss warten, innerlich abwägen, mir die nötige Zeit nehmen. Gott offenbart sich in der Zeit und ist gegenwärtig in den Prozessen der Geschichte. Das ist der Grund dafür, Handlungen zu privilegieren, die neue Dynamiken hervorrufen. Es verlangt Geduld und Warten.
  • Tagtäglich die großen und die kleinen Dinge des Alltags mit einem großen und für Gott und für die anderen offenen Herzen zu erledigen. Das heißt – innerhalb der großen Horizonte des Reiches Gottes …, die kleinen Dinge aufwerten. Man kann große Projekte haben und sie verwirklichen, indem man auf wenige kleine Dinge als Grundlage setzt. Oder man kann schwache Mittel einsetzen, die sich als wirkungsvoller erweisen als die starken.
  • Beim Suchen und Finden Gottes in allen Dingen bleibt immer ein Bereich der Unsicherheit. Er muss da sein. Wenn jemand behauptet, er sei Gott mit absoluter Sicherheit begegnet und nicht berührt ist von einem Schatten der Unsicherheit, dann läuft etwas schief … Die großen Führer des Gottesvolkes wie Moses haben immer Platz für den Zweifel gelassen. Man muss Platz für den Herrn lassen, nicht für unsere Sicherheiten. Man muss demütig sein. Die Unsicherheit hat man bei jeder echten Entscheidung, die offen ist für die Bestätigung durch geistlichen Trost.
  • Nötig ist eine kontemplative Haltung: Es ist das Gefühl, dass man auf dem rechten Weg des Verstehens und des Liebens gegenüber Dingen und Situationen geht. Das Zeichen dafür, dass man auf dem rechten Weg ist, ist das Zeichen des tiefen Friedens, des geistlichen Trostes, der Liebe zu Gott und allen Dingen in Gott.

Quellen: Antonio Spadaro SJ, Interview mit Papst Franziskus

Fragen

  • Wie treffen wir in unseren Gemeinschaften oder Führungsteams wichtige Entscheidungen?
  • Wie lebe ich / leben wir mit dem „Bereich der Unsicherheit“, die allen Entscheidungen innewohnt?

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