„Eine gewaltige logistische Herausforderung“

Der 28. Weltjugendtag (WJT) findet vom 23. bis zum 28. Juli 2013 in der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro statt. Monsenhor Joel Portella Amado, Generalsekretär des lokalen Organisationskomitees COL des WJT, berichtet im Interview von den Vorbereitungen.

Frage: Wie schwer wiegt denn die Verantwortung für die Organisation des WJT?

Joel Portella Amado: Das ist eine riesige Verantwortung für mich, denn wir machen das schließlich zum ersten Mal. Zwar hatten wir bereits Papstbesuche hier in Rio und auch andere Großveranstaltungen, aber der WJT ist das größte Event, das die katholische Kirche veranstaltet, sowohl was die Dauer wie auch die Teilnehmerzahl und den Veranstaltungsort angeht. Aber zwei Dinge lassen mich ruhig bleiben: Gottes Gnade und dieses fabulöse Team. Die internationalen und die brasilianischen Ehrenamtlichen arbeiten Hand in Hand, und stets höre ich von Außenstehenden: Wir sind zuversichtlich, denn ihr seid ein richtiges Team. Zwar haben wir noch nicht auf alle Fragen Antworten gefunden, aber wir halten zusammen und reden offen über alles.

Frage: Wie groß ist die Herausforderung, den WJT zu organisieren?

Joel Portella Amado: Die Organisation des WJT ist auf der einen Seite eine gewaltige logistische Herausforderung für uns. Obwohl er Teil einer ganzen Reihe von Mega-Events ist, die Rio de Janeiro in den nächsten Jahren austragen wird. Aber von diesen anderen Events ist der WJT grundsätzlich verschieden.

Willkommen in Rio

„Geht und macht zu Jüngern alle Völker“ (Matthäus 28, 19) – dies ist das Motto des Weltjugendtags 2013, der vom 23. bis 28. Juli in Rio de Janeiro stattfindet.

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Anders als bei der Fußball-Weltmeisterschaft oder Olympia haben wir es mit einer riesigen Teilnehmerzahl zu tun. Und diese Zahl wird im Verlauf des WJT stetig ansteigen. Bei den Sportevents ist das anders, denn da reisen die Fans ab, sobald ihr Team ausgeschieden ist. Am WJT werden jedoch mit jedem Tag mehr Menschen teilnehmen, und es wird spezielle Events geben, die das noch weiter verschärfen. Zudem findet der WJT gleichzeitig im ganzen Stadtgebiet statt, anders als bei den Sportevents, die punktuell an einem oder an wenigen Orten stattfinden.

Frage: Was ist denn dabei das größte Problem?

Joel Portella Amado: Die große Herausforderung in Rio de Janeiro ist der Transport, die Fortbewegung. Sie müssen sich Rio wie ein Rechteck vorstellen, mit Bergen im Norden und dem Meer im Osten, Süden und Westen. Und mitten durch dieses Rechteck ziehen sich noch einmal zwei Bergketten. Wie kann man sich in einer solchen Stadt möglichst schnell fortbewegen? Genau das ist die Herausforderung. Damit hat der Transport auch Auswirkungen auf die Wahl der Unterkünfte. Unser Anliegen ist es, die großen Pendlerbewegungen innerhalb der Stadt auf die Veran-staltungen an der Copacabana und auf den Weg zum Messegelände in Guaratiba zu begrenzen. Für alle anderen Veranstaltungen wollen wir Entfernungen haben, die innerhalb eines Stadtviertels zu Fuß zu bewältigen sind.

So wird ein Großteil der Veranstaltungen innerhalb der einzelnen Stadtviertel stattfinden, wo eine Begegnung verschiedener Kulturen mit unterschiedlichen Glaubenserfahrungen passieren wird, ein miteinander Leben auf Zeit. Das wird eines der Markenzeichen Rios werden, man wird ohne die großen Wanderbewegungen auskommen, die den letzten WJT prägten. Damals mussten wir bis zu 40 Kilometer zurücklegen, um an der Katechese teilzunehmen. Natürlich hat die Infrastruktur von Madrid dies erlaubt, aber die von Rio de Janeiro lässt so etwas nicht zu. Hier sind Entfernungen von 40 Kilometern undurchführbar. Da würde man zwei bis drei Stunden im Stau stehen.

