Sternsinger in Pala

    © Bild: missio Aachen/Seibel

  • Philippinen - 18.01.2016

Den emotionalen Höhepunkt erleben wir von der Missio-Delegation auf unserer Philippinenreise am Freitag. Feierliche Schlüsselübergabe in Palo, mittelphilippinische Provinz Leyte, Erzdiözese Palo. Dort wütet im November 2013 der Taifun Yolanda mit am schlimmsten. Er hinterlässt obdachlos gewordene arme  Fischerfamilien.

Nahe Palo starten deshalb die Missionsbenediktinerinnen des Konvents St. Scholastika gemeinsam mit der Organisation "Humanity for Habitat" ein Wiederansiedlungs-Programm .

Ein neues Dorf mit 30 festen Häusern für die Fischerfamilien entsteht dort. Die Häuser sollen besser den Tropenstürmen standhalten. Missio finanziert sie mit. Missio-Präsident Prälat Klaus Krämer übergibt symbolisch die Schlüssel für die ersten sechs neuen Häuser an die Familien, die dort einziehen. Ein örtlicher Priester segnet die Häuser.

Prälat Krämer übergibt der ersten Fischerfamilie, die obdachlos geworden war, smybolisch den Schlüssel für das neue Zuhause 

missio Aachen/Seibel

Wie sehr Yolanda die Seelen dieser Menschen erschüttert haben muss, verraten ihr schnell wechselndes Minenspiel zwischen Rührung, Tränen und Lachen. Prälat Krämer, der ja auch Präsident des Kindermissionswerkes in Aachen ist, klebt den Segensspruch der Heiligen Drei Könige an die Türen der neuen Häuser. So kommen die Sternsinger bis nach Pala.

Äußerlich erinnern etwas mehr als zwei Jahre nach dem Taifun Yolanda immer weniger Spuren an die Katastrophe. Die Kathedrale von Pula steht im neuen, alten Glanz wieder da. Davor ist ein Mahnmal für die Opfer von Yolanda angelegt. Die Missionsbenediktinerin Celine Saplala begleitet uns. Sie erzählt mir: "Es gab ja so viele Tote. Von manchen kannte man die Namen, von manchen nicht. Es war ja alles zerstört, auch die Friedhöfe. Aber die Menschen mussten bestattet werden. Und so ist hier vor der Kathedrale, ja, man muss es leider so sagen, eine Art Massengrab entstanden."

 

Das Erinnerungsmahnmal für die Toten des Taifuns Yolanda an der wiederhergestellten Kathedrale des Erzbistums Palo.

missio Aachen/Seibel

Jetzt ist es mit Rasen schön angelegt und einer kniehohen Mauer umrandet. Engel stehen auf dem Rasen. Marmortafeln auf dem Mäuerchen erinnern an die Toten, deren Namen bekannt war. Der Blick in der Dämmerung auf das hell gleißende Mahnmal verliert sich schnell.

Der Schmerz von Yolanda verändert die Menschen. Das behauptet Fr. Erlitt Maraya, Direktor des Großen Seminars der Erzdiözese Palo in der Nachbarstadt Tacloban. "Nach dem Taifun sind die Menschen nachdenklicher, weniger oberflächlich. Geld, das Materielle zählt nicht mehr so viel. Die Katastrophe hat gerade junge Menschen dafür sensibel gemacht, ihrem Leben wirklich einen Sinn zu geben. Nach Yolanda sind die Berufungen im Erzbistum Berlin enorm gestiegen", sagt er. Stolz liegt in der Stimme. Gemeinsam mit dem Architekten führt er uns über die Baustelle, auf der das neue Große Priesterseminar entsteht, dessen Bau Missio fördert. Das drei Stock hohe graublaue Stahlskelett steht schon. Bis zu 400 Seminaristen können dort einmal einziehen. Während wir die Baustelle besuchen, spielen die Kolleginnen auf einem angrenzenden Betonplatz. 

Hoffnung und Verzweiflung, gemächlicher Alltag und Anspannung liegen auf den Philippinen nahe beieinander. Das lerne ich auf unserer Reise. So beschäftigt uns am Freitag noch der Aufenthalt auf Mindanao und der Stadt Zambaonga vom Vortag. Ich schreibe unserem Gastgeber Fr. Sebastiano von der christlich-muslimischen Sisilah-Bewegung eine Mail, dass wir sicher in Tacloban gelandet sind. Ich wünsche ihm, dass an diesem Tag trotz angekündigter Demonstrationen von muslimischen Gruppen, die mehr Autonomie für Mindanao fordern, es in der Stadt ruhig bleibt. Denn wir sehen morgens auf der Fahrt von Fr. Sebastiano zum Flughafen eigens errichtete Militär-Checkpoints und Schützenpanzer. Hubschrauber knattern über den Flughafen. Fr. Sebastiano antwortet auf die Mail. Alles in Ordnung. Er schreibt mir noch einmal, dass er sich sehr über unseren Besuch gefreut hat. Wie wir später erfahren, hatte die Bürgermeisterin von Zambaonga einen Tag zuvor noch die Demonstrationen an diesem Freitag verboten.

Ich lese noch philippinische Zeitungen. Sie spekulieren, ob nach dem Terroranschlag in Indonesien solche Angriffe von islamistischen Terroristen, die sich zu dem sogenannten "Islamistischen Staat " bekennen, auch Manila oder andere große Städte treffen könnten. Sie melden Festnahmen von zum Teil schon länger gesuchten islamistischen Aktivisten. Präsident Aquino demonstriert Gelassenheit, berichten die Zeitungen weiter. Und widmen weitaus mehr Bilder, Zeilen und Spalten dem katholischen Volksfest des Santo Nino, dem heiligen Kind. 

Von Johannes Seibel, missio Aachen