Jüngerschafft und der Weltjugendtag

  • Adveniat-Blog - 01.08.2013

Sie waren sich fremd. Die sechs jungen Frauen aus Deutschland und die zwanzig brasilianischen Jungen von der Straße. Größer hätte der Kontrast zwischen zwei Lebensrealitäten wohl kaum sein können. Doch beim Abschied nach wenigen Stunden standen beiden Gruppen die Tränen in den Augen. Die Gewinnerinnen des Adveniat-Wettbewerbs „Jüngerschafft“ zogen weiter, um am Weltjugendtag teilzunehmen, die Jungen bleiben zurück in der Favela.

Der Besuch in dem Haus für Straßenkinder des Adveniat-Projektpartners Amar in Grajaú war für die Jüngerschafft-Gruppe eines der beeindruckendsten und bedrückendsten Erlebnisse ihrer Reise nach Rio de Janeiro. „Es hat uns traurig gemacht, zu sehen, wie sehr sich die Jungs nach Zuneigung und Nähe sehnen. Ihnen fehlt einfach die Familie“, sagt Florine Scherer aus Mainz. „Es war sehr schwer, in dem Moment das richtige Verhältnis aus Distanz und Nähe zu finden, um den Jungen keine falschen Hoffnungen auf eine neue Bezugsperson zu machen“, sagt sie nachdenklich.

„Es hat uns traurig gemacht, zu sehen, wie sehr sich die Jungs nach Zuneigung und Nähe sehnen. Ihnen fehlt einfach die Familie.“

— Florine Scherer

Zutiefst bewegt

Auch die Geschichten, die jeder einzelne der Jungen mit sich bringt, bewegten die jungen Frauen. „Wir haben drei Brüder hier, die unzertrennlich sind“, erzählt Sienna, Betreuerin bei Amar. „Ihre Mutter hat HIV und der Jüngste ist ebenfalls positiv getestet“.

WJT-Spezial: Mit Adveniat in Rio

Anna-Maria Limbach besucht zusammen mit dem Hilfswerk Adveniat und 4 weiteren Gewinnerinnen den Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

weltkirche.katholisch.de

Und alle diese Jungen, die friedlich mit Autos spielen, mit leicht abwesendem Blick, haben eine Vergangenheit im Drogenmilieu und mit gewaltsamen Auseinandersetzungen in den Favelas hinter sich. Amar versucht ihnen eine Perspektive zu geben. Mit einem Dach über dem Kopf und Bildungsangeboten in einer familiären Atmosphäre. „Das, was ich hier gesehen haben, wird meine Arbeit mit den Jugendlichen zuhause verändern“, sagt Eva Schockmann. „Ich werde ihnen von dem Leben und den Schwierigkeiten dieser Jungen erzählen. Das ist sicher eine gute Chance auch die eigenen Probleme noch einmal neu einzuordnen.“

In den zwei Wochen erlebten die Gewinnerinnen in unterschiedlichen Projekten eine Lebensrealität, die fernab ist von der in Europa. Projektarbeit mit Straßenkindern, mit Jugendlichen in Favelas und mit Frauen auf dem größten Straßenstrich von Rio de Janeiro. Sie erlebten, wie sich die Kirche in Lateinamerika mit der Hilfe von Adveniat in vielfältiger Weise für die Armen und Ausgegrenzten einsetzt – dort, wo sonst niemand mehr ist.

„Es war unglaublich“

Von einer ganz besonderen Seite erlebten Doris Keil, Anna Limbach, Florine Scherer, Kathrin Hendricks und Eva Schockmann die brasilianische Kirche beim Weltjugendtag an der Copacabana mit Papst Franziskus. „Es war unglaublich, mit welcher Herzlichkeit Franziskus uns Pilger und die jungen Vertreter der Kontinente begrüßt hat“, erzählt Kathrin Hendricks aus Essen begeistert. „Die Stimmung beim Papstwillkommen war einfach unglaublich“. Doris Keil aus Dorsten ist begeistert von der Stimmung an der Copacabana: „Es ist einfach wunderbar, wie die jungen Leute aus allen Kontinenten hier zusammenfinden, sich so freundlich und herzlich begrüßen. Auch ohne die gleiche Sprache zu sprechen, funktioniert das super. Sie sind auf uns zugekommen, wollten Fotos mit uns machen, Armbändchen tauschen und mit uns tanzen.“

„Es ist einfach wunderbar, wie die jungen Leute aus allen Kontinenten hier zusammenfinden.“

— Doris Keil

Die feierliche Atmosphäre an der Copacabana zwischen Meer, Palmen, den schicken Hotels und den Hügeln, an denen die kleinen Favela-Häuser kleben, wird den jungen Frauen genauso in Erinnerung bleiben, wie die beeindruckenden Erfahrungen in den Adveniat-Projekten. „Trotz der vielen Armut und des Leides, das wir gesehen haben in Straßenkinderprojekten, In Favelas, in Vorstadtslums wie Nova Iguacu oder auf dem Straßenstrich ‚Villa Mimosa‘, wird mir auf jeden Fall die unglaubliche Lebens- und Glaubendfreude der Brasilianer in Erinnerung bleiben. Und ihre Hilfsbereitschaft, die uns vielleicht auch etwas zur Nachahmung motivieren könnte?!“

Von Mareille Landau

© Adveniat

Adveniat-Blog

Eva Schockmann, Anna-Maria Limbach, Kathrin Hendricks, Doris Keil und Florine Scherer sind die Gewinnerinnen eines Wettbewerbs, den das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat durchgeführt hat. Vom 13. bis 1. August sind sie in der brasilianischen Millionenmetropole unterwegs und berichten in einem Blog von ihren Erlebnissen. Alle Reiseberichte der fünf jungen Frauen finden Sie hier:

www.adveniat.de/blog