Gott und das Gold – wie viel ist genug?

  • Reisetagebuch - 09.03.2015

Seit der Präsidentschaft von Evo Morales 2006 werden in Bolivien die Minen wieder eröffnet. Die Regierung hat die Kontrolle über den wirtschaftlichen Schlüsselbereich zurück erlangt, den sie in den 1980er Jahren aufgegeben hatte. Seither erlebt Bolivien einen Mineralien- und Goldrausch.

Neben dem staatlichen Bergbausektor und privaten Firmen schürfen derzeit etwa 1.700 Minenkooperativen mit 200.000 Menschen nach Mineralien. Jeden Tag werden es mehr. Und Gold spielt dabei eine wichtige Rolle.

Lukratives Geschäft für Minenkooperativen

Etwas vereinfacht gesagt, kann jeder eine Kooperative gründen und mit dem Schürfen beginnen. Die technische Ausrüstung ist meist sehr einfach, Muskelkraft und Ausdauer sind entscheidend. Man braucht 25 Teilhaber und einen „Claim“, den man bei der entsprechenden Stelle beim Bergbauministerium registrieren lässt. Und den Nachweis der Umweltverträglichkeit, der offensichtlich kein großes Hindernis darstellt. Meist werden alte Minen wieder in Betrieb genommen, die von privaten Firmen aufgegeben wurden. Für die Kooperativen sind sie rentabel.

Goldwäscherin in der Bergbaustadt Chulumani östlich der der bolivianischen Hauptstadt La Paz. Pohl/Adveniat

Es gibt zwei Formen des Goldabbaus: Flussgold wird mit Hilfe von Quecksilber aus dem Wasser gewaschen. Minengold wird mit Zyanid aus dem Gestein gelöst. Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen sind praktisch unbekannt. Das Departement La Paz ist ein Zentrum des Goldabbaus. Die Menge des erwirtschafteten Goldes ist nur schwer zu ermitteln. Es gibt dafür zwei Faktoren: Zum einen den Verbrauch von Quecksilber. „Mercury Watch“ hat in Bolivien in den letzten beiden Jahren einen Einsatz von 120 Tonnen Quecksilber nachverfolgt. Für die Gewinnung von einer Tonne Gold braucht man drei Tonnen Quecksilber.

Auf den Spuren des verschwundenen Goldes

Das andere sind Verkaufs- und Exportzahlen, die die Kooperativen melden müssen. Während die offiziellen Exportzahlen 2014 bei sieben Tonnen liegen, haben Kooperativen in diesem Jahr 40 Tonnen erwirtschaftet. Das bedeutet einen Schwund von 33 Tonnen.

Diesem Verlust geht die Stiftung „Jubileo“ in La Paz nach. Hector Córdoba, der als langjähriger Verantwortlicher der staatlichen Minengesellschaft COMIBOL den Bergbau kennt, vermutet illegale Exporte und Schmuggel vor allem nach Peru. Die Kooperativen verkaufen an Zwischenfirmen hinter denen, so die Vermutung, große internationale Bergbaufirmen stehen. Diese sparen so Steuern und Abgaben in Millionenhöhe. Der Ausfall für den bolivianischen Staat ist erheblich. Für das Jahr 2014 lagen die Einnahmen aus dem Goldabbau bei 30 Millionen US-Dollar, rechnerisch hätten es zwei Milliarden US-Dollar sein müssen. Geld, das für wichtige öffentliche Aufgaben fehlt.

Gold ist nicht einfach ein Mineral, es beflügelt seit Jahrtausenden die Fantasie der Menschen, ihre Kreativität aber auch die Gier. Gott oder das Gold – wie viel ist genug. Diese Frage stellt sich in Bolivien gerade neu.

Von Katharina Bosl von Papp, Diözesanstelle Weltkirche im Bistum Hildesheim

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Die gemeinsame Verantwortung für die Schöpfung ist eines der zentralen Themen der Partnerschaft zwischen den Diözesen Hildesheim und Trier und der Kirche in Bolivien. Um zu verdeutlichen, wie sich die globalisierte Weltwirtschaft und die Folgen des Klimawandels auf die Menschen und die Natur in ihrem Partnerland auswirken, veranstalten die beiden deutschen Bistümer vom 6. bis 16. März 2015 eine Exposure-Reise nach Bolivien.

In einem Reisetagebuch für das Internetportal Weltkirche und die Kirchenzeitung im Bistum Hildesheim berichten die Teilnehmenden von ihren Erlebnissen.

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Seit vielen Jahren pflegen die Diözesen Hildesheim und Trier lebendige Partnerschaften zu der Kirche in Bolivien. Weitere Informationen zu einzelnen Initiativen, Projekten und Aktiviäten der Bolivien-Partnerschaften finden Sie auf den Webseiten der beiden Bistümer:

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