Thiès, 26 Grad, Staub

  • Reisetagebuch - 01.03.2014

Nach vielen Vorbereitungen und Wochen der Vorfreude ist es jetzt endlich soweit und wir können unseren ersten Blog aus dem Senegal schreiben! Thiès, 26°C, Staub – so hat es uns die Wetter-App gestern Morgen am Flughafen in Frankfurt vorausgesagt – und sie sollte Recht behalten. Nach vielen Stunden im Flugzeug und fast genauso vielen Stunden am Flughafen in Paris, sind wir gestern Abend in Dakar gelandet.

Laut Reiseführer gehört der Flughafen in Dakar zu einem der schlimmsten Flughäfen der Welt. Umso überraschter waren wir, dass die erste Kontrolle mit Abnehmen der Fingerabdrücke relativ schnell ging. Aber da hatten wir uns leider zu früh gefreut. Erst drei Stunden, zwei Heiratsanträge, lautstarken (allerdings halb amüsierten) Beschwerden der senegalesischen Beamten über die komplizierten deutschen Namen und gefühltes zwanzig Mal Schlange-Wechseln später waren alle aus unserer Gruppe stolze Besitzer eines Visums.

Danach kam schon gleich das nächste Highlight – diesmal aber wirklich im positiven Sinn: In Empfang genommen wurden wir sehr lieb von Larissa, die bis Januar ein Jahr als Freiwillige im Jugendhaus Burg Feuerstein gearbeitet hat, von Anna, die umgekehrt ein Jahr lang einen Freiwilligendienst in Thiès gemacht hat, von Abbé Mois, dem Diözesanjugendpfarrer, und einigen Jugendlichen aus der Gemeinde.

Gabi Kaulen, eine der Leiterinnen des Jugendaustauschs, übergibt Abbé Pierre, Leiter des Diözesanzentrums in Thiès, selbstgemachte Marmelade aus senegalesischen Pampelmusen. Ann-Kathrin Thönnes

Ein staubiger Anfang

Kaum saßen wir im Bus dauerte es bei den meisten von uns nicht einmal fünf Minuten (ich glaube bei mir war es nicht mal eine Minute), bis uns die Augen zugefallen sind. In Thiès sind wir um zwei Uhr heute Morgen angekommen – und die Wetter-App hatte tatsächlich Recht behalten: Zwar war es (angesichts der Uhrzeit nicht weiter verwunderlich) nicht ganz so warm, dafür aber richtig staubig oder besser gesagt sandig. Seit wir hier sind weht die ganze Zeit ein sehr angenehmes Lüftchen, das allerdings die weniger angenehme Nebenwirkung hat, dass es Wüstensand mit sich bringt und dieser dann leider unmittelbar zwischen den Zähnen landet, wenn man den Mund zu lange offen hält. Nach unserer Ankunft hier in Thiès haben wir noch unsere Zimmer im Priesterhaus bezogen, wo wir in den kommenden zwei Wochen untergebracht sind, schnell unsere Moskitonetze aufgehängt und danach endlich tief und fest geschlafen.

Der Tag heute war voll von ersten sehr faszinierenden und schönen Eindrücken. Los ging es mit einem gemeinsamen Frühstück (unter anderem mit lecker Nutella und Milchpulver zum Anrühren, das es hier als Milchersatz gibt). Danach ging es auf in die Kathedrale, die gleich gegenüber des Priesterhauses liegt, und anschließend ins Diözesanzentrum, in dem Abbé Pierre arbeitet, der bis vor kurzem Jugendpfarrer und somit bisher verantwortlich für den Jugendaustausch war.

Auf dem Markt in Thiès findet man lauter Kurioses. Ann-Kathrin Thönnes

Was das Herz begehrt …

Im Garten des Diözesanzentrums konnten wir gleich eine der wohl schönsten Seiten afrikanischer Länder genießen und frische Grapefruits direkt vom Baum pflücken und essen. Weiter ging es dann mit einem Rundgang über den Markt. Thiès ist übrigens mit 240.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt im Senegal und ein ziemlich wichtiger Industrie- und Handelsstandort. Auf dem Markt sind wir jedenfalls nicht mehr aus dem Schauen rausgekommen … überall liegen Obst, Gemüse, (zumindest mir fremde) Wurzeln und Kräuter auf Planen ausgebreitet auf dem Boden, es gibt Stände mit frisch gerösteten Erdnüssen, Highheels in allen möglichen (und unmöglichen) Formen und Farben, bunte Stoffe, alte Radios und wahrscheinlich auch sonst so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Neben den vielen Farben sind übrigens auch die Gerüche sehr intensiv und vor allem ganz anders als bei uns.

„Ihr habt die Uhr und wir haben die Zeit“

Heute Nachmittag haben wir nach dem Drei-Stunden-fürs-Visum-Anstehen gestern Nacht die zweite Erfahrung mit dem senegalesischen Umgang mit Zeit gemacht. Wir hatten ausgemacht, dass wir uns um 15 Uhr mit einigen Jugendlichen treffen, die uns in den nächsten zwei Wochen begleiten werden, um uns ein bisschen kennenzulernen. Erst eine Stunde später waren sie dann tatsächlich da. Was für uns erst einmal ungewohnt und zum Teil auch ziemlich nervig ist (wer wartet schon gerne eine Stunde…), sagt meiner Meinung nach viel über die jeweilige Mentalität aus. So heißt ein Sprichwort aus Afrika: „Ihr habt die Uhr und wir haben die Zeit“ (oder so ähnlich…). Wahrscheinlich trifft es das ganz gut. Auch als ich einmal mit einem Senegalesen gesprochen habe, der in Deutschland zu Besuch war, hat er mir lange erklärt, dass er es gar nicht verstehen kann, dass wir immer alles so schnell machen wollen. Schließlich bräuchten manche Dinge einfach (oft auch unvorhergesehen) ihre Zeit und diese müsse man sich dann einfach nehmen. Ich glaube, er hat Recht damit und wir sollten tatsächlich versuchen, ab und zu mal etwas gelassener zu sein und uns mehr Zeit für wichtige Dinge zu nehmen.

Nach dem Nachmittag mit den Jugendlichen waren wir abends noch auf der Kermes , die – soweit ich das verstanden habe – von verschiedenen Kirchengruppen und Pfarreien organisiert wurde und wo wir dann in einem großen Zelt zusammen mit dem Bischof und anderen Gästen zu Abend gegessen haben. Voll von diesen vielen Eindrücken und ersten sehr schönen Begegnungen geht es jetzt schnell unters Moskitonetz.

Bonne nuit et mangui dem (in guter alter Sendung-mit-der-Maus-Manier: Das war Französisch und Wolof gemischt und heißt „Gute Nacht und auf Wiedersehen“),

Eure Ann-Kathrin Thönnes

© BDKJ Bamberg

Reisetagebuch

Alle Fotos und Erfahrungsberichte der TeilnehmerInnen im Überblick finden Sie auf www.infranken.de und bei uns:

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Bistumspartnerschaft Bamberg und Thiès

Mehr über die Bistumspartnerschaft zwischen Bamberg und Thiès und den Jugendaustausch erfahren Sie auf den Webseiten des Erzbistums Bamberg und des BDKJ Diözesanverbandes Bamberg .

Weitere Inhalte

DVD über das senegalesische Partnerbistum

Das Erzbistum Bamberg hat einen knapp 41-minütigen Dokumentarfilm über die Besonderheiten der jungen, wachsenden Kirche im Senegal gedreht.

Die DVD kann zum Preis von 5,00 Euro bestellt werden über das

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