Eine wachsende Freiwilligen-Familie

  • Reisetagebuch aus Kumbo - 26.03.2016

Am Samstag, 26.03., fand im Pastoral Center des Bistums Kumbo eine Konferenz zum Thema Freiwilligendienste statt. Es hat sich die einmalige Gelegenheit geboten, ehemalige Freiwillige aus beiden Richtungen als auch Koordinatoren von kamerunischer und deutscher Partnerseite an einen Tisch zu bringen. Die Jugendlichen aus Kamerun, die im Bistum Limburg ihren Freiwilligendienst geleistet haben, schilderten ebenso lebhaft ihre Erfahrungen wie die deutschen Freiwilligen.

So befand sich ein ungeheuer weites Erfahrungsspektrum mit unterschiedlichen Blickrichtungen im Raum und schnell wurden gemeinsame Themen festgelegt. Es war spannend, die Erfahrungen auszutauschen, die beide Partner mit dem Auswahlverfahren von Freiwilligen gesammelt hatten: Auf welche Weise werden die Freiwilligen ausgesucht? Welche Kriterien sind wichtig? Wie erfahren die Freiwilligen davon, dass sie die Möglichkeit bekommen, ein Jahr im Gastland einen sozialen Lerndienst zu leisten? Ein Moment, den alle ehemaligen Freiwilligen gut in Erinnerung haben.

Wie verläuft nach der guten Nachricht die Vorbereitung und welche praktischen, persönlichen und inhaltlichen Schritte sind zu gehen? Hier wurden jede Menge Parallelen entdeckt: Es gilt, sich auf eine fremde Sprache und Kultur einzustellen und ebenso die eigene Motivation oder Erwartungen abzuklären. Egal, ob man aus Kamerun stammt und sich auf den Weg nach Deutschland macht oder umgekehrt. Es gibt junge Menschen, die sich dieser Herausforderung stellen und entdecken, dass sie sich dabei ähnlicher sind als erwartet.

Lebendiger Austausch der Freiwilligen untereinander

Die Koordinatoren konnten an dieser Stelle viele Impulse für Verbesserungen in der Vorbereitung mitnehmen. Die Tatsache, dass es inzwischen Freiwillige auf beiden Seiten gibt, eröffnet dabei ganz neue Chancen. Warum sollten nicht die aktuellen deutschen Freiwilligen in Kumbo den kamerunischen Freiwilligen dabei helfen, erste deutsche Sprachkenntnisse zu erwerben, bevor sie sich auf den Weg machen? Ebenso können die kamerunischen Freiwilligen kulturelle Unterschiede aufzeigen, die auf deutscher Seite vor der Ausreise wissenswert sind. Nur beim Thema „Visabeschaffung“ schienen die Hürden für kamerunische Freiwillige deutlich höher als für deutsche. Es wurden konkrete Strategien und Hilfestellungen vereinbart, die hoffentlich die Schwierigkeiten bei künftigen Einsätzen verringern – aber es bleibt zweifelhaft, ob die Visaerteilung der Deutschen Botschaft in Zukunft reibungslos verlaufen wird.

Auch das Thema „Begleitung von Freiwilligen“ wurde ausgiebig beleuchtet. Mit dem „Mentoring“ durch zurückgekehrte Freiwillige wurden besonders gute Erfahrungen gesammelt: Ob es der Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, das Einkaufen oder auch das Finden des nächstgelegenen Sportclubs ist – hier können gleichaltrige Ehemalige hervorragende Wegbegleiter sein. Die Freiwilligen betonen dabei deutlich, wie wichtig ein konkreter Ansprechpartner ist, der erreichbar und in der Nähe ist.

Freiwilligendienst ist keine Einbahnstraße

Nicht zuletzt wurde die Rückkehr als eine Phase diskutiert, die die Freiwilligen nochmals auf die Probe stellt. Auch hier gab es überraschend viele Parallelen und stets dieselben Fragen: Wie kann es sein, dass sich für mich so viel verändert hat und zu Hause alles so zu sein scheint, wie zuvor? Was fange ich mit meinen Erfahrungen an? Wer interessiert sich dafür und wie geht es mit mir weiter? Das sind Fragestellungen, die in jeder Rückkehr-Situation auftreten – egal, aus welcher Richtung man sich in sein Heimatland zurück begibt. Einig waren sich die Partner und Anwesenden, dass es eine Strategie für Rückkehr und Integration braucht, bei deren Weiterentwicklung es viel voneinander zu lernen gibt. Insgesamt wurde sehr deutlich, dass der Freiwilligendienst in beide Richtungen  für alle Phasen des Programms ganz neue Chancen eröffnet.

„Uns unterscheidet Vieles, mehr aber eint uns“

Zum Schluss wurde auf Anregung einer Ehemaligen eine Runde eingeläutet, bei der jeder die persönliche Bedeutung seines eigenen Freiwilligendienstes erläuterte. Hier war besonders interessant, dass niemand diese Erfahrung missen möchte und gerade bei den schon länger zurückgekehrten Freiwilligen die nachhaltige Wirkung für den weiteren Lebensweg deutlich wurde.

Zum Abschluss wurde das Partnerschaftsgebet gebetet, in dem sehr treffend formuliert ist: „Uns unterscheidet Vieles, mehr aber eint uns“. Die „Freiwilligen-Familie“ wächst und bringt wunderbare Frucht. Auch wenn noch so manche Früchte reifen müssen: Diese Konferenz hat eine ordentliche Portion Dünger auf fruchtbaren Boden gebracht. Die künftigen Freiwilligen sind auf beiden Seiten bereits ausgewählt und machen sich im Sommer auf den Weg ins jeweilige Partnerbistum.

Von Barbara Reutelsterz

© weltkirche.katholisch.de

Reisetagebuch aus Kamerun

Am 22. März ist eine Gruppe aus dem Bistum Limburg zu einer Begegnungsreise nach Kamerun aufgebrochen. Ziel ist das Bistum Kumbo, zu dem die Limburger seit Jahrzehnten eine intensive Partnerschaft pflegen. Bis zum 7. April wird sich die 11-köpfige Reisegruppe bei ihren Partnern in Kumbo aufhalten. In einem Reisetagebuch berichten die Limburger von ihren Erfahrungen.

Weitere Informationen zur Bistumspartnerschaft zwischen Limburg und Kumbo finden Sie hier:

weltkirche.bistumlimburg.de

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