Bildung und Fairer Handel

  • Reisetagebuch - 06.03.2014

Eduquer une femme c´est eduquer une nation“. In großen Buchstaben steht über dem Eingangstor, wovon Claire Logis, die Gründerin der nach ihr benannten Schule, überzeugt war: „Eine Frau auszubilden bedeutet, eine Nation auszubilden“. Die Bildung von Mädchen und jungen Frauen stand heute Vormittag beim Besuch der Mädchenschule „Claire Logis“ im Mittelpunkt.

Wird bei uns in Deutschland über Gleichberechtigung von Männern und Frauen diskutiert, geht es in der Regel darum, wie viele Frauen es in Führungspositionen gibt oder wie viel Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer. Dass sie weder lesen noch schreiben können, ist für uns unvorstellbar. Anders ist das im Senegal: Über 70 Prozent der Frauen (und damit 10 Prozent mehr als Männer) sind Analphabetinnen. 70 Prozent!!! Und das, obwohl Frauen im Senegal in vielen Fällen die Hauptlast in der Familie tragen, gleichzeitig Geld verdienen müssen, die Kinder erziehen und den Haushalt führen.

An diesem Punkt setzt das Konzept der Mädchenschulen „Claire Logis“ an, von denen es im Senegal zwei Stück gibt. In Thiès besuchen derzeit 56 Mädchen und junge Frauen die Schule. Die Jüngste ist 13 Jahre alt. Auf die Frage, wie alt die ältesten Schülerinnen seien, bekamen wir die Antwort, dass diese bereits eine eigene Familie hätten. Ich fand diese Aussage spannend, zeigt sie doch, dass Alter hier offensichtlich nach ganz anderen Maßstäben als in Deutschland bemessen wird: Wichtiger als die tatsächliche Anzahl der Lebensjahre, scheint die Lebenserfahrung zu sein.

Kochen und Backen – ein Ausbildungszweig in „Claire Logis“. Ann-Kathrin Thönnes

Für das Leben gewappnet

Aber zurück zur Schule: Viele der Schülerinnen haben vor dem Besuch von „Claire Logis“ nie eine Schule von innen gesehen, andere haben die Schule abgebrochen. Die Ausbildung in „Claire Logis“ will die Mädchen und Frauen für das Leben wappnen. Dementsprechend umfassend werden diese unterrichtet. Neben Lesen und Schreiben lernen die Schülerinnen Kochen, Backen und Nähen. Davon, dass sie vieles davon bereits sehr gut können, konnten wir uns gleich selbst überzeugen. So zeigten uns die Mädchen und Frauen nicht nur ihre selbst genähten Kleider und Taschen, sondern verwöhnten uns auch mit vielen leckeren Köstlichkeiten wie frittierten Teigtaschen mit Fleischfüllung, gebrannten Erdnüssen und verschiedenen Plätzchen. Die Mädchen und Frauen bekommen zudem Sozialkunde-, Informatik- und Sportunterricht. Ein wichtiges Fach ist außerdem Buchhaltung.

Es geht um’s Geschäft

Finanziert wird die Schule neben Unterstützung aus Frankreich (woher das Geld genau kommt, habe ich nicht so hundertprozentig verstanden) und einem kleinen monatlich zu zahlenden Schulgeld durch den Verkauf ihrer Produkte, auf den die Mädchen und Frauen somit angewiesen sind. Aus diesem Grund haben wir den Besuch der Schule nicht nur zum gegenseitigen Austausch genutzt, sondern auch, um erste geschäftliche Beziehungen aufzubauen. Mit Erfolg! Zum einen werden die Mädchen und Frauen das Fastentuch zusammennähen, mit dessen Gestaltung wir morgen gemeinsam mit senegalesischen Jugendlichen anfangen und für dessen Fertigstellung professionelle Nähkünste benötigt werden.

Zum anderen soll die Schule aber auch langfristig eine zusätzliche Einnahmequelle haben. Das Schlüsselwort in diesem Zusammenhang ist Fairer Handel. So konnten wir heute bereits einige der von den Schülerinnen genähten Taschen kaufen, die wir mit nach Deutschland nehmen werden. Diese sollen auf Burg Feuerstein verkauft werden. Mit Erdnüssen, Schmuck und Marmelade gibt es dort bereits seit einiger Zeit zusätzlich zu den „normalen“ und zertifizierten Fair-Trade-Produkten eine kleine Auswahl an senegalesischen Produkten. Diese werden nun also um die Taschen aus „Claire Logis“ erweitert. Damit werden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Zum einen haben die Mädchen und Frauen so die Möglichkeit, ihre Produkte zu verkaufen. Die Schule bekommt das Geld dafür direkt und ohne irgendwelche Abzüge. Zum anderen wird der Erlös aus dem Verkauf auf Burg Feuerstein für das geplante „Maison de Jeunes“ gesammelt.

