Mit Zisternen gegen die Folgen des Klimawandels

  • Reisetagebuch - 17.03.2015

Etwas mehr als zwei Stunden benötigen wir, um von Cochabamba aus das Dorf Aramasi zu erreichen. Es geht zunächst auf der Hauptverbindungsstraße Richtung La Paz, dann auf der nicht geteerten früheren Route und schließlich auf einem schmalen Weg entlang der Berghänge in das Dorf. Mit dabei ist Johannes Zehfuß, selbst Landwirt in der Pfalz und Abgeordneter des rheinland-pfälzischen Landtags.

In Aramasi liegt das Zentrum des Projekts für die integrale Förderung der Campesinos, der Kleinbauern der dortigen Pfarrei. Ricardo Crespo, einer der drei Agrar-Ingenieure des Projekts, führt uns durch das Bildungszentrum. Neben den Schulungsräumen und Schlafsälen liegt die Baumschule. Wir sehen Modellbeete für verschiedene Gemüsesorten, Kartoffeln und Mais. Neben Tomaten und Artischocken wachsen Pfirsich- und Apfelbäume – ein grünes Paradies auf 2.800 Meter Höhe.

Ein grünes Paradies in luftiger Höhe: In den Modellbeeten werden unter anderem Kartoffeln und Mais angebaut. Kuhn/Bistum Trier

Die harte Arbeit zahlt sich aus

In der langjährigen Arbeit des Agrarteams sind der Schutz vor Erosion und die Verbesserung der Qualität der kargen Böden die ersten Schritte, um die Nahrungssicherheit in den Siedlungen zu stärken. Die Anregung, in den Terrassengärten auch Gemüse und Obstbäume zu pflanzen, brauchte Zeit bis sie angenommen wurde. Heute sind die im Projekt beteiligten Kleinbauern stolz, Kartoffeln, Äpfel und Gemüse in der Stadt verkaufen zu können und über die eigene Versorgung hinaus auch eine bescheidene Geldeinnahme erwirtschaften zu können. Trotzdem sind für Johannes Zehfuß die Anstrengungen der Campesinos in den kargen Böden und meist kleinsten Feldern, die Mühen der Feldarbeit in der Höhe bis 3.800 Meter und die weiten Fußwege zu den Äckern eine Lebensrealität, die kaum nachzuvollziehen ist.

Einer der Kleinbauern ist Don Isidro. Das Land der Familie beträgt rund vier Hektar, die über das Tal und die steilen Hänge verstreut sind. Wir besuchen ihn am späten Vormittag. Sein Haus ist aus Adobe-Lehmziegeln errichtet mit zwei Stockwerken und einem Nebengebäude – so, wie typischerweise die Häuser hier gebaut sind.

Johannes Zehfuß (rechts) und Don Isidro (links) Kuhn/Bistum Trier

Anpassung an den Klimawandel

Don Isidro ist gerade in seinem Garten neben dem Haus beschäftigt. Dort hat er Salat und Tomaten gepflanzt. Am Rand stehen Setzlinge von Apfelbäumen, die in zwei Jahren die ersten Früchte tragen werden, und dazwischen Setzlinge regionaler Baumsorten. Einige Hundert Meter entfernt hat er gemeinsam mit weiteren fünf Familien eine Zisterne gebaut. Die 10.000 Liter Wasser werden über eine Leitung durch den kleinen Fluss gespeist. So können die Campesinos die Terrassen und Ackerflächen im Tal bewässern. Die Kosten für dieses Projekt von ca. 1.300 Euro wurden zur Hälfte durch die Kleinbauern selbst bezahlt und zur Hälfte durch das Projekt finanziert. Solche Initiativen des Agrarzentrums werden mit langjähriger Unterstützung durch das katholische Hilfswerk Misereor und mit Projektmitteln der Trierer Bolivienpartnerschaft gefördert.

Auf seinem Acker baut Don Isidro Bohnen, Zwiebeln und vier verschiedenen Sorten Kartoffeln an. Ohne die Zisterne könnte er dieses Jahr wohl nur wenig ernten. Denn nach dem Säen dauerte es noch vier Wochen, bis es zu regnen begann. Die Veränderungen und Verschiebungen der Regenzeiten sind konkrete Folgen des Klimawandels in Bolivien. Bauerfamilien in den Anden fallen diesem zum Opfer. Sie verlieren ihre Erträge, wenn der Regen nicht in der über Generationen vertrauten Zeit kommt. Don Isidro konnte mit der Zisterne die Setzlinge bewässern und den verspäteten Regen ausgleichen. Mit Stolz zeigt er den Ertrag seiner Ernte.

Von Ludwig Kuhn, Diözesanstelle Weltkirche des Bistums Trier

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Die gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung ist eines der zentralen Themen der Partnerschaft zwischen den Diözesen Hildesheim und Trier und der Kirche in Bolivien. Um zu verdeutlichen, wie sich die globalisierte Weltwirtschaft und die Folgen des Klimawandels auf die Menschen und die Natur in ihrem Partnerland auswirken, veranstalten die beiden deutschen Bistümer vom 6. bis 16. März 2015 eine Exposure-Reise nach Bolivien.

In einem Reisetagebuch für das Internetportal Weltkirche und die Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim berichten die Teilnehmenden von ihren Erlebnissen.

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Bolivien-Partnerschaft

Seit vielen Jahren pflegen die Diözesen Hildesheim und Trier lebendige Partnerschaften zu der Kirche in Bolivien. Weitere Informationen zu einzelnen Initiativen, Projekten und Aktiviäten der Bolivien-Partnerschaften finden Sie auf den Webseiten der beiden Bistümer:

www.bistum-hildesheim.de

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