Téranga – senegalesische Gast- freundschaft in Deutschland

Ende Februar 2014 packten 25 Bamberger Jugendliche ihre Koffer und reisten für einen deutsch-senegalesischen Jugendaustausch in das Partnerbistum Thiès. Dort verbrachten sie zwei Wochen voller Tanz, Trommeln, Lachen, Freude und Gastfreundschaft. Das Internetportal Weltkirche berichtete in Form eines Reisetagebuchs . Nun – rund drei Monate später – wurde der Spieß herumgedreht und elf junge Menschen aus dem Senegal machten sich auf den Weg nach Bamberg. Auf dieser Seite berichten fünf junge Autoren von ihren Erlebnissen im Partnerbistum Bamberg.

Donnerstag, 15. Mai: „Lochgefängnis“ in Nürnberg

Am heutigen Donnerstag haben wir das so genannte „Lochgefängnis“ in Nürnberg besucht, das auch als „Gefängnis der Vergessenen“ bezeichnet wird. Ihr fragt euch bestimmt, woher dieser komische Name kommt. Wir haben uns diese Frage auch gestellt. Sie wurde schließlich beantwortet, als uns unsere Führerin von der Geschichte und dem Martyrium der Gefangenen erzählte, welches diese erleiden mussten. Einige aufgrund kleiner Vergehen (Lügen, Beleidigungen oder nicht ganz fertig gebackenes Brot bei Bäckern), andere aufgrund schwererer Verbrechen (Mord, Diebstahl, Gewalttaten…). Es ging damals entsetzlich und grauenhaft zu. Wenn man die Folterinstrumente sieht, die verwendet wurden, kann man sich vorstellen, welche Qualen die Gefangenen erlitten haben müssen. Einige von uns hat das an die Geschichte der Insel Gorée erinnert (Insel vor der Küste Senegals, von der aus Sklaven nach Nordamerika und Europa verschifft wurden), aber im Vergleich dazu war selbst das Gefängnis in Nürnberg noch ein Paradies.

Sonntag, 18. Mai: Bei deutschen Gastfamilien

An diesem Sonntag hatten wir die Möglichkeit, verschiedene deutsche Familien zu besuchen und den Tag mit ihnen zu verbringen. Wir finden, dass deutsche Familien ein bisschen anders leben als senegalesische. Aber alle Familien haben uns sehr, sehr herzlich empfangen.

Neben einem Besuch bei den Gastfamilien stand auch ein Ausflug in den Klettergarten auf dem Programm. BDKJ Bamberg

Gilbert Nicolas Sékéne Séne:

Der Besuch war sehr schön und wir haben uns wie zuhause gefühlt. Wir haben Familienmitglieder kennengelernt, die sich uns gegenüber super sympathisch verhalten haben, und so haben wir die senegalesische „Téranga“ (Gastfreundschaft) auch in Deutschland gefunden. Was mich am meisten beeindruckt hat, war, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einem Pferd geritten bin. Es war ein sehr schöner Ausflug und auf jeden Fall einer der schönsten Momente. Er wird mir immer in Erinnerung bleiben. Bevor wir uns wieder verabschiedeten, haben wir – wie es im Senegal üblich ist – ein Geschenk von unserer Familie bekommen, was uns sehr gefreut hat.

Jean Michel Diouf:

Heute haben wir viele verschiedene Sachen erlebt. Wir haben zuerst einen Kindergarten besucht, dann eine Grundschule und später waren wir noch bei einer Taufe. Nach der Messe haben wir gesehen, dass die Menschen vor der Kirchentür Münzen geworfen und die Kinder sich beeilt haben, diese einzusammeln. Wir haben das nicht sofort verstanden, weil es diesen Brauch im Senegal nicht gibt. Nach der Taufe haben wir noch ein Fußballspiel angesehen und danach selbst mit der Mannschaft gespielt.

Gilbert Basile Basséne:

Wir dagegen haben die Stadt und ihre Umgebung und schließlich einen Landwirtschaftsbetrieb mit mehr als 100 Kühen besucht. Diese produzieren sehr viel Milch, die unter anderem zur Käseherstellung verwendet wird. So haben wir andere Methoden der Landwirtschaft und der Viehzucht kennengelernt.

Dienstag, 20. Mai: Besuch einer Flüchtlingsunterkunft in Erlangen

Nach 30 Minuten Fahrzeit haben wir im Jugendtreff „Beatship“ in Erlangen zunächst bei einem Kaffee intensiv über die Situation der Flüchtlinge in Deutschland und vor allem in Bayern diskutiert. Dem Austausch mit den Verantwortlichen des Jugendtreffs, die sich um die Flüchtlinge in den benachbarten Wohncontainern kümmern, hat sich ein Besuch der besagten Unterkunft angeschlossen.

