Migranten in Mexiko

  • Oaxaca - 04.09.2014

Nach drei Tagen touristischen Programms haben wir das Glück und die Ehre, dass wir eine Einrichtung zur Unterstützung von Migranten in Oaxaca besuchen dürfen. Wir treffen Padre Fernando Cruz Montes im „Centro de Orientacion del Migrante de Oaxaca, A.C.“, kurz: „COMI“.

Dieses Zentrum, das auf seine Initiative hin entstanden ist, begleitet Migranten auf ihrem Weg in die USA, der sie zufällig durch Oaxaca führt. Der Strom an Migranten, die aus Zentralamerika, vorwiegend aus Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua kommen, nimmt kein Ende. Aber auch aus Mexiko selbst wandern jährlich um die 500.000 Migranten gen Norden.

Täglich begleitet Padre Fernando mit seinem Team von vier Personen 20-30 Migranten. Die Migranten, vor allem Männer, unbegleitete Jugendliche und auch einige Frauen und Familien, sind alle auf dem Weg in die USA. Sie flüchten vor der Gewalt und der fatalen ökonomischen Situation in ihren Heimatländern und manch eine/r versucht, die bereits migrierten Familienmitglieder wiederzufinden.

Weg in eine ungewissen Zukunft

Viele der Migranten wissen beim Aufbruch aus der Heimat noch nicht, wie lange sie unterwegs sein werden und welch beschwerliche und auch gefährliche Reise vor ihnen liegt. Auf die Frage, welches Ziel, welchen Ort sie in der USA anstreben, antworten viele: Hauptsache in die USA. Dass allein die Länge der Grenze zwischen Mexiko und den USA 4.000 Kilometer beträgt, ist den Wenigsten bewusst.

So erhalten die Migranten neben Essen und einer Schlafmöglichkeit für drei Nächte (die meisten gehen bereits nach ein bis zwei Tagen weiter) vor allem Informationen über den ihnen bevorstehenden Weg, über die Gefahren, über sichere Anlaufstellen und über ihre Rechte als Migranten auf ihrer Reise durch Mexiko.

Ein Wandbild im „Centro de Orientacion del Migrante de Oaxaca, A.C.“ Kerstin Engelhardt

Am Ende der Kräfte

Das Zentrum bietet zudem medizinische Versorgung, zum Teil sind auch Operationen notwendig. Hier arbeitet das Zentrum mit der Volksklinik e. V. zusammen, welche medizinische Hilfe außerhalb des klassischen Gesundheitssystems anbietet. Viele der Migranten werden auf ihrem Weg Opfer von Gewalt, Überfällen, Vergewaltigungen, Missbrauch jeglicher Art bis hin zu Entführungen, Organ- oder Menschenhandel. Padre Fernando berichtet von einer Frau, die vier Monate unterwegs war bis sie in Oaxaca ankam. Auf ihrem Weg wurde sie sechsmal vergewaltigt und misshandelt und musste aufgrund gesundheitlicher Umstände eine Abtreibung vornehmen lassen. Diese Frau war psychisch und physisch am Ende ihrer Kräfte.

In einzelnen Fällen hilft die Einrichtung auch bei der Beantragung von Asyl in Mexiko. Manche erhalten dauerhafte Aufenthaltsgenehmigungen und finden eine Arbeit in oder um Oaxaca. Soweit es ihnen möglich ist, unterstützt das Zentrum auch die Familien aus und um Oaxaca, die den Kontakt zu ihren in die USA migrierenden Familienmitgliedern verloren haben. Manche haben die Reise nicht überlebt oder befinden sich in Krankenhäusern oder Gefängnissen. Aber manche haben es auch geschafft und melden sich mit einem Gruß oder auch mit solidarischer Hilfe als Dank für die Unterstützung auf der Reise.

Ein sicherer Hafen

Was das Zentrum vor allem sein möchte, ist ein sicherer Ort für die Migranten. Ihre Arbeit gründen sie aus dem Evangelium und so stehen sie den Menschen auf ihrem schwierigen Weg bei. Die Gemeindemitglieder unterstützen die Arbeit des Zentrums mit Lebensmittelspenden. Doch wie bereits die Schwestern, welche wir in Mexiko-City bei ihrer Arbeit mit den Prostituierten getroffen haben, berichtet Padre Fernando, dass die Mittel viel zu knapp sind und sie auf Spenden angewiesen sind, um den durchreisenden Migranten weiterhin auf diese Art zu helfen. Vom Staat könnten sie zwar mehr Fördermittel erhalten, doch dann würden sie ihre Unabhängigkeit verlieren und die Hilfe für die Migranten würde wohl in eine andere Richtung tendieren ...

Wer ein Projekt sucht, um dieses zu unterstützen, wird im Mexiko nicht lange suchen müssen. Weitere Informationen finden Sie hier: www.comioaxaca.org.mx .

Von Kerstin Engelhardt, Referentin beim Institut für Fort- und Weiterbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Reisetagebuch

Mit diesem Beitrag schließt das Tagebuch der Rottenburger Reisegruppe. Alle Fotos und Erfahrungsberichte der TeilnehmerInnen im Überblick finden Sie hier:

zum Reisetagebuch

© weltkirche.katholisch.de