Im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit

  • Kinderarbeit

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es weltweit rund 168 Millionen Kinderarbeiter. Während manche nur mithelfende Tätigkeiten verrichten, arbeiten mehr als die Hälfte der Jungen und Mädchen unter ausbeuterischen, gefährlichen und gesundheitsschädlichen Bedingungen.

Sie schuften in Steinbrüchen und auf Plantagen, werden in Privathaushalten wie Sklaven gehalten oder verkaufen ihre Körper – 115 Millionen Kinder werden weltweit zum Arbeiten unter gefährlichsten Bedingungen gezwungen. Sie können weder mit Freunden spielen und herumtoben oder in der Schule lernen. Die Arbeit gefährdet nicht nur Gesundheit und Sicherheit, sie hinterlässt auch tiefe Wunden an Körper und Seele.

Ein Junge zerklopft unbrauchbare Ziegelsteine in einer Ziegelbrennerei in Mymensingh, Bangladesch. K. H. Melters/Missio

Juana arbeitet als Hausmädchen im bolivianischen La Paz. Von früh morgens bis spät abends ist sie für alle Hausarbeiten zuständig. Am Monatsende bekommt sie umgerechnet 25 Euro Lohn. Arbeitsvertrag oder Sozialleistungen – Fehlanzeige. Doch Juana sagt, dass sie Glück hat. Wenn sie sich ab und zu mit anderen Hausmädchen trifft, hört Juana, dass viele auch für die sexuellen Bedürfnisse der Hausherren oder der älteren Söhne herhalten müssen. Ihr bescheidener Lohn wird den Mädchen noch nicht mal regelmäßig bezahlt.

Kinder noch billiger als Erwachsene

Oft bedingen sich ausbeuterische Kinderarbeit und Armut gegenseitig. Wer von klein auf arbeitet und nie eine Schule besucht, wird auch als Erwachsener als Tagelöhner arbeiten. Beleuchtet man den Begriff Armut genauer, so stößt man auf zahlreiche politische, soziale und wirtschaftliche Faktoren, die Kinderarbeit begünstigen. Nicht selten vernachlässigen Regierungen Bildungssysteme im eigenen Land. Teure Schulgebühren, Kosten für Uniformen und Bücher oder lange Schulwege schließen vor allem Kinder aus armen Familien vom Unterricht aus. Oft stellen Arbeitgeber bewusst Kinder ein, weil diese noch billiger sind als Erwachsene.

Ein Junge in Peru verdient sich durch Autoputzen ein wenig Geld, um seine Familie zu unterstützen. Martin Steffen

So auch Ramiro aus Bolivien. Der 14-Jährige quält sich nur durch einen Helm geschützt in einer Mine in der Stadt Potosí unter Tage. Er hat weder Gummistiefel noch Handschuhe oder Atemschutz gegen den toxischen Staub. Einen Arbeitsvertrag hat er auch nicht. Für acht bis zehn Stunden Schufterei täglich bekommt er etwa 5 Euro. Doch Ramiros Familie ist froh, dass er Arbeit hat. Früher war der Vater in der Mine beschäftigt. Dann wurde er entlassen. Ramiro kostet weniger.

Arbeitskräfte ohne Rechte und Stimme

Auch fehlende soziale Sicherungssysteme führen dazu, dass Kinder arbeiten müssen. Verlieren die Eltern ihren Arbeitsplatz oder sterben, müssen die Kinder oft die Schule abbrechen und selbst arbeiten. Ein weiteres Problem: die Benachteiligung von Frauen und Mädchen. Anstatt zur Schule zu gehen, werden sie als Arbeitskraft ohne Rechte missbraucht. Auch schwache und korrupte Behörden begünstigen ausbeuterische Kinderarbeit. Statt diese zu bekämpfen, profitieren sie selbst davon.

Gemeinsam mit zahlreichen Projektpartnern setzt sich die katholische Kirche in den Ländern des Südens gegen ausbeuterische Kinderarbeit ein. Eine große Herausforderung ist dabei, das Problem bei der Wurzel zu packen und die gesamtgesellschaftliche Situation zu verbessern. Gleichzeitig sollen Kinder nicht nur als Opfer wahrgenommen werden, sondern auch als entscheidende Akteure. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Partnern zu, die arbeitende Kinder begleiten und in ihren Rechten stärken, etwa die Organisation MANTHOC im peruanischen Cajamarca oder der Club Infantil im nicaraguanischen Jinotega.

Stand: September 2012

© Susanne Dietmann, Kindermissