Die Kirche – Anwältin für die Menschenrechte

  • Menschenrechte

Die Kirche weiß sich der Menschenwürde verpflichtet, die in unveräußerlichen Menschenrechten politisch-rechtlich Anerkennung und Schutz findet. Ihren historischen Durchbruch erfuhren die Menschenrechte im Kontext der demokratischen Revolutionen des späten 18. Jahrhunderts in Nordamerika und Frankreich. Die Gewährleistung von Freiheit in Gleichberechtigung wurde in der Moderne zur Leitidee einer menschenrechtlich gebundenen Politik.

Menschenwürde – das Fundament der Menschenrechte

Das ethische Fundament der Menschenrechte besteht in der unantastbaren Würde des Menschen. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948, von Papst Johannes XXIII. als ein „Zeichen der Zeit“ gewürdigt, hält den Zusammenhang von Würde und Recht des Menschen in Artikel 1 fest: „Alle Menschen sind frei und an Würde und Rechten gleich geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“

Menschenrechtstag: Wie Flüchtlinge sich fühlen

Filmbeitrag zur Situation der Menschenrechte im Migrationsbereich

Justitia et Pax

Die Menschenwürde bildet den Kern kirchlicher Moralverkündigung. Grundgelegt ist sie in der biblischen Lehre von der Gottesebenbildlichkeit jedes Menschen, durch die der Mensch aus dem Gesamt der Schöpfung herausgehoben ist. Die katholische Kirche führt die praktischen Konsequenzen dieser Grundtatsache in ihrer Soziallehre aus. Wesentliche Markierungen finden sich in der Enzyklika Pacem in Terris (1963) und in der Konzilserklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis Humanae (1965). Insbesondere diese Erklärung markierte insofern einen Perspektivwechsel, als sie das moderne Freiheitsbewusstsein, das von der Kirche lange Zeit unter den Verdacht der Auflösung religiöser und moralischer Verbindlichkeiten gestellt worden war, nun als einen ethisch bedeutsamen Fortschritt anerkennt:

„Die Würde der menschlichen Person kommt den Menschen unserer Zeit immer mehr zum Bewusstsein, und es wächst die Zahl derer, die den Anspruch erheben, dass die Menschen bei ihrem Tun ihr eigenes Urteil und eine verantwortliche Freiheit besitzen und davon Gebrauch machen sollen, nicht unter Zwang, sondern vom Bewusstsein der Pflicht geleitet.“

— Dignitatis Humanae

Justitia et Pax im Dialog mit der Politik – zur Stärkung der Menschenrechte

Die einzelnen, im internationalen wie nationalen Recht kodifizierten Menschenrechte müssen gegenüber der Politik stets in Erinnerung gerufen werden, um in der Konkurrenz mit anderen Ansprüchen Berücksichtigung zu finden. Der Deutschen Kommission Justitia et Pax ist die Aufgabe übertragen, kirchliche Beiträge zur Menschenrechtspolitik, darüber hinaus aber auch zur Entwicklungs- und Friedenspolitik Deutschlands zu erarbeiten. Mit Parlament, Regierung, Parteien und gesellschaftlichen Kräften wird ein ständiger Dialog in diesen Fragen geführt. Im Forum Menschenrechte, einem Zusammenschluss von circa 50 menschenrechtspolitisch engagierten Nichtregierungsorganisationen, werden diese Anliegen beispielsweise gegenüber dem Menschenrechtsausschuss des Bundestages und dem Außenministerium vorgebracht.

Franziska Tröger, Günter Nooke (Afrikabeauftragter der Bundeskanzlerin), Gertrud Chimange, Fr. Joseph Komakoma und Dr. David Kaulem (v.l.n.r.) im Gespräch über die Menschenrechtssituation in verschiedenen afrikanischen Ländern. Deutsche Kommission Justitia et Pax

Einsatz für die Menschenwürde und die Religionsfreiheit – zentrale Arbeitsfelder von Justitia et Pax

Justitia et Pax setzt einen Arbeitsschwerpunkt auf die Bestimmung des Verhältnisses von Menschenwürde zu Menschenrechten. Es ist dabei das Ziel, die innere Verbindung von Menschenrechten und Menschenwürde in unserer Gesellschaft in Erinnerung zu rufen. Dazu hat Justitia et Pax unter anderem mit Studenten einer Kölner Filmhochschule zusammengearbeitet, die das Anliegen filmisch aufgearbeitet haben. Die Sequenzen der Studierenden wollen zum Weiterdenken anregen und zum Handeln bewegen. Zudem soll der Geltungsanspruch der Menschenrechte im interkulturellen Austausch im Dialog mit afrikanischen Partnern überprüft und gestärkt werden. Trotz der spezifischen Entwicklungsgeschichte moderner Menschenrechte erwächst nicht zuletzt aus der Fundierung der Menschenrechte in der Menschenwürde ein universaler Geltungsanspruch.

Das Ziel eines weiteren Arbeitsschwerpunkts von Justitia et Pax besteht darin, die systematische Bedeutung der Religionsfreiheit als zentrales Menschenrecht zu reflektieren, um von dorther fundiert Stellung zu aktuellen politischen Fragen zu beziehen und auf Gefährdungen der Religionsfreiheit hinweisen zu können.

Mit Interventionen zugunsten von verfolgten oder verurteilten Menschenrechtsverteidigern wendet sich Justitia et Pax an die zuständigen Behörden in vielen Ländern der Welt. Solche Eilaktionen tragen nicht selten dazu bei, die Lebensbedingungen von Gefangenen zu verbessern, eine Neuverhandlung oder gar die Freilassung zu erwirken.

Stand: September 2012

www.justitia-et-pax.de

© Daniel Legutke, Deutsche Kommission Justitia et Pax

Im Auftrag der Europäischen Konferenz der Justitia et Pax Kommissionen haben Studentinnen und Studenten der Kölner Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation kurze Filmbeiträge zum Thema Menschenrechte erstellt. Die DVD mit insgesamt vier Clips erhalten Sie auf Anfrage bei der Deutschen Kommission Justitia et Pax: