Jung und dynamisch

  • Manila - 26.03.2014

Mein Name ist Yannik Sellmann. Ich bin gebürtiger Bonner, lebe aber in Hamm und bin für mein freiwilliges soziales Jahr in den Philippinen. Ich bin schon acht Monate hier und habe einen Besuch von meinem Vater erhalten, der das Pastoralinstitut Bukal ng Tipan besuchen wollte. Also sind wir gemeinsam der deutschen Gruppe für einen Tag beigesessen.

Ich war eigentlich nur hier, um meinen Vater, der ein Professor für Pastoraltheologie ist, zu begleiten und, wenn nötig, zu übersetzen. Wie es für mich üblich ist, hatte ich keine Ahnung, was hier los ist, und habe vor allem nicht erwartet, dass so viele Landsmänner und -frauen gerade hier wohnen und diesen (nennen wir es mal) Lerntrip machen.

Wir kamen also an und wurden sofort (zu meinem großen Vergnügen) zum gemeinsamen Frühstück eingeladen, und ich bekam in acht Monaten zum ersten Mal die Gelegenheit, Cornflakes zu essen. Das könnte schon das Highlight des Tages gewesen sein. (Wirklich. Wenn jemand von euch Lesern acht Monate Reis und ungetoastetes Toast zum Frühstück bekommt, werdet ihr auch so denken!)

Aber dann ging es in den (nennen wir es mal) Lern- oder Studienraum. Diesen Morgen gab es (zufällig) Unterricht von der Abteilung für die Jugendarbeit hier in Bukal ng Tipan. Und (mit ergebenstem Respekt) ich glaube, ich war der Jüngste in diesem Raum, mit ein paar Jahren Differenz (nur ein paar) vielleicht. Deshalb waren die Lehrer ganz happy, glaub ich. Aber ich muss sagen, dass die Gruppe aus Priestern und Gemeindearbeitern mich wirklich positiv überrascht hat, in vielen Wegen. Die Lerntänze, Claps und Songs wurden alle mit Enthusiasmus mitgesungen oder mitgemacht. Bei meinem Vater weiß ich ja, dass er eine unangenehme Neigung hat, alles mit Begeisterung mitzumachen, aber auch alle anderen Teilnehmer waren mit Herz und Seele dabei.

Da es um Jugendarbeit ging, war ich sogar dazu fähig, vieles beizusteuern, vor allem als es darum ging, die Jugend von Deutschland einzuschätzen. Es war sehr sehr hilfreich zu sehen, wie die Jugendarbeiter hier die kirchliche Jugend in konzentrischen Kreisen in Gruppen einteilten – eine sehr praktische Methode, die auch in der Jugendarbeit in den deutschen Kirchen helfen kann. Und Jugendarbeit in den deutschen Kirchen ist nun, meiner Meinung nach, wichtiger denn je. Umso besser, dass die Lerngruppe im zweiten Teil des Morgens auch praktische Annäherung geprobt hat und Methoden entwickeln musste, an die Jugend heranzugehen. Es hat sehr viel Spaß gemacht und ich glaube, dass alle viel gelernt haben.

Eine Notiz am Rand: Es hat auch persönlich sehr sehr viel Spaß gemacht, sich wieder in deutscher Sprache und vor allem mit deutschem Humor unterhalten zu können, und Witze über Fussball und andere sehr deutsche Dinge (wie die gloriosen Bauten der Hamburger Elbphilharmonie und des Berliner Flughafens) wieder erwähnen zu können.

Vielen Dank für den Tag!

Von Yannik Sellmann, 18 Jahre, Sozialarbeiter bei Pag-asa Social Center in Tagaytay

Von der „Crowd“ zur „Community“

Nach einer kurzen Nacht und einem zufriedenen Frühstück (dank Schalke) – wie immer auf der Terrasse mit Blick auf Manila bei 27 Grad – wartete das Jugendteam von Bukal auf uns. Unsere Gemeinschaft hat sich heute durch einen prominenten Gast mit Sohn verstärkt: Prof. Dr. Matthias Sellmann begleitet uns durch den Tag.

Alle sollen wir uns heute Morgen wie Jugendliche fühlen – was uns Teilnehmenden über 35 sehr ehrt. Wir üben uns in neuen Liedern und Tänzen, sieben Arten Beifall zu klatschen und pantomimischen Darstellungen. Lachen und Energie liegen in der Luft, aber auch die Erkenntnis, dass trotz der unterschiedlichen Situation in beiden Ländern die Frage, wie Jugendliche aus der eher unverbindlichen „crowd“ zur engagierten „community“ eingeladen werden können, keine einfachen Antworten kennt.

Nachmittags stehen dann Phasen der Kirchenentwicklung auf unserer Tagesordnung mit Bildern und eigenen Zuordnungen. Im abendlichen Gespräch wird deutlich, dass wir alle von der vorgestellten und erlebten Verbindung von geistlichem Leben und Prozess berührt sind. Auch die Bedeutung von Gemeinschaft und Beziehungen für alle Veränderungsprozesse ist uns durch unser eigenes Erleben in unserer enger werdenden Gemeinschaft lebendig geworden.

Von Barbara Winter-Riesterer

Reisetagebuch

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Link-Tipp

Weitere Blogs zur Philippinen-Reise finden Sie auf den Webseiten des Bistum Erfurt und des Bistum Essen .

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