Gedanken über Ruanda, Teil 4

Mittwoch, 27.11.2013

Nach dem morgendlichen Gottesdienst holen wir unseren Partnerbischof Jean Damascene Bimenyimana ab, der ziemlich gestresst ist: Sein Nachbarbischof aus Butare war bei ihm zu Gast, ebenso noch eine Gruppe von „Caritas France“. Bischof Bimenyimana lebt mit sieben Priestern seines Bistums gemeinsam im Bischofshaus. Wir können noch mit den Leitern der Caritas und von „Justice and Paix“ sprechen. Dann fahren wir nach Mibirizi, 25 Kilometer südlich von Cyangugu, nicht weit von der burundischen Grenze entfernt.

Dort besuchen wir das einzige Krankenhaus in der ganzen Gegend. Das nächstgelegene innerhalb Ruandas sei das Spital in Gikongoro, gut 100 Kilometer weiter östlich. Der Leiter des Krankenhauses berichtet uns daher, dass Kranke oft zwei Tage (und mehr!) Anreise hätten und dass sie diese eben oft selbst zu Fuß gehen müssten! Im Krankenhaus arbeiten insgesamt 131 Menschen, darunter acht Ärzte. Wir bekommen alles gezeigt: von der Aufnahme über die Verwaltungen, die einzelnen medizinischen Abteilungen, den Raum für Verstorbene, die Wäscherei, die Kapelle bis hin zur Küche. Die Angehörigen kümmern sich um ihre kranken Familienmitglieder. Sie besorgen die Medikamente und eben alles, was das kranke Familienmitglied braucht.

„Ecole technique“

Im Pfarrhaus bekommen wir ein gewohnt gutes Mittagessen. Anschließend besuchen wir die „Ecole technique“, eine Art Berufsschule. Cornelia Large-Neu von der Berufsbildenden Schule Frankenthal hat sich unserer Reisegruppe angeschlossen. Die beiden Schulen haben in diesem Jahr eine Partnerschaftserklärung unterschrieben. Cornelia Large-Neu ist nun als erste Vertreterin ihrer Schule zu Besuch. Sie war schon zwei Tage vor uns vor Ort und hat viel mit dem hiesigen Schulleiter und Pfarrer gesprochen und überlegt, was in Zukunft die ersten sinnvollen Schritte für ein gemeinsames Tun sein könnten. Die Schüler der „Ecole technique“, die im letzten Schuljahr von 272 Jugendlichen besucht wurde, können sich zwischen zwei Fachrichtungen entscheiden: „Electronics“ und „Constructeur“. Derzeit werden neue Klassenräume gebaut, um die rund 400 Schüler, die sich zum kommenden Jahr angemeldet haben, aufnehmen zu können.

Auf dem Heimweg machen wir spontan einen Abstecher bei den Karmelitinnen in Cyangugu. Ich hatte Bischof Bimenyimana berichtet, dass ich noch eine Kerze von den Karmelitinnen in Speyer als Geschenk dabei habe. Die Schwestern sind sehr gastfreundlich. Besuche und Gespräche mit Menschen von außerhalb des Klosters sind für sie so besonders, dass sie uns sehr bewusst empfangen. Schon bei der Begrüßung spüre ich, wie präsent jede einzelne Schwester ist. Sie hören ganz aktiv zu und bieten uns ihren selbstgemachten Avokado-Likör an. Sie freuen sich über das Geschenk aus Speyer und geben uns im Gegenzug zwei Flaschen Avokado- und Ananas-Likör für ihre Mitschwerstern in Speyer mit.

Anschließend besuchen wir das Caritas- und „Justice __amp__ Paix“-Zentrum, das wunderbar am Kivu-See gelegen ist. Hier treffen wir auch die Gruppe von „Caritas France“. Zurück im Diözesanzentrum schmieden Bischof Bimenyimana und wir beim Abendessen schon erste Pläne für dessen Gegenbesuch Ende Juni/Anfang Juli 2014.

Von Christoph Fuhrbach

Donnerstag, 28.11.2013

Nach einem letzten Frühstück verabschieden wir uns von Bischof Bimenyimana und einigen seiner Mitarbeiter. Danach fahren wir in einem 8-Sitzer über Butare nach Kigali. Bei den Pallottinern reflektieren wir unsere Reise und treffen anschließend die Kolping-Vorsitzenden in Ruanda. Inzwischen gibt es 42 Kolpingfamilien und 1442 Mitglieder im Land. Am Abend werden wir zu einem festlichen Abendessen in die Kommunität der Pallottiner eingeladen. Einige waren gestern und heute auf einer großen Wallfahrt in Kibeho im Süden des Landes, an der rund 30.000 Menschen teilnahmen. Die Berichte hören sich faszinierend an.

Ein Pater erzählt uns anschließend sehr persönlich von seiner Motivation, vor 16 Jahren nach Ruanda zu kommen. Er hatte den Genozid aus der Ferne verfolgt und auch viele Berichte von Mitbrüdern gehört, die nach dem Genozid nicht mehr in der Lage waren, nach Ruanda zurückzukehren. Gerade aber weil die Kirche während des Krieges nicht immer eine gute Figur gemacht hatte, ist es ihm wichtig, dass zukünftig positive Impulse von der Kirche für die Gesellschaft kommen. Um 23 Uhr verabschieden wir uns von den Pallottinern und fahren zum Flughafen.

Von Christoph Fuhrbach

Freitag, 29.11.2013

Um 2:25 Uhr startet unser Flieger in Kigali. Mit Zwischenlandung und fast sechsstündigem Aufenthalt in Addis Ababa erreichen wir am späten Nachmittag Frankfurt. Für mich geht es direkt weiter nach Mainz zur Mitgliederversammlung und Jahrestagung des Entwicklungspolitischen Landesnetzwerks Rheinland-Pfalz. In der S-Bahn lese ich von Papst Franziskus‘ Schreiben Evangelii gaudium , das offenbar sowohl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als auch in der Süddeutschen Zeitung heftig umstritten scheint. Ich freue mich sehr, dass wir im Zentrum der Kirche plötzlich eine so prophetische Gestalt haben!

Von Christoph Fuhrbach

© Bistum Speyer