Von Temperaturen, Hirten- worten und Leitgedanken

  • Reisetagebuch - 08.03.2015

Der Klimawandel in Bolivien ist überall deutlich sichtbar – und die Auswirkungen sind erschreckend: Dieses Bild hat Dirk Hoffmann uns verdeutlicht. Hoffmann lebt seit über 10 Jahren in Bolivien und arbeitet für das „Instituto Boliviano de la Montana“.

Die „Rechnung“ von Hoffmann ist einfach: Verantwortlich für die weltweite Erderwärmung ist der Ausstoß von Kohlendioxid. Wird dieses Gas aus Schornsteinen und Autos in der Atmosphäre nicht verringert, steigen die Temperaturen im Durchschnitt um drei bis vier Grad auf unserem Planeten an. Wohlgemerkt im Durchschnitt: Für ein kontinentales Land wie Bolivien wirkt sich der Anstieg um das Anderthalb- bis Zweifache höher aus. Macht rechnerisch eine Temperaturentwicklung um etwa sieben Grad – mit dramatischen Folgen für die Pflanzen- und Tierwelt des Landes.

Gespräch mit Dieter Hoffmann vom „Instituto Boliviano de la Montagna“

Dabei werden sich unter anderem die Trockenzeiten, die normalerweise von Mai bis Oktober liegen, um bis zu drei Monate verlängern. Wasser muss also in den trockenen Gebieten um diese drei Monate länger zur Verfügung stehen. In der Regenzeit kann es dabei zeitweise zu stärkeren und längeren, fast sintflutartigen Regenfällen kommen. Die Folge: Guter Ackerboden wird fortgeschwemmt, die Erosion verstärkt sich. Überschwemmungen wie im Augenblick im Amazonasgebiet werden noch öfter erwartet.

Der Klimawandel ist bereits deutlich an den zurückgehenden Gletschern der Anden zu sehen. Wo vor wenigen Jahren noch durchgehend Eisflächen waren, ist noch blankes Gestein übrig. „Wenn man diese Auswirkungen bei den Gletschern sieht, muss man davon ausgehen, dass der Klimawandel sich in anderen Bereichen auch bereits vollzieht“, betont Hoffmann. Hier sein Vortrag (in spanischer Sprache).

Für die indigene Bevölkerung ist die Anpassung an die Veränderungen durch den Klimawandel sehr schwierig: Die natürlichen Indikatoren funktionieren nicht mehr. Wann ist jetzt der richtige Zeitpunkt um mit der Aussaat zu beginnen, wenn sich die Trockenzeit verlängert? Das ist nur eine der vielen Fragen, die das Leben auf dem Land massiv beeinträchtigen werden.

Für Weihbischof Leo Schwarz ist eine Exposure-Reise ein Weg, um die Armut und den Reichtum eines Landes wie Bolivien zu teilen.

Und es ist eine der Fragen, die sich auch die bolivianische Bischofskonferenz stellt: Am Nachmittag hat Magnus Brüning uns ihr 2012 veröffentlichtes Hirtenwort „Das Universum, Gabe Gottes für das Leben“ erläutert. Die Bischöfe setzen sich sehr konkret mit dem Thema des Klimawandels und der menschlichen Entwicklung auseinander. Ihre zentrale Frage: „Wie lenken wir eine menschliche Entwicklung, in der ein würdiges Leben für Alle an erster Stelle steht?“ Dabei haben die Bischöfe auch zur Bildung einer „Allianz für die Schöpfung“ aufgerufen, die sich in diesen Tagen auch im Bistum Hildesheim gegründet hat. Gleichzeitig haben die Bischöfe auch selbstkritisch den Finger in die eigene Wunde gelegt: Was können und was müssen Kirchengemeinden in Bolivien tun, um nicht nur Zeichen, sondern konkrete Schritte dem Klimawandel entgegen zu setzen – angefangen vom Umgang mit Strom, Wasser und Müll.

Am Abend hat uns der emeritierte Trierer Weihbischof Leo Schwarz besucht. In seiner herzlichen Art hat er uns den Gedanken der Exposure-Reisen nahegebracht. Sein Leitmotiv einer solchen Entdeckungsreise, auf der wir sind: So wie Jesus zu den Armen gegangen ist, sollen wir das Leben, aber auch den Reichtum, den die Menschen geben, in den kommenden Tagen mit ihnen teilen. Schwarz weiß wovon er spricht: Er hat das kirchliche Hilfswerk Renovabis mit aufgebaut und ist zurzeit Präsident der Europäischen Kommission der katholischen Friedensaktion „Justitia et Pax“ (Gerechtigkeit und Frieden). Es war ein sehr intensiver und informativer Einstieg in das Thema. Die kommenden Tage werden wir in den Projekten verbringen und sicher von diesen Grundlagen und Hintergrundinfos profitieren.

Von Martin Spatz, Klimaschutzinitiative Bistum Hildesheim

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Die gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung ist eines der zentralen Themen der Partnerschaft zwischen den Diözesen Hildesheim und Trier und der Kirche in Bolivien. Um zu verdeutlichen, wie sich die globalisierte Weltwirtschaft und die Folgen des Klimawandels auf die Menschen und die Natur in ihrem Partnerland auswirken, veranstalten die beiden deutschen Bistümer vom 6. bis 16. März 2015 eine Exposure-Reise nach Bolivien.

In einem Reisetagebuch für das Internetportal Weltkirche und die Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim berichten die Teilnehmenden von ihren Erlebnissen.

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Bolivien-Partnerschaft

Seit vielen Jahren pflegen die Diözesen Hildesheim und Trier lebendige Partnerschaften zu der Kirche in Bolivien. Weitere Informationen zu einzelnen Initiativen, Projekten und Aktiviäten der Bolivien-Partnerschaften finden Sie auf den Webseiten der beiden Bistümer:

www.bistum-hildesheim.de

www.bistum-trier.de/bolivienpartnerschaft

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