The one who brings Kola-Nut brings life

  • Reisetagebuch aus Kumbo - 04.04.2016

Für uns schmecken sie unglaublich bitter. Sie sind schön rosafarben und sehen irgendwie freundlich aus. Bricht man die Kolanuss, leuchtet der Innenteil der Nüsse geradezu pink. Hier in der Region um Kumbo stehen zahlreiche Kolanussbäume. Bei verschiedenen Gelegenheiten haben wir die Nüsse nun geschenkt bekommen und sie erstmal entgegen genommen – ohne sie zu essen.

Faszinierend ist die Geschichte hinter der Nuss, der Bedeutungshorizont, der dieser Frucht in der hiesigen Kultur zugeschrieben wird. In Tabenken, einer der Partnergemeinden, hat uns der Priester erklärt: Die Kolanuss ist ein Zeichen des Friedens und des Lebens, ein Geschenk der Natur an die Menschen. Man sagt auch „Wer Kolanüsse bringt, bringt Leben“. Wenn zwei streitende Parteien zusammenkommen und eine Kolanuss teilen/brechen, dann gilt der Streit als beigelegt. Wenn wir also Kolanüsse geschenkt bekommen, dann will man uns damit Leben und Frieden schenken. Es ist immer wieder spannend zu erleben, wie sich Kulturen begegnen: Wir schenken Pax Christi Friedenskerzen. Die Menschen hier schenken uns Kolanüsse. Frieden wünschen sich alle.

Auf den Spuren des Wassers: Die Limburger in der Gemeinde Oku.

Bistum Limburg

Wasser bringt Leben

Vor einigen Tagen haben wir das kleine Dorf Lang in der Gemeinde Oku besucht. Wir waren dort, um uns das Wasserprojekt anzuschauen, das die Bewohner der Gegend mit sauberem Trinkwasser versorgt. Umgesetzt vom Caritas-Büro der Diözese Kumbo und gefördert von Misereor und dem Bistum Limburg, werden die Menschen hier an die Wasserversorgung angeschlossen. Das führt im Endeffekt zu niedrigeren Krankheitsraten, wesentlich weniger Arbeit für Frauen und Kinder (die zuvor das Wasser in Kanistern von der nahe gelegensten Wasserstelle zum Haus tragen mussten), vereinfachten Bedingungen für den Anbau von Gemüse und Mais und noch einiges mehr. Wir schauten uns also das Wassereinfanggebiet an, kletterten teils steile Felder hinab, um das Auffangbecken und das Verteilsystem zu begutachten und erreichten schließlich weiter unten im Tal auch die Zapfstationen für die Dorfbevölkerung. Auch Wasser bringt Leben. Das ist bekannt.

Bevor wir uns auf den eineinhalbstündigen Rückweg nach Kumbo machen konnten, sollte noch ein kurzer (!) Höflichkeitsbesuch beim Dorfältesten absolviert werden. Während wir in den Innenhof des Grundstücks traten, registrierten wir alle, dass wir hier erwartet wurden – vielleicht sogar für ein bisschen länger als nur kurz. Es standen Stühle für uns bereit, eine Rede war geschrieben, zahlreiche Mitbewohner des Dorfes hatten sich in dem Innenhof versammelt, um uns zu begrüßen. Kurz gesagt: Wir waren etwas überrumpelt.

Ein „kurzer“ Besuch beim Dorfältesten hielt ungeahnte Überraschungen bereit.

Bistum Limburg

So saßen wir also da in der bereits langsam eintretenden Dämmerung. Wir nahmen Dankesworte entgegen (für ein Projekt, das wir persönlich teils gar nicht kannten und zu größten Teilen auch bisher nicht unterstützt hatten) und bedankten uns unsererseits für den herzlichen Empfang. Es ist schwierig, in Worten wiederzugeben, was wir in den Augen und in den Gesten der Menschen von Lang erkennen konnten. Auch eine Mahlzeit hatte man für uns vorbereitet und wir aßen unter den interessierten und amüsierten Augen unserer Zuschauer die zubereiteten Kartoffeln, das Fufu und Njama-Njama und sangen im Anschluss ein kleines Lied als Dankeschön.

Ein besonderes Dankeschön

„Father, bevor ihr fahrt möchten wir Euch gerne noch ein kleines Dankgeschenk überreichen“, flüsterte ein Dorfbewohner unserem Begleiter Fr. Daniel Ache ins Ohr. Wie es so ist mit „klein“ und „kurz“, kommt besagter Mann mit einem lebendigen Schaf und einer großen Tüte voll mit Kolanüssen um die Ecke gebogen. „Wir Dorfbewohner von Lang haben entschieden, dass wir Euch dieses Schaf und diese Kolanüsse als Dank übergeben für das, was ihr für unsere Dorfgemeinschaft getan habt.“ Uns fehlten die Worte und alles was wir sagen konnten war „Dankeschön!“, „Thank you“, „Beriwo“ – und das sehr oft. Das Schaf haben wir mitgenommen. Die Kolanüsse auch.

Zu verstehen, welche Bedeutung hinter diesem Geschenk steckt, macht uns demütig. Die Menschen hier bedanken sich bei uns und schenken uns Symbole des Lebens und des Friedens. Vielleicht werden wir – trotz zahlreicher angeschlagener Mägen – die uns geschenkten Kolanüsse doch mal probieren. Vielleicht setzen wir uns in einem Kreis zusammen, brechen die Nüsse und teilen sie. Einige der Nüsse werden wir sicherlich auch mit nach Deutschland bringen. Auf dass sie auch dort den Menschen – trotz des bitteren Geschmacks – Leben und Frieden bringen können.

Von Vanessa Treike

© weltkirche.katholisch.de

Reisetagebuch aus Kamerun

Am 22. März ist eine Gruppe aus dem Bistum Limburg zu einer Begegnungsreise nach Kamerun aufgebrochen. Ziel ist das Bistum Kumbo, zu dem die Limburger seit Jahrzehnten eine intensive Partnerschaft pflegen. Bis zum 7. April wird sich die 11-köpfige Reisegruppe bei ihren Partnern in Kumbo aufhalten. In einem Reisetagebuch berichten die Limburger von ihren Erfahrungen.

Weitere Informationen zur Bistumspartnerschaft zwischen Limburg und Kumbo finden Sie hier:

weltkirche.bistumlimburg.de

Alle Berichte der Limburger Reisegruppe finden Sie in unserem Reisetagebuch.

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