Leben auf dem Land

  • Jiquilpan/Apango - 20.08.2014

Exposure-Besuche in Jiquilpan und Apango standen für uns, eine kleine Gruppe von acht Leuten, für zwei Tage an. Wir sind in die Berge gefahren – viele Kurven in eine wunderschöne Berglandschaft, bewaldet und dünn besiedelt. Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartet.

WILLKOMMEN stand mit großen Buchstaben auf einem großen Plakat und so herzlich und gastfreundlich wie der Empfang, sollte unser ganzer Besuch werden. Unsere Gastgeber haben ein wahres Feuerwerk für uns abgebrannt, um uns ihr Dorf und ihre Gemeinde vorzustellen. Gleich nach der ersten Stärkung sollten wir Gelegenheit bekommen, den Ort kennenzulernen – und sie hatten sich dazu eine Fahrradtour für uns ausgedacht. So konnten wir erleben wie die Menschen in Jiquilpan leben. Dabei haben wir gesehen:

  • eine Tortillafabrik,
  • eine Kooperative von Frauen, die aus heimischen Früchten Süßigkeiten herstellen,
  • zwei Bäckereien,
  • ein Rosen- und ein Chillifeld
  • und die Herstellung von Piñatas.

Überall werden wir herzlichst empfangen und sollten die Köstlichkeiten probieren. Wir hatten alle miteinander viel Spaß und waren erstaunt, wie perfekt zwei junge Frauen Englisch sprechen und wie gut wir uns somit verständigen konnten. Natürlich hatten wir auch in Jiquilpan bei gastfreundlichen Gemeindemitgliedern eine Aufnahme für die Nacht gefunden.

Besichtigung eines Chilifeldes. Kerstin Engelhardt / Gabrielle Maier-Güttler

Tanz, Spiele, Folklore und mexikanische Köstlichkeiten

Was am Abend für uns vorbereitet war, war unglaublich. In perfekter Organisation und mit bester Moderation, begleitet von Musik, Spielen zur Auflockerung, mexikanischer Folklore und natürlich Essen und Trinken, konnten wir die Basisgemeinde kennenlernen. Wie alle Basisgemeinden hat sich die Gemeinde mit den Schwerpunkten der Diözese auseinandergesetzt, hat sich ihre Situation vor Ort intensiv vor Augen geführt und daraus einen „Plan Parroquial“ erstellt, also einen Plan für die Arbeit in der Gemeinde.

Aus den Notwendigkeiten vor Ort sind viele verschiedene Dienste entstanden, in denen sich die Gemeindemitglieder engagieren. Es gibt Katecheten für die Kinder, Menschen, die sich in der Tauf- und Ehevorbereitung engagieren, Verantwortliche für das jährliche Fest der Patronin, eine Gruppe, die sich um den Schutz und Verteidigung der Schöpfung kümmert (Müllrecycling, Kompost aufbauen, Gartenbau, Säuberungsaktionen in der Gemeinde), eine Gruppe, die sich um ganzheitliche Bildung kümmert und viele andere mehr. Insgesamt fällt auf, dass die Mitarbeiterinnen sehr jung sind und sich mit großem Engagement einsetzen.

Stets präsent: die Jungfrau von Guadalupe

All dies geschieht in enger Verbindung mit der Patronin der Gemeinde, der Jungfrau von Guadalupe, zu der eine intensive, persönliche und sehr unerschrocken unmittelbare Verbindung besteht. Die Jungfrau ist überall mit ihrem Bild präsent – auch in den Häusern. Die Menschen reden von ihr wie von einem Familienmitglied. Eine wunderbare Idee war, dass jeder Dienst nach seiner Vorstellung auf einem großen Bild der Jungfrau Früchte, Mais, Chilis und sogar Popcorn ausgelegt hat, so dass die Jungfrau am Ende durch die Früchte der Erde in Jiquilpan erfüllt war.

„Wie anstrengend und langatmig können doch bei uns Versammlungen sein und wie energieerfüllt war dieser Abend!“

Tief beeindruckend ist, mit welchem Selbstbewusstsein und Stolz die Menschen sich selbst und ihren Dienst vorgestellt haben, wie groß ihr Engagement und wie tief und warm ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft für uns war. Wir haben alle diese gemeinsame Fiesta genossen. Ich meine, wir können viel lernen von der Ernsthaftigkeit für die Anliegen einerseits und der überwältigenden Lebensfreude andererseits, die eng zueinander gehören. Wie anstrengend und langatmig können doch bei uns Versammlungen sein und wie energieerfüllt war dieser Abend!

Der Abschied am nächsten Morgen war wirklich ein Abschied von Freunden. Symbol dafür waren auch acht Luftballons mit kleinen Zetteln „komm bald wieder“, die wir vor unserer Abfahrt in den Himmel geschickt haben.

Vielfältig engagiert: Die Gemeinde Apango. Kerstin Engelhardt / Gabrielle Maier-Güttler

In der Gemeinde Apango

Wir haben am zweiten Tag die Gemeinde Apango mit ihren fünf Wohngebieten Ojo die Agua, Sanisidro, Venadero, Lacañada, Centro Apango und deren Basisgemeinden kennengelernt. In den Wohngebieten haben sich die Basisgemeinden mit den Lebensbedingungen der Menschen beschäftigt. Auf dieser Grundlage wurde ein Pastoralplan geschrieben. Alle haben uns stolz präsentiert, wie ihr Gemeindeleben aussieht und welche Dienste und Gruppen es in ihrem Wohngebiet gibt.

Ganz besonders beeindruckend war für mich der Besuch in der ärmsten Basisgemeinde, Ojo die Agua. Viele Frauen und Kinder haben uns dort empfangen und uns beeindruckt mit ihrem Engagement. In dieser armen ländlichen Gemeinschaft kümmert sich die Gemeinde besonders um Familien, die in Not sind, und um ökologische Fragen. So stehen bei der Ökologiegruppe die Qualität des Wassers und die Aufforstung im Mittelpunkt. Es gibt eine Gruppe, die sich um eine gesunde und nahrhafte Ernährung für die Kinder kümmert und in der die Frauen sich gegenseitig beibringen, aus den vorhandenen Lebensmitteln gute Gerichte herzustellen. Sie schätzen die gute Gemeinschaft in der Basisgemeinde, ihre Traditionen und Feste und die wunderschöne Natur an dem Ort, in dem sie wohnen.

Bei allen Besuchen der Basisgemeinden haben wir gemeinsam gesungen und gebetet. Auf diese Weise konnten wir unsere Verbindung über alle Unterschiede hinweg erleben. Ein großartiger Abschluss war jeweils der Segen am Ende unseres Besuches: das älteste Gemeindemitglied – und das waren immer sehr alte, vom Leben gezeichnete Menschen – hat uns gesegnet – uns als Gemeinschaft und dann noch jeden Einzelnen von uns.

Von Gabrielle Maier-Güttler, Organisationsberaterin für die Diözese Rottenburg-Stuttgart

Reisetagebuch

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