Dankeschön und auf Wiedersehen

  • Limburg - 12.11.2013

Dann waren Sie weg. Sogar pünktlich. Am Montag um acht Uhr fuhr die Delegation aus Limburg mit zwei Autos in Richtung Douala, und dann weiter nach Deutschland. Nur ich bin zurück geblieben. Ich kann doch nicht nach elf Jahren wieder nach Kumbo reisen, ohne unsere Partnergemeinde in Djottin zu besuchen. Und so bin ich halt drei Tage länger geblieben, und es hat sich gelohnt.

Ein Taxi holt uns ab: Father Matthias, Pfarrer von Djottin, Ephriam Bam, der vor zehn Jahren ein soziales Jahr in Limburg absolvierte, und Stefan Hecktor aus St. Johannes Apostel in Frankfurt-Unterliederbach, welches seit dem Jahr 2000 mit St. Joseph in Djottin partnerschaftlich verbunden ist. Und dann fahren wir sofort los, nachdem wir noch Medikamente gekauft haben, einen Koffer im Pfarrhaus in Tobin parken, im Supermarkt noch etwas eingekauft haben, noch jemand dazu gestiegen ist, das Taxi getankt und noch etwas eingekauft und beim Landmetzger in Tando frisches Rindfleisch besorgt wurde.

Und dann sind wir endlich in der Pfarrgemeinde in Djottin. Besser gesagt in der Missionsstation Buh, eine von 14 Missionen. Dieser Gemeindeteil befindet sich im Aufwind, nachdem erst seit zehn Jahren dort wieder katholische Messen gelesen werden. Es gibt direkt bei der Mission eine Grundschule und ein Kindergarten. Natürlich schauen wir in jeden Klassenraum rein und sagen „Hello“. Und weiter geht es in die Berge, an Bananen und Eukalyptus, Wasserfällen und Grasland vorbei, Richtung Djottin.

So viele Eindrücke

Dort werden wir erwartet. Viele aus der Gemeinde sind am Montagmorgen gekommen, um den Gast aus Deutschland zu begrüßen. Die Schulkinder tanzen und singen. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates hält eine Rede, ebenso die Vorsitzende der HIV-Selbsthilfegruppe, des Family Life Offices, des Partnerschaftskomitees, der alleinerziehenden Frauen, der Pfadfinder und, und, und. Ach ja, ich darf natürlich auch etwas sagen: Ich bin dankbar und froh, freue mich über die Geschenke (u.a. lebende Hühner) und darüber, wieder da zu sein. Und wir beten gemeinsam das Partnerschaftsgebet. Und dann gibt es selbstverständlich mit jeder Gruppe ein Gruppenfoto: „Cheeeeese!“ Die Schule wird noch besucht, die Krankenstation, der Konvent der Franziskanerinnen und zum Schluss der Fon von Djottin: Bernhard II.

So viele Eindrücke lassen mich gut schlafen, wäre da nicht ab drei Uhr der Hahn des Pfarrhauses, der meint, ich müsste früh wach werden. Aber kein Problem: Um sechs Uhr ist ja auch Frühmesse im Morgenrot! Am Dienstag warteten die Missionen in Ngiptang, Ngai und Ngali auf uns. In der Grundschule von Ngiptang konnten wir einer Hygiene-Unterweisung des Vereins EDUFO beiwohnen. Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiter Ephriam und Mirabelle zeigten den Kindern – und natürlich auch den anwesenden Eltern, die richtige Handwaschtechnik (mit Seife!) und das Zähneputzen.

Stefan Hecktor zu Besuch im Palast eines Fons. Bistum Limburg

Gerade das richtige Händewaschen ist in dieser Region wichtig. Ephriam Bam konnte in seiner Diplomarbeit vor drei Jahren nachweisen, das 78 Prozent der untersuchten Kinder des Nachbarortes Febweh mit Darmwürmern und Parasiten befallen sind. Viele Kinder leiden unter Durchfall und Bauchschmerzen, manche Kinder sterben an den Krankheiten. Durch die einfachsten Hygienestandards soll all diesen Kindern geholfen werden. Ein beeindruckendes Projekt von EDUFO.

Ngai liegt auf 1600 m Höhe. Der Blick auf die Umgebung ist berauschend und traumhaft. Die Wege dorthin sind super schlecht und gehen ins Kreuz. Aber die Begrüßung in der kleinsten Missionsstation von Djottin ist überwältigend. Schon vom Auto werden wir tanzend zum Haus begleitet. Die neue Wasserleitung wurde gerühmt. Diese wurde vor drei Jahren mit großer Unterstützung von MISEREOR gebaut. Auch lernte ich ein paar Waisenkinder kennen, die dank finanzieller Unterstützung von EDUFO zur Schule gehen können.

Dreimal in die Hand klatschen

Der Fon von Ngali, Salomon, erwartet uns schon in seinem Palast. Vor elf Jahren wurde ich als Nformi geehrt. Jetzt wollte er von mir wissen, ob ich auch die Aufgaben als Nformi ernst nehme und durchführe. Er war sehr erfreut, als er hörte, das ich immer über die Partnerschaft der zwei Gemeinden rede und dann natürlich auch über sein Fondom. Die Unterhaltung mit einem Fon in seinem Palast ist schon immer etwas sehr spezielles. Kein Händeschütteln, nur dreimal in die hohle Hand klatschen, meistens eine indirekte Ansprache und viel Respekt und dann Gelächter. Und schon rast die Zeit. Es wird bald dunkel und wir müssen mit dem Auto noch den Berg hinunter. Wir nehmen die Abkürzung und erreichen das Pfarrhaus kurz nach Einbruch der Dunkelheit.

Sieht etwas anders aus als in Deutschland: Hygiene-Unterweisung in einer Grundschule in der Diözese Kumbo. Bistum Limburg

Zack, sind die Tage in Djottin schon wieder vorbei. Es ist wie am Montag: alle einsteigen, schnell noch jemanden besucht, ein kleines Wassergeneratorprojekt besichtigt, in Kumbo sich von Father Matthias verabschiedet, auf den Markt die bestellten Taschen abgeholt, meine Freundin Makelia in der Schule besichtigt, das heißt alle Klassen besucht, die Baustelle des neuen Hauses inspiziert, Livinus in seiner Druckerei und zu Hause getroffen, Uno gespielt, und so weiter.

So viele Kontakte. So viele freundliche Menschen. So viel Adrenalin, so dass ich im Flugzeug nach Paris nicht schlafen konnte. Sei‘s drum. Es war einfach toll. Dankeschön und auf Wiedersehen – oder wie es in der Stammessprache Noni heißt: Bo-Shia!

Von Stefan Hecktor

Unterwegs nach Kumbo

Die Bistumspartnerschaft zwischen Limburg und der Diözese Kumbo in Kamerun feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Bereits im Januar 2013 brach eine kleine Gruppe aus Limburg auf nach Kumbo, um diese langjährige Freundschaft weiter zu stärken. Im November führte es die Limburger wieder nach Kamerun. In einem Reisetagebuch hielten sie ihre Erfahrungen fest.

Alle Reiseberichte auf einen Blick finden Sie hier:

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