Zu Besuch in der Mangyan-Mission

  • Montag - 14.10.2013

Vom Hotel geht es am Montag ein paar Häuser weiter zur Mangyan-Mission. Pater Ewald Dinter, ein deutscher Steyler Missionar, empfängt uns. Seit 26 Jahren arbeitet er bei den Mangyan. Sie sind eines der indigenen Völker auf den Philippinen, die große Teile ihrer Kultur bewahrt haben. Sie leben zurückgezogen und unter einfachen Bedingungen in den Bergen der Insel Mindoro.

Ursprünglich war die ganze Insel ihr Siedlungs- und Lebensraum, vor allem auch der Küstenstreifen. Da sich immer mehr Einwanderer – darunter vor allem die Kolonialherren – an der Küste niederließen, siedelten die verschiedenen Stämme der Mangyan in das Binnenland in die Berge um. Aufgrund ihrer friedfertigen und nachgebenden Kultur sind sie gegenüber den Fremden nicht in den Widerstand gegangen, sondern haben sich zurückgezogen und ihren Stil weitergelebt – mit eigenen Regeln und Riten.

Der Missionar und die Mangyan

Eine Paderborner Reisegruppe zu Gast bei dem indigenen Volk der Mangyan, Philippinen.

Alexander Mueller

Die christlichen Einwanderer sind der Grund für Vertreibung und Verlust des angestammten Landes. Mit entsprechenden Vorbehalten und Misstrauen begegnen sie auch heute noch den Christen. „Wir haben dich beobachtet, Pater, du sagst nichts Schlechtes über uns“, diese Aussage eines führenden Mangyan war für Pater Dinter der Hinweis auf gewachsenes Vertrauen, das die Grundlage für spannende Begegnungen geworden ist. Für ihn bedeutet die Mangyan-Mission, die Lebensweise der Menschen und ihre Riten wahrzunehmen sowie ihre Überzeugungen und Geschichte wertzuschätzen. Im Zentrum der Mission sind mittlerweile eine Bibliothek und eine Dokumentation über die Kultur der Volksgruppe entstanden.

„Unsere erste Aufgabe in der Annäherung an fremde Menschen, fremde Kulturen, fremde Religionen ist es, die Schuhe auszuziehen.“

— Pater Ewald Dinter

Pater Dinter beschreibt seine Haltung in der Begegnung mit dem Fremden mit einem Text von Marc Alexander C. Warren: „Unsere erste Aufgabe in der Annäherung an fremde Menschen, fremde Kulturen, fremde Religionen ist es, die Schuhe auszuziehen. Der Platz, dem wir uns nähern, ist heilig. Sonst kann es uns passieren, dass wir auf die Träume der anderen treten. Darüber hinaus könnten wir vergessen, dass schon Gott an dem Platz ist, bevor wir ankommen.“ Seine Art, über seine Arbeit und seine Erfahrungen zu erzählen, macht deutlich, dass diese Haltung sein Handeln prägt.

In der Begegnung der Indigenen mit der christlichen Botschaft verhält sich Pater Dinter wie ein Begleiter. Er hilft den Mangyan, die christlich leben wollen, ihre Beziehung zu Gott zu finden und die Bedeutung des Evangeliums für ihr Leben zu erschließen.

Mit Pater Dinter fahren wir etwas in die Berge und treffen auf ein Dorf der Mangyan. Wir können ihre einfache Lebensweise sehen und es ist sehr anrührend, hier aus der Arbeit von Pater Dinter zu erfahren. Während unseres Aufenthaltes in den kirchlichen Räumen kommt der Dorfälteste und trägt uns zur Begrüßung singend ein Gedicht vor.

Von Stephan Lange __amp__ Ulrich Klauke

© weltkirche.katholisch.de

Von Paderborn auf die Philippinen

Anfang Oktober machten sich einige Mitarbeiter des Erzbistums Paderborn auf eine Reise um die halbe Welt. Ihr Ziel: das pastorale Modell der kleinen christlichen Gemeinschaften auf den Philippinen kennenlernen. In Form eines Reisetagebuchs berichten die Paderborner von ihren Begegnungen. Alle Beiträge auf einen Blick finden Sie hier:

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