„Pass auf dich auf!“

  • Reisetagebuch - 01.02.2015

Eineinhalb Stunden sitzen wir früh morgens im Pickup und auf dessen Ladefläche. Wir fahren durch die wunderschöne Landschaft von Pangasinan und erfreuen uns an den tausend verschiedenen Grün-Tönen auf den Reisfeldern und der Vegetation. Wir sind unterwegs zu einem Projekt in der Gemeinde Mangatarem, in dem es um Wiederaufforstung geht. Jeder von uns kann sich darunter etwas vorstellen. Aber was wir dann erleben, gibt uns nochmal einen ganz neuen Blickwinkel in die so genannte Entwicklungszusammenarbeit, in unsere Partnerschaft und das Leben hier auf den Philippinen.

Die Zeit in Mangatarem hinterlässt etliche Fragen in unseren Köpfen: Wie werden sich die armen Familien am Fuße der Hügel weiter ernähren können, wenn alle Wasserquellen versiegt sein werden? Wenn die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft zunächst Investitionen (oder sinkende Erträge) bedeutet, wie sollen dann Bauern, die ohnehin am Existenzlimit wirtschaften, in diese nachhaltige Landwirtschaftsform mit eingebunden werden? Was passiert, wenn der pH-Wert im Boden von Mangatarem weiterhin bei 3,5-4 bleibt?

Schritt für Schritt zur Wiederaufforstung

Simon und Imelda Czendlik aus der Schweiz nehmen uns mit. Zuerst über eine sehr, sehr wackelige Hängebrücke, dann in die Realität der Bauern und zum Schluss mit auf den „Berg“. Dort wächst nicht mehr viel. Der Boden ist durch Erosion ausgewaschen. Es sind nicht genügend Nährstoffe geblieben, um dort verschiedenste Baumarten anzupflanzen.

Einige Setzlinge konnten nicht rechtzeitig vor der Trockenzeit gepflanzt werden, deshalb stehen sie noch in der Baumschule auf den Hängen des Berges. Treike/Bistum Limburg

Seit 2012 sind Simon und Imelda bereits im Bistum Alaminos und bemühen sich um Bildung und Aufklärung für die lokalen Bauern und das „Reforestation Project“ in der Diözese. Kleinschrittig geht es voran. Eine Baumschule wurde initiiert. Dort werden eigene Setzlinge produziert – aus fachlicher Sicht betrachtet allerdings unter widrigen und mehr als schwierigen Bedingungen. Aber immerhin, die Menschen in der Gegend schließen sich dem Projekt an. Manche, weil sie ein Stück Land zum Bepflanzen erhalten und nur einen symbolischen Wert für die Pacht bezahlen müssen, andere aus Idealismus und weil sie ihren Nachfahren die Chance geben möchten, auch hier zu leben.

Landwirtschaftliches Dilemma

In der Nähe sehen wir ein Waldstück. Nicht besonders groß, aber immerhin. Das ist das letzte zusammenhängende Stück Wald in Pangasinan und eines der wenigen auf Luzon, der Hauptinsel, auf der Alaminos liegt. Es ist schon etwas frustrierend, der Realität hier ins Auge zu blicken. Einerseits sind die Menschen auf ihre Felder und die Erträge angewiesen. Andererseits führt diese konventionelle Art der Landwirtschaft dazu, dass die Böden bald nicht mehr viel Ertrag bringen werden. Wasser ist nicht mehr viel vorhanden. Dies klingt wie Hohn, bedenkt man, dass die Philippinen ein Inselstaat sind und überall drum herum Wasser ist.

Aber es gibt auch Hoffnung. In der kleinen Gruppe der Bauern von Mangatarem findet langsam ein Mentalitätswechsel hin zu einem bewussteren Umgang mit der Umwelt statt. Simon und Imelda hoffen, dass sich diese Entwicklung ausbreitet und auch auf andere Gemeinden überspringt.

Was tun, wenn die Erträge ausbleiben? Um dem entgegenzuwirken, engagieren sich viele Bauern in Mangatarem für die Wiederaufforstung. In der Mitte ist der Präsident der Gruppe zu sehen. Treike/Bistum Limburg

Wo ansetzen?

In unseren Köpfen und den anschließenden Diskussionen dreht sich vieles um die Frage nach dem „Wo ansetzen“? Wir unterstützen Bildungsprojekte, pastorale Entwicklung und Feeding Programme (Nahrung für unterernährte Kinder). Aber wird nicht all das hinfällig sein, wenn die lokalen Bauern irgendwann ihrer täglichen Arbeit nicht mehr nachgehen können, weil die Erträge ausbleiben? Alle Menschen in dieser Region können wir ja auch nicht ernähren und unterstützen.

„Ingat ka!“

Während der Rest der Gruppe von Freitag bis Sonntag in den Partnergemeinden unterwegs ist und sicherlich in der kommenden Woche darüber berichtet, soll dieser Beitrag ein Einblick sein in die Realität und die Vielfalt der Inhalte und auch der Problematiken hier. Wer mehr über die Arbeit und das Projekt von Simon und Imelda Czendlik lesen möchte, der findet Informationen und Rundbriefe auf ihrem Blog unter www.sanib.ch .

Zum Abschied sagen die Menschen hier oft „ingat ka!“ – „pass auf dich auf!“. Wir passen oft gut auf uns auf, aber vielleicht könnten wir hier und da auch ein bisschen besser auf unsere Umwelt und die gesamte Schöpfung achtgeben.

Von Vanessa Treike

© weltkirche.katholisch.de

Reisetagebuch

Alle Fotos und Erfahrungsberichte der TeilnehmerInnen im Überblick finden Sie hier:

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Zur Partnerschaft

Die Partnerschaft zwischen den Diözesen Limburg und Alaminos begann 1987 mit dem Besuch von Altbischof Kamphaus im Rahmen des Exposure-Programms der Deutschen Kommission Justitia et Pax. Das Rückbegegnungsprogramm und weitere wechselseitige Begegnungen trugen zu einer Ausweitung der Kontakte bei. Heute umfasst die Partnerschaft mit den Philippinen Dialogprogramme, Gemeindepartnerschaften, Projektkooperationen sowie Freiwilligendienste. Mehr über die Partnerschaft der beiden Bistümer erfahren Sie auf der Webseite des Bistum Limburg:

weltkirche.bistumlimburg.de