„Taufe des Herrn“

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  • Bischofstreffen im Heiligen Land - 10.01.2016

Zum dritten Mal in Folge nach 2014 und 2015 besuchen wir mit den über vierzig Delegierten des Internationalen Bischofstreffens im Heiligen Land auch dieses Mal das Cremisan-Tal zwischen Jerusalem und der Westbank, unweit von Bethlehem.

Nachdem bei den vergangenen Besuchen die Begegnung mit dem Ortspfarrer und Vertretern der 58 christlichen Palästinenserfamilien im Vordergrund stand, die durch den geplanten Mauerbau in dem fruchtbaren Tal ihre Existenzgrundlage gefährdet sehen, hat sich dieses Mal eine enttäuschte Nüchternheit breit gemacht.

Israelische Grenzpolizisten verweigerten den katholischen Bischöfen die Einreise ins Westjordanland.

Thomas Maria Renz

Die Entscheidung der israelischen Regierung zum Mauerbau in Cremisan ist nämlich inzwischen höchstrichterlich bestätigt worden. Jetzt steht nicht mehr das „ob“ in Frage, sondern nur noch das „wie und wo“: wo genau der Mauerbau verlaufen soll und ob es einen Korridor geben könnte, der es den von den jahrhundertealten Olivenbäumen lebenden Landwirten ermöglichen würde, ihr Land wenigstens noch für ein paar Jahre zu bewirtschaften, bevor es ihnen vermutlich endgültig enteignet wird.

Bischofsgruppe an Besuch im Westjordanland gehindert

Bei der Besichtigung der ersten Rodungen für den vorgesehenen Mauerbau werden wir frühzeitig von einem gepanzerten Polizeifahrzeug und von Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag freundlich, aber bestimmt aufgehalten und am Weitergehen gehindert. Die Polizisten machen „ihren Job“ und versuchen, nachdem sie durch das begleitende Medieninteresse die Bedeutung unseres Besuchs erkannt haben, das Ganze herunterzuspielen, indem sie demonstrativ einzelne Bischöfe umarmen oder Selfies mit ihnen machen. Das kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mauerbau durch eine der wenigen noch unbebauten und unberührten Gegenden des Landes einem eiskalten Kalkül folgt und gnadenlos durchgezogen werden soll. 

Fouad Twal, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, feierte mit den Bischöfen in der Verkündigungskirche in Beit Jala einen Gottesdienst zum Fest der „Taufe des Herrn“.

Thomas Maria Renz

Gottesdienst zum Fest der „Taufe des Herrn“

Ein angenehmer Kontrast zu dieser Situation bildet der anschließende Gemeindegottesdienst zum Fest der „Taufe des Herrn“ in der Verkündigungskirche in Beit Jala, den der Lateinische Patriarch mit den 14 Bischöfen und mit mitgereisten Priestern feiert. Die Gemeinde freut sich über unseren Besuch und bringt das bei der anschließenden Begegnung auf dem Kirchplatz deutlich zum Ausdruck.

Dass dieses Internationale Bischofstreffen seit vielen Jahren auch immer wieder die Ängste und Sorgen der christlichen Bevölkerung im Cremisan-Tal wahrgenommen und ernstgenommen hat, das haben die Menschen hier sehr wohl registriert und honoriert, indem sie den Mut im Kampf für ihre Rechte niemals aufgegeben haben. Der Glaube an den Gott, der sich in seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit demonstrativ an die Seite der Entrechteten und Gedemütigten stellt, hilft den Menschen auch jetzt entscheidend dazu, nicht zu verzweifeln.

Von Weihbischof Thomas Maria Renz

© weltkirche.katholisch.de

Bischofstreffen im Heiligen Land

Das 16. „Internationale Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land“ findet vom 9. bis 14. Januar 2016 statt. Es nehmen 13 Vertreter nationaler Bischofskonferenzen aus zwölf Ländern sowie die führenden Repräsentanten der Kirche im Heiligen Land teil. Schwerpunkte des Treffens sind Begegnungen mit Christen in Bethlehem, Taybeh und dem Cremisan-Tal in den palästinensischen Gebieten sowie ein fünftägiger Besuch bei syrischen und irakischen Kriegsflüchtlingen in Jordanien. Die Deutsche Bischofskonferenz wird durch den Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche, Weihbischof Thomas Maria Renz aus Rottenburg-Stuttgart, vertreten.

Mauerbau im Cremisan-Tal

Mitte August hatten Bauarbeiten an einem Teilstück der umstrittenen israelischen Sperrmauer auf privatem palästinensischem Gebiet bei Beit Jala begonnen, nachdem Israels Oberstes Gericht den Bau gestattet hatte. Das Gericht korrigierte damit ein eigenes Urteil von April. Von der Sperranlage betroffen sind neben 58 christlichen Familien zwei Klöster und eine Schule des Salesianerordens. Zahlreiche Kirchenvertreter, darunter die Deutsche Bischofskonferenz, verurteilten den Beginn der Bauarbeiten. (KNA)

Weihbischof Thomas Maria Renz leitet innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz die Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche. Der Rottenburger Weihbischof nahm bereits in den vergangenen Jahren an den Internationalen Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land teil.

Alle Berichte von Weihbischof Renz vom 16. Internationalen Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land finden Sie in unserem Reisetagebuch.

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