„Pray for us“

  • © Bild: KNA
  • Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land - 12.01.2014

Den Tag begannen wir, indem wir noch einmal mit den Missionaries of Charity und einigen anderen Gemeindemitgliedern in der Kirche „Holy Family“ in Gaza die Heilige Messe feierten. Dabei gab uns der Hauptzelebrant, Weihbischof Leonard William Kenney aus Birmingham in Großbritannien, einen nachdenklich machenden Impuls zur Einladung Jesu: „Komm und sieh!“ Gerade das könnten wir den Menschen im Gazastreifen ja nicht zurufen, weil sie eben nicht zu uns kommen und nicht sehen können, wo und wie wir leben. Noch einmal wurde uns die bedrückende Situation des Lebens der Menschen hier bewusst.

Nach dem Gottesdienst besuchten wir ein hinter der Kirche gelegenes Heim für geistig schwer behinderte Kleinkinder, das die Schwestern von Mutter Teresa, also die Missionarinnen der Nächstenliebe, betreiben. Mit sehr viel Liebe und Hingabe nehmen sie sich dort dieser armen Geschöpfe an, deren Zukunft noch ungewisser ist als die aller anderen im Gazastreifen. Schließlich verabschiedete uns der Pfarrer von „Holy Family“ mit den Worten: „Your visit was for us very very important and a blessing. Please pray for us and for the peace in the near and middle east!”

Austausch mit Diplomaten

Die Rückfahrt nach Tel Aviv gestaltete sich schwieriger als gedacht: Mit einer rund zweistündigen, sehr akribischen Grenzkontrolle dauerte die Ausreise aus dem Gazastreifen fast doppelt so lange wie die Einreise tags zuvor. In Tel Aviv trafen wir uns zu einer Begegnung und einem Austausch mit Diplomaten und Konsuln derjenigen Länder, aus denen die Bischöfe unserer Delegation stammen. Wegen der Beerdigung von Ariel Sharon mussten manche eingeladene Diplomaten Vertretungen entsenden.

Die Bischöfe beim Passieren des Erez-Checkpoints zwischen Israel und Gaza. KNA

Unter der kundigen Leitung und Moderation des irischen Botschafters Eamonn McKee fand ein interessanter Austausch statt, bei dem die Politiker ihre je eigene Sicht der Situation Israels und ihre Erfahrungen mit dem Verlauf des Friedensprozesses darlegten. Bei allen Gefahren, Rückschlägen und Risiken dieses schwierigen Prozesses zeigten sie sich aber überwiegend optimistisch. Auch der bevorstehende Besuch von Papst Franziskus in Israel wurde thematisiert und von den Diplomaten als eine Chance gewertet, dem Friedensprozess neue Impulse und Rückenwind zu geben.

Jüdisch-palästinensischer Dialog

Am Nachmittag teilte sich unsere Reisegruppe. Die eine Gruppe beschäftigte sich mit dem „Sadaka Reut Gemini Project“, einer neuen Initiative, bei der kleine Gruppen von jüdischen und palästinensischen Studentinnen und Studenten gegründet werden, in denen Jugendliche im Dialog und im partnerschaftlichen Handeln trainiert werden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg bietet ihnen dieses Trainingsprogramm einen Raum für staatsbürgerliche, politische und gesellschaftliche Diskussionen über den Konflikt im Land und über die jüdisch-arabischen Beziehungen. Ziel ist es, das soziale Engagement und die Bedeutung der Verantwortung füreinander zu fördern, indem junge Juden und Palästinenser täglich in Kontakt miteinander kommen und so auch eine Atmosphäre des Vertrauens entsteht.

„Please pray for us and for the peace in the near and middle east!“

Pastoralzentrum für Migranten

Die andere Gruppe besuchte parallel ein Pastoralprojekt im Süden von Tel Aviv. Das neue „Pastoral Center Our Lady Woman of Valor“ wurde von P. David Neuhaus SJ gegründet und widmet sich den vielen Migranten in der Stadt. Mitten im Zentrum, am zentralen, großen Busbahnhof, konnte mit Hilfe des Deutschen Vereins vom Heiligen Land und mehreren deutschen Hilfswerken, Diözesen und Stiftungen ein Haus erworben werden, das sich jetzt zwar noch im Umbau befindet, in dem aber schon bald Ordensschwestern wohnen werden, die sich der Migranten annehmen sollen. Im Erdgeschoss und auf dem Dach des Gebäudes entstehen zurzeit Kapellen, in denen die Migranten künftig Gottesdienste feiern können. Unter den derzeit etwa 200.000 Migranten in Tel Aviv werden bis zu 50.000 Christen vermutet. Obwohl die Stimmung gegenüber Flüchtlingen gerade in Tel Aviv zurzeit eher ablehnend bis feindlich ist, möchte dieses neue Projekt von Pater Neuhaus, das erst durch Spenden aus Deutschland realisiert werden konnte, künftig vielen heimatlosen Menschen eine geistliche Heimat geben. Beim Besuch im „Pastoral Center Our Lady Woman of Valor“ kam besonders die Dankbarkeit gegenüber den großzügigen Spendern und Sponsoren aus Deutschland zum Ausdruck.

Gemeinsam mit Migranten aus den Philippinen, aus Indien und aus anderen Ländern haben wir dieses neue Pastoralzentrum für Migranten besichtigt und gesegnet. In einem Segensgebet hieß es dabei: „Himmlischer Vater, höre unsere Gebete für unser neues Pastoralzentrum in dieser Stadt Tel Aviv. Sende uns Deinen Geist, damit wir demütig durch Deinen göttlichen Willen geleitet werden. Berühre unsere Herzen mit wahrer Großzügigkeit, um ein Haus Gottes zu bilden für die Inspiration und Erneuerung all Deiner Gläubigen, vor allem der Migranten, der Asylsuchenden und aller anderen Katholiken in dieser Stadt. Das erbitten wir von Dir in Jesu Namen. Amen.“

Von Weihbischof Thomas Maria Renz

Internationales Bischofstreffen

Vom 11. bis 16. Januar findet in Israel und Palästina das 14. Internationale Bischofstreffen zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land statt. Weihbischof Thomas Maria Renz ist Leiter der Deutschen Delegation. Der Rottenburger Weihbischof ist auch Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Naher und Mittlerer Osten“ der Bischöflichen Kommission Weltkirche.

Alle Reiseberichte von Weihbischof Renz finden Sie hier auf einen Blick:

zur Übersicht

© weltkirche.katholisch.de