Touba – das senegalesische Mekka

  • Reisetagebuch - 08.03.2014

Nach drei Stunden Busfahrt betreten wir eine andere Welt. Eine Welt, in der Alkohol, Zigaretten und laute Musik verboten sind. Eine Welt, in der sich auch wir christliche Frauen verschleiern müssen. Eine Welt, in der es keine Polizei gibt und niemand Steuern zahlt. Wir sind in der Stadt Touba, die oft als Staat im Staat bezeichnet wird und die Hochburg der islamischen Bruderschaft der Mouriden ist.

Schon als wir vor der Großen Moschee mit dem Grab von Amadou Bamba, dem Begründer der Bruderschaft, aus dem Bus aussteigen, überprüft unser Führer, ob wir Frauen vorschriftsgemäß gekleidet sind – mit Kopfbedeckung und langem Rock. Hosen sind verboten. Darauf, dass die Vorschriften in Touba eingehalten werden, achten die Baay-fall – eine Art Sittenpolizei, erkennbar an den Rastazöpfen und bunten Flickengewändern.

Marmor, buntes Glas und vergoldete Säulen

Bevor wir das Gelände der Moschee betreten, müssen wir unsere Schuhe ausziehen. Männer und Frauen dürfen zusammen hineingehen, nur Fotos müssen getrennt voneinander gemacht werden. Zwar sind wir als Christen ausdrücklich in Touba willkommen, in den Gebetsraum der Moschee dürfen wir jedoch nicht gehen. Aber auch die zahlreichen anderen Räume, Hallen und Minarette der bombastischen Grabmoschee sind faszinierend. Marmor, buntes Glas und vergoldete Säulen, wohin man blickt. Bizarr, wenn man bedenkt, dass der Senegal zu einem der ärmsten Länder der Welt gehört. Finanziert wird der Bau der Moschee, die seit 1963 ständig erweitert und verschönert wird, durch die Spenden der Gläubigen.

Marmor und vergoldete Säulen, wohin das Auge reicht. Ann-Kathrin Thönnes

Der Guide führt uns zum Grabmal von Amadou Bamba. Einmal im Jahr pilgern bis zu vier Millionen Gläubige zum Magal, dem „Großen Treffen“ nach Touba, um den Gründer der Mouriden-Bruderschaft zu ehren und drei Tage lang zu beten und zu singen. Der Magal sorgt regelmäßig für einen Zusammenbruch des gesamten Verkehrs im ganzen Land.

Islam light

Obwohl der Islam im Senegal eine sehr große Rolle spielt – über 90 Prozent der Bevölkerung sind muslimisch – bekommen wir davon bisher nur wenig mit. Ausnahme ist der Muezzin, der uns täglich um fünf Uhr weckt. Auf den Straßen sieht man jedoch kaum verschleierte Frauen und auch sonst scheint der Islam im Senegal – zumindest außerhalb der Stadtgrenzen von Touba – im Vergleich zu arabischen Ländern eher in einer „Light-Version“ zu existieren. So sind bis heute auch Ahnenkulte, die Verehrung von Dämonen oder Regentänze in islamischen Gemeinschaften keine Seltenheit. Die Scharia, die strenge islamische Rechtsprechung, konnte sich im Senegal nie durchsetzen. Stolz verweisen die Senegalesen immer wieder auf das friedliche Zusammenleben zwischen Muslimen, Christen und anderen Religionen.

Von Ann-Kathrin Thönnes

© BDKJ Bamberg

Reisetagebuch

Alle Fotos und Erfahrungsberichte der TeilnehmerInnen im Überblick finden Sie auf www.infranken.de und bei uns:

zum Reisetagebuch

Bistumspartnerschaft Bamberg und Thiès

Mehr über die Bistumspartnerschaft zwischen Bamberg und Thiès und den Jugendaustausch erfahren Sie auf den Webseiten des Erzbistums Bamberg und des BDKJ Diözesanverbandes Bamberg .

Weitere Inhalte

DVD über das senegalesische Partnerbistum

Das Erzbistum Bamberg hat einen knapp 41-minütigen Dokumentarfilm über die Besonderheiten der jungen, wachsenden Kirche im Senegal gedreht.

Die DVD kann zum Preis von 5,00 Euro bestellt werden über das

Erzbistum Bamberg

Referat Weltkirche
Heinrichsdamm 32
96047 Bamberg
E-Mail:

Die DVD ist zudem ausleihbar über die Medienzentrale des Erzbistums Bamberg.

www.erzbistum-bamberg.de