Überwältigende Herzlichkeit

  • Kumbo/Kikaikelaki - 28.10.2013

Der Tag beginnt früh, denn in K4 (Kikaikelaki) werden wir kurz nach 8 Uhr zum Bibelteilen erwartet. Die Pfarrei Unbefleckte Empfängnis Mariens wird von Fr. Andrew geleitet, der in St. Georgen studiert hat und zur Pfarrei von Stefan Hecktor gute Beziehung pflegt.

Auf einer Straße mit unendlich vielen Schlaglöchern erreichen wir das malerisch gelegene Dorf und werden gleich von Frauen und Männern in die Kleinen Christlichen Gemeinschaften geführt. Joachim und ich wandern durch das Dorf und sind dann Teil der Nachbarschaft. Uns wird ein Neues Testament in englischer Sprache vorgelegt, sodass wir dem Text gut folgen können – Zacharias begegnet Jesus. Die kleine Gemeinschaft tauscht sich in Englisch und Lamnso aus, doch wir werden durch die 7 Schritte geführt und kommen gut mit.

Nach einer knappen halben Stunde – mittlerweile hat sich der Raum gefüllt, wir sind mehr als 20 Personen – ist auch das Thema für die kommende Woche vereinbart. Wir schließen mit einem Vaterunser und einem Lied und gehen mit unserem Begleiter zurück zur Kirche. Auf dem Weg erklärt er uns, dass normalerweise das Bibelteilen um 6 Uhr morgens stattfindet und nur wegen uns verschoben wurde. So mussten die meisten Männer bereits zur Feldarbeit. Es ist Erntezeit.

Bibelteilen in der Familie am Morgen Bistum Limburg

Nach dem Bibelteilen zum Gottesdienst

Um 10 Uhr beginnt der Gottesdienst. Alle Schulkinder und Kindergartengruppen besteigen den Hügel, vor der Kirche werden wir kritisch beäugt, doch das legt sich schnell. Die Neugier auf die Weißen ist groß. Und wir sind fasziniert von den großen Kulleraugen und schießen ein Foto nach dem anderen.

Während der Messe begeistert uns der Chorgesang – dem Rhythmus kann man sich nicht entziehen. Als wir zum Ende des Gottesdienstes von Fr. Andrew nach vorne gebeten werden, um uns vorzustellen, bietet sich uns beim Blick in den Kirchenraum ein farbenprächtiges Bild. Die einzelnen Gemeinden kann man am einheitlichen Stoffmuster erkennen. Und es gibt mindestens fünf unterschiedliche Farbzusammenstellungen.

Die Herzlichkeit ist überwältigend!

Zum frühen Mittagessen auf der Baustelle des benachbarten Pfarrhauses haben die verschiedenen Verantwortlichen aus den Gemeinden beigetragen. Es gibt natürlich Fufu und Njamanjama und Palmwein – eine besondere Spezialität. Am Ende dieser Begegnungen haben wir jeder mindestens 300 Hände geschüttelt und 100 Menschen umarmt. Die Herzlichkeit ist überwältigend!

Bevor das Nachmittagsprogramm beginnt, lernen wir den Markt in Kumbo kennen. Der Rundgang beginnt mit dem vegetarischen Teil, es gibt so viele Früchte und Gemüsesorten, die wir nicht kennen. Für zarte Gemüter ist die Reihe der Metzger nicht gedacht, ganze Köpfe vom Rind, Häute und Knochenhaufen liegen herum und verbreiten schreckliche Gerüche.

Im Jugendzentrum in Bamkikai Bistum Limburg

Doch gleich um die Ecke beginnt die große Auswahl der Stoffe. Einer farbenprächtiger und exotischer als der andere. Die Wahl fällt nicht leicht, sodass wir uns einen zweiten Besuch für den nächsten Tag vornehmen.

Walzertanz im Jugendzentrum

Im Jugendzentrum können die Jugendlichen in ihrer Freizeit Computerkurse besuchen, Nähen und Malen lernen. Fußball spielen oder sich mit Musik beschäftigen. Eine professionell klingende Band und drei Sängerinnen und Sänger haben auf der Bühne ein Programm vorbereitet. Nachdem wir alle zum Tanzen auf Afrikanisch aufgefordert waren, gab es den Deutschen zu Ehren auch Walzer. Das muss für die Kameruner sehr lustig ausgesehen haben, als wir uns eins-zwei-drei gedreht haben, denn sie haben das lautstark kommentiert.

Den Abend verbringen wir – wieder zurück in K4 – zum Essen in Familien. Ganz unterschiedliche Erfahrungen machen wir über den Wohlstand der Menschen dort. Einige essen in Hütten mit Lehmboden an der Feuerstelle, andere auf bequemen Sesseln im gut eingerichteten Wohnzimmer. Doch eines ist gleich: die Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit der wir bewirtet werden. Auf dem Speiseplan steht an diesem Abend fast überall, na? Natürlich Fufu und Njamanjama. Nicht bevor wir fünf Gesetze Rosenkranz gebetet haben. Das gemeinsame Gebet wird sehr gepflegt ist ein wichtiger Baustein für den Zusammenhalt in den Familien. Und zur Familie gehören nicht nur Eltern und Kinder, sondern auch Cousins und Cousinen, Tanten und Onkel.

Von Annette Zwaack

Unterwegs nach Kumbo

Die Bistumspartnerschaft zwischen Limburg und der Diözese Kumbo in Kamerun feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Bereits im Januar 2013 brach eine kleine Gruppe aus Limburg auf nach Kumbo, um diese langjährige Freundschaft weiter zu stärken. Nun führt es die Limburger wieder nach Kamerun. In einem Reisetagebuch halten sie ihre Erfahrungen fest.

Alle Reiseberichte auf einen Blick finden Sie hier:

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