Frage: Wie wird konkret die Verteilung der Pilger auf das Stadtgebiet funktionieren?

Joel Portella Amado: Wir müssen drei Dinge räumlich zusammenbringen: die Katechese, die Unterkünfte und die kulturellen Veranstaltungen, und zwar so, dass die Pilger möglichst wenig vom öffentlichen Transport abhängig sind. Deshalb haben wir die Stadt in sogenannte Kernzentren unterteilt, und in jedem dieser Kernzentren erfüllen wir die drei Bedürfnisse: Dort haben wir den Ort der Katechese, die Unterkünfte und eine Bühne für die Festveranstaltungen. Die Verteilung der Pilger auf die Kerne erfolgt nach Sprachgruppen. Ganz gleich, wo man herkommt, man wird stets mit Leuten zusammen sein, die die gleiche Sprache sprechen.

Blick vom Zuckerhut auf den Stadtteil Botafogo in Rio de Janeiro. Escher/Adveniat

Frage: Wie viele Kernzentren wird es insgesamt geben?

Joel Portella Amado: Im Stadtgebiet von Rio haben wir 250 Gemeinden, und unsere Idee ist es, dass jede von ihnen ein potenzielles Kernzentrum ist. Wobei ich derzeit davon ausgehe, dass es nicht nötig sein wird, alle 250 Gemeinden zu mobilisieren. Nach dem derzeitigen Stand arbeiten wir mit 200 Gemeinden. Und das nur in der Stadt Rio, die identisch mit der Diözese Rio de Janeiro ist. Wir arbeiten aber auch mit den Nachbardiözesen Niterói, Nova Iguaçu und Duque de Caxias zusammen. Allerdings ist noch nicht klar, ob unser System der Kernzentren auch dort genau so implementiert wird.

Frage: Ist schon klar, wo die deutschen Pilger unterkommen werden?

Joel Portella Amado: Das kann aus einem einfachen Grund noch nicht festgelegt werden. Zuerst müssen wir sehen, wie hoch die Zahl der Teilnehmer pro Sprachgruppe sein wird. Dann sehen wir, welche Gemeinde über eine entsprechende Unterkunftszahl verfügt. Diese Verteilung kann also erst vorgenommen werden, wenn die genaue Teilnehmerzahl und das Kontingent an Unterkünften vorliegt.

Frage: Was wird als Botschaft vom WJT in Rio bleiben?

Joel Portella Amado: Wir sprechen da immer von den drei Legaten des WJT. Das erste ist das Legat der Evangelisierung. Die Jugendlichen nehmen dies durch ihre Taufe an, haben den Mut zu sagen: Ich bin ein Christ! Und damit die Möglichkeit, anderen Jugendlichen zu helfen, zu Jesus Christus zu kommen. Die zweite bleibende Botschaft ist etwas, was ich in Madrid hautnah mitbekommen habe und was mich fasziniert hat: das Zusammensein der unterschiedlichsten Kulturen, das Miteinander des Unterschiedlichen. Toleranz, gegenseitiger Respekt, und das in einer Welt, in der das Andersartige ja oft als eine Bedrohung empfunden wird. Zu sehen, wie man mit dem Andersartigen zusammenleben kann, ist eine starke, prägende Erfahrung. Das dritte ist etwas, was wir das humanistische Erbe nennen: der Aufbau eines Zentrums für die Betreuung von Drogenabhängigen, in dem auch Sozialbetreuer geschult werden. Das sind die drei Legate, die drei großen Botschaften, die wir als Erbe des WJT zurücklassen wollen.

Das Interview führte Thomas Milz.

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