Ausnahmezustand

  • Reisetagebuch - 27.05.2013

Es ist einfach unglaublich. Bei der Bischofsweihe hier im Senegal ist eine ganze Stadt fast im Ausnahmezustand. Jeder Katholik, der etwas auf sich hält, kommt ganz selbstverständlich zur feierlichen Weihezeremonie von André Guèye, dem neuen Bischof. „10.000 Gläubige sind da, vielleicht sogar mehr“, sagt einer der Verantwortlichen für die Organisation der Bischofsweihe.

Unter den Besuchern sind auch vier Minister des Senegals sowie hochrangige muslimische Vertreter. Rund 200 Priester konzelebrieren, dabei hat das Bistum Thiès selbst nur etwa 80 Priester. Viele Geistliche kommen also von anderen Teilen des Senegals.

„Ich fühle mich von den Leuten angenommen und spüre deren Gebete.“

— Bischof André Guèye
Erzbischof Ludwig Schick weiht Bischof André Erzbistum Bamberg

Vier Stunden dauert der Weihegottesdienst. Für einen Mitteleuropäer klingt das wie eine halbe Ewigkeit – ist es aber nicht. Die Menschen tanzen, singen und beten für den neuen Bischof, der hinterher auch richtig gerührt ist. „Ich fühle mich von den Leuten angenommen und spüre deren Gebete“, sagte André Guèye.

Alle Bischöfe des Senegals sind da, aber auch Oberhirten aus Mali, Guineau-Bissau, Gambia, Frankreich und Deutschland. Aus „Allemagne“ ist dies Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Er ist einer der drei Hauptkonsekratoren, zusammen mit Kardinal Théodore Adrien Sarr aus Dakar und dem Vorsitzender der senegalesischen Bischofskonferenz, dem Bischof von Kaolack, Benjamin Ndiaye.

Feierliche Weihezeremonie: Der Chor singt aus Leibeskräften. Erzbistum Bamberg

„Das war heute ein Fest von Vielen und er konnte auf eine Woge des Wohlwollens schwimmen. Ich wünsche ihm, dass es so weiter geht“, zeigte sich Erzbischof Schick beeindruckt von der mehrstündigen Feier.

Wer glaubt, dass nach dem Gottesdienst alles vorbei ist, der kennt die Lebensfreude der Menschen hier nicht. Noch Stunden später feierten die Gläubigen auf den Straßen und Plätzen der katholischen Einrichtungen und zwar bis tief in die Nacht. Doch morgen um 10.00 Uhr, wenn der neue Bischof in der Kathedrale St. Anna in einem festlichen Gottesdienst Besitz ergreift, werden die meisten von ihnen wieder da sein. Der Glaube lebt hier im Senegal.

Von Christoph Gahlau

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