Hoffen auf Klimagerechtigkeit

  • Aachen - 18.06.2015

In seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ greift Papst Franziskus zentrale Themen des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor auf: den Kampf gegen weltweite Armut und Umweltzerstörung. Misereor hat seine Partnerorganisationen im Süden gefragt, welche Erwartungen und Hoffnungen sie mit der neuen Enzyklika von Franziskus verbinden.

Brasilien

Pater Xavier Plassat, Diözesane Kommission für Landpastoral in Tocantins

„Papst Franziskus versteht es, das Thema des „Gemeinsamen Hauses“ (Ökologie), das sich direkt auf den Klimawandel bezieht, mit dem breiteren Thema der „Humanökologie“ zu verbinden, in deren Mittelpunkt die Sorge um das Leben, vor allem das Leben der Armen, steht. Diese Perspektive ist besonders bedeutsam angesichts der sozialen Gruppen, mit denen wir hier in Tocantins und im brasilianischen Amazonas arbeiten: Gemeinschaften der Quilombolas – den Nachfahren von ehemals aus der Sklaverei geflohenen Familien –, indigene Völker, sogenannte „Arme des Landes“, die von der Agrarindustrie bedroht sind. Die Reihenfolge der Themen, zu denen Papst Franziskus die Gesellschaft aufruft, ist sehr kohärent: Abschied von der globalen Gleichgültigkeit, um eine Globalisierung der Solidarität für das „Gemeinsame Haus“ aufzubauen, die gemeinsame Sache. Nein zur Sklaverei! Keine Familie mehr ohne Land, ohne Dach, ohne menschenwürdige Arbeit!“

Paraguay

Juan Baez aus der Diözese Coronel Oviedo

„Die Waldgebiete auf der Welt müssen wiederaufgeforstet, die Familienlandwirtschaft und somit die Ernährungssicherung gestärkt werden. In Paraguay muss das Voranschreiten der industriellen Agrarwirtschaft gestoppt werden. Ich hoffe, dass die Enzyklika über die Rückgewinnung und die Stärkung der verlorenen natürlichen Ressourcen spricht. Es muss eine bessere Verteilung der Reichtümer geben, vor allem in Lateinamerika!“

Osttimor

Adilson, Koordinator des Timor-Leste Institute for Development Monitoring and Analysis in Dili

„Ein Entwicklungsmodell, das auf die maximale Ausbeutung der natürlichen Ressourcen sowie kontinuierliches Wachstum und die Anhäufung von immer mehr Gütern ausgelegt ist, zerstört die Artenvielfalt und schädigt das Klima. Kleine, fragile Inselstaaten wie Timor-Leste zahlen für diese Gier einen hohen Preis – und wenn es uns nicht gelingt, unsere Vorstellung von Fortschritt zu überdenken, wird bald die ganze Welt bedroht sein. Wir müssen uns zusammentun, um diese zerstörerische Entwicklung umzukehren und eine nachhaltige Lebensweise im Einklang mit der Natur zu fördern.“

Philippinen

Chito Medina, Direktor von MASIPAG, Kleinbauernnetzwerk für nachhaltige Landwirtschaft

„Der Klimawandel ist in vollem Gange und die Philippinen gehören zu den am stärksten von Katastrophen betroffenen Ländern, wobei die Armen hier besonders anfällig sind. Während die Armen in den Entwicklungsländern unter Hunger leiden oder nicht wissen, was sie morgen essen, versäumen es die wahren Verantwortlichen für den Klimawandel aus der Wirtschaft, aus Unternehmen und Industrieländern, die Verantwortung für den Schaden zu übernehmen, den sie der globalen Umwelt zugefügt haben. MASIPAG hofft von ganzem Herzen, dass die Enzyklika von Papst Franziskus für Klimagerechtigkeit sorgen wird. MASIPAG hofft auch, dass seine Botschaft Bewusstsein schaffen wird für angemessenere Mechanismen zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel – wie etwa eine von der Bauernschaft mitbestimmte nachhaltige Landwirtschaft.“

Burkina Faso

Abbé Landry W. YADGO, Diözese Fada N''Gourma

„Wir erwarten, dass in dieser Enzyklika die Ursachen des Klimawandels, ebenso wie seine Auswirkungen auf den Menschen und seine Umwelt, klar benannt werden. Wir wünschen uns, dass sie Handlungsmöglichkeiten aufzeigt, um den Klimawandel einzudämmen, die Menschen zu Verhaltensänderungen aufzufordern und die größten Verschmutzerländer zu mehr Maßnahmen zum Erhalt der Umwelt und der Ökosysteme zu ermahnen. (…)Durch diese Enzyklika werden wir uns der Qualen der Schöpfung, die Gott uns anvertraut hat, um sie zu nutzen, immer wieder zu erneuern und zu vervollkommnen, noch bewusster. Die Umweltfrage könnte zu einem Querschnittsthema gemacht werden, das wir bei der Konzeption, Planung und Umsetzung unserer Projekte und Programme systematisch berücksichtigen.“

DR Kongo

Patient Bagenda, Comité Anti-Bwaki, Bukavu

„Papst Franziskus hat ein sehr aktuelles und höchst relevantes Thema ausgewählt, das eine der wesentlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts darstellt. Die Länder der Welt haben Verträge und Abkommen unterzeichnet, die sie bisher nicht – oder zumindest nur in sehr geringem Umfang – eingehalten haben. Wir erwarten, dass die neue Enzyklika die Länder der Welt, insbesondere die einflussreichen Mächte, an ihre Verpflichtungen im Zusammenhang mit Umweltschutz, Klimawandel und nachhaltiger Entwicklung erinnert. Darüber hinaus kann die neue Enzyklika als Referenz und wichtiges Werkzeug für die anwaltschaftliche Arbeit sowohl gegenüber staatlichen Stellen als auch gegenüber internationalen Konzernen insbesondere im Bereich Bergbau dienen, die Schuld an erheblichen aktuellen und zu erwartenden Katastrophen in unserer Region sind. Wir können zur Verbreitung der neuen Enzyklika beitragen und sie einerseits bei der Sensibilisierung von Basisgemeinschaften und andererseits bei unserer Arbeit mit den lokalen Entscheidungsträgern verwenden.“

© Misereor

Link-Tipp

Auf der Webseite von Misereor finden Sie ein umfangreiches Dossier zur Umwelt-Enzyklika von Papst Franziskus:

www.misereor.de

Enzyklika „Laudato Si“

Die Enzyklika kann in deutscher Sprache auf der Webseite der Deutschen Bischofskonferenz heruntergeladen werden. Dort finden Sie auch eine Inhaltsangabe, in der die wichtigsten Inhalte des päpstlichen Lehrschreibens auf sieben Seiten zusammengefasst sind:

Dokument „Enzyklika Laudato si‘ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“

Inhaltsangabe „Laudato si‘ – Über die Sorge für das gemeinsame Haus“

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