Obwohl das Programm des Jugendaustauschs nicht nur spaßige Themen vorsah, gab es in den zwei Wochen doch so manche Zeit zum Rumalbern. BDKJ Bamberg

Dabei mussten wir feststellen, dass die Situation der Migranten ungewiss und schwierig ist: Sie haben keine Aufenthaltsgenehmigung, wohnen in Flüchtlingsunterkünften und ihre Rechte sind eingeschränkt. Zwar leben sie in dieser Ungewissheit, aber immerhin bekommen sie finanzielle Unterstützung und Essensrationen von der Regierung, die es ihnen ermöglichen, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die meisten dieser Flüchtlinge kommen aus Osteuropa, Asien und Afrika. Sie sind hier auf der Suche nach einer besseren Zukunft, weil sie in ihrem Heimatland keine Perspektiven haben. Sobald sie in Deutschland angekommen sind, können die Kinder der Flüchtlingsfamilien hier zur Schule gehen. Ihre Eltern bekommen im Jugendtreff nicht nur Deutschunterricht, sondern auch Tipps bei Fragen zu ihren Asylanträgen. Was uns ein bisschen schockiert hat, war zu hören, dass die Flüchtlinge nicht arbeiten dürfen, solange sie keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Deshalb treffen sich die Männer oft in einem Park und verbringen den ganzen Tag dort. Aus diesem Grund haben wir bei unserem Besuch nur Frauen und Kinder angetroffen. Insgesamt hat uns dieser Besuch erlaubt, einen besseren Einblick in das Leben von Flüchtlingen, auch in unseren eigenen Ländern, zu bekommen.

Samstag, 24. Mai, und Sonntag, 25. Mai: Diözesanjugendwallfahrt JuWall

Während unseres Aufenthalts in Deutschland haben wir auch polnische Jugendliche getroffen, die in Begleitung von Priestern zu Besuch in der Erzdiözese Bamberg waren. Gemeinsam haben wir an der „JuWall“ (Diözesanjugendwallfahrt) teilgenommen. Viele Verantwortliche aus Bamberg waren auch mit dabei und gemeinsam haben wir gebetet und gesungen. Am Samstag standen verschiedene kreative Workshops und Gebete auf dem Programm. Nach einer erholsamen Nacht haben wir uns dann auf den Weg in Richtung der Basilika von Gößweinstein gemacht. Alle Jugendlichen gemeinsam haben die Wallfahrt zu einem lebendigen Ereignis werden lassen, was uns sehr gefallen hat, weil auch unsere jährliche Wallfahrt nach Popenguine immer sehr lebhaft ist.

Besinnliche Momente bei der Jugendwallfahrt „JuWall“. BDKJ Bamberg

Neben den genannten Programmpunkten haben wir noch viele andere Dinge erlebt: Empfang beim Erzbischof, Gottesdienst mit dem Weihbischof, Lagerfeuer im Garten der Familie Kaulen, Gesangsunterricht mit Tobias Lübbers (Leiter der Werkstatt „Neues Geistliches Lied“), „Kronach leuchtet“ (Lichtfestival in Kronach im nördlichen Erzbistum) und schließlich einen tollen Abend mit dem „Vater“ der Bistumspartnerschaft, Alois Berner, der von uns auch liebevoll „Gorgui“ genannt wird.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Gabi Kaulen (ehrenamtliche Mitarbeiterin im Jugendhaus Burg Feuerstein und Mitglied im Partnerschaftskomitee Bamberg – Thiès, hat den Jugendaustausch mit organisiert und begleitet) und ihrer Familie, aber auch bei allen Jugendlichen, die uns während unseres Aufenthalts begleitet haben. Dieser wäre nicht so toll gewesen, wenn ihr nicht für uns da gewesen wärt. Vielen Dank für eure Unterstützung, danke an die Küche für das leckere Essen, an das Team von der Rezeption des Jugendhauses Burg Feuerstein und an alle, die uns geholfen haben!

Von Abbé Augustin Moïse Seck, Larissa Diedhiou, Gilbert Nicolas Sékéne Séne, Gilbert Basile Basséne und Jean Michel Diouf.

Übersetzung: Mickael Le Garrec

Die Autoren

Abbé Augustin Moïse Seck: Diözesanjugendpfarrer in Thiès

Larissa Diedhiou: 24 Jahre, studiert Englisch, war ein Jahr lang als Freiwillige auf Burg Feuerstein

Gilbert Nicolas Sékéne Séne: 24 Jahre, Elektriker

Gilbert Basile Basséne: 30 Jahre, arbeitet bei der Post

Jean Michel Diouf: 19 Jahre, Pfadfinder

Larissa, Gilbert Nicolas, Gilbert Basile und Jean Michel sind ehrenamtlich in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit in ihrer Diözese Thiès aktiv. Außer Larissa waren alle zum ersten Mal in Deutschland.

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