Lege deine Schuhe ab

  • Freitag - 11.10.2013

Flipflops gehören hier in Manila zum alltäglichen Bild. Frauen wie Männer tragen sie, Junge wie Alte. Dort, wo es intim und wichtig wird, legt man sie vor Betreten des Raumes ab. Zuhause ist das so und sicher auch an anderen Orten. Hier in Bukal gehört es zur Selbstverständlichkeit, dies auch vor Betreten der Kapelle zu tun. Barfüßig, barhäuptig und mit leeren Händen vor Gott.

Zuhause – bei der Erstkommunionvorbereitung – deuten wir den Kindern die Kniebeuge in Entsprechung so: Vor Dir bin ich klein, mit Dir bin ich groß. Die Kapelle ist uns hier zu einem wichtigen Ort geworden. Gedanken und Fragen, Lob und Dank können vor Gott getragen werden.

„Kann hier heiliger Boden sein? Ja, ganz gewiss.“

So weit, so gut. Auf unserer Exkursion in die Pfarrei St. Joseph in Las Pinas haben uns unsere Gastgeber auch ihre Häuser und Siedlungen gezeigt. Orte voller Kraft und Lebensfreude, Orte auch voller Not und Armut. In einer Kleinen Christlichen Gemeinschaft im Überflutungsgebiet voll erbärmlicher Behausungen zeigen uns die Leute ihre Kapelle. In unseren Augen wohl eher ein Unterstand, aber eben auf einer Erhebung, um ihr mehr Sicherheit zu geben als den eigenen Hütten. Schon der Weg durchs Viertel ist beklemmend. Aber die Menschen freuen sich auf unseren Besuch und sind stolz, uns zu empfangen. Verzweiflung scheint die Menschen nicht zu prägen, wohl eher das Gottvertrauen und Lebensfreude – trotz allem würde der Europäer denken.

Kann hier heiliger Boden sein? Ja, ganz gewiss. Denn die Menschen erfahren auch hier, dass sie von Gott getragen sind. In ihrer christlichen Gemeinschaft wird Solidarität spürbar. Und sie können ihrem Hoffen und Bangen im Gottesdienst Ausdruck verleihen.

Von Gerhard Pieper

© weltkirche.katholisch.de

Von Paderborn auf die Philippinen

Anfang Oktober machten sich einige Mitarbeiter des Erzbistums Paderborn auf eine Reise um die halbe Welt. Ihr Ziel: das pastorale Modell der kleinen christlichen Gemeinschaften auf den Philippinen kennenlernen. In Form eines Reisetagebuchs berichten die Paderborner von ihren Begegnungen. Alle Beiträge auf einen Blick finden Sie hier:

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