Drei Säulen der Partnerschaft

Zum Hintergrund: Die Partnerschaft zu der Jugend in Thiès besteht aus drei Säulen: dem Jugendaustausch, dem Freiwilligenaustausch und dem „Maison de Jeunes“. Das Konzept für Letzteres wurde in verschiedenen Zukunftsworkshops und Gesprächen mit Verantwortlichen der Jugendarbeit in Thiès entwickelt. Ähnlich wie auf Burg Feuerstein soll hier ein Haus für die Jugendlichen der Diözese entstehen – unter anderem mit Seminarräumen und Übernachtungsmöglichkeiten. Auf Burg Feuerstein wird für dieses Projekt bereits seit drei Jahren gesammelt. Auch Vereine und Verbände setzen sich für das „Maison de Jeunes“ ein. Der Fair-Trade-Verkauf mit senegalesischen Produkten, der Schritt für Schritt erweitert werden soll, ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Verwirklichung des Projektes.

Eine Kora in der klostereigenen Werkstatt in „Keur Moussa“. Ann-Kathrin Thönnes

Benediktinerkloster Keur Moussa

Das Thema Fairer Handel begleitete uns heute auch am Nachmittag. Wir besuchten das Benediktinerkloster Keur Moussa, etwa eine dreiviertel Stunde von Thiès entfernt. Das Kloster ist eines der Größten im ganzen Senegal. Die Mönche bewirtschaften riesige Flächen mit Obstbäumen. Ein Traum für jemanden, der Obst so liebt wie ich: Mangos, Bananen, Orangen, Zitronen, Grapefruits und Mandarinen, soweit das Auge reicht. Außerdem haben die Mönche eine eigene Schreinerei, einige Tiere und eine Werkstatt, in der sie Koras herstellen (dank Wikipedia kann ich jetzt auch super gut erklären, was das ist: die Kora ist nämlich – Tatata: eine mit beiden Händen gezupfte westafrikanische Stegharfe, die auch als Harfenlaute klassifiziert wird! Wer sich noch immer nichts darunter vorstellen kann: einfach das Bild anschauen).

Einen Teil der Früchte verarbeiten die Mönche zu Marmelade, Schnaps, Wein, Saft und Sirup, den sie in einem eigenen Laden verkaufen (und wo wir uns auch gleich eingedeckt haben – ich bin mir sicher, dass auch einige der Blogleser davon probieren werden können, wenn wir wieder in Deutschland sind). Der Großteil wird jedoch unverarbeitet an Markthändler verkauft. Auch Keur Moussa soll ein Projektpartner für den Fairen Handel werden. Ob Burg Feuerstein künftig verarbeitete Produkte wie Marmelade aus Keur Moussa (wofür das Kloster offiziell nach Fair-Trade-Kriterien zertifiziert werden müsste) verkauft, oder ob die Früchte importiert und in Deutschland verarbeitet werden, ist jedoch noch nicht sicher.

„Viele Menschen und Institutionen wollen eine Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern. Oft erschweren Vorschriften, Interessenskonflikte oder andere Schwierigkeiten jedoch das Vorankommen.“

Neben vielen spannenden Einblicken in einige weitere Bereiche des Lebens im Senegal hat mir der Tag heute vor allem auch eines gezeigt: Viele Menschen und Institutionen wollen eine Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern. Oft erschweren Vorschriften, Interessenskonflikte oder andere Schwierigkeiten jedoch das Vorankommen. Die ersten Schritte auf dem Weg zu einer noch engeren Partnerschaft im Bereich der Jugendarbeit zwischen den Diözesen Bamberg und Thiès sind gemacht – aber auch in Zukunft gibt es noch viel zu tun!

Von Ann-Kathrin Thönnes

© BDKJ Bamberg

Reisetagebuch

Alle Fotos und Erfahrungsberichte der TeilnehmerInnen im Überblick finden Sie auf www.infranken.de und bei uns:

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Bistumspartnerschaft Bamberg und Thiès

Mehr über die Bistumspartnerschaft zwischen Bamberg und Thiès und den Jugendaustausch erfahren Sie auf den Webseiten des Erzbistums Bamberg und des BDKJ Diözesanverbandes Bamberg .

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DVD über das senegalesische Partnerbistum

Das Erzbistum Bamberg hat einen knapp 41-minütigen Dokumentarfilm über die Besonderheiten der jungen, wachsenden Kirche im Senegal gedreht.

Die DVD kann zum Preis von 5,00 Euro bestellt werden über das

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Heinrichsdamm 32
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Die DVD ist zudem ausleihbar über die Medienzentrale des Erzbistums Bamberg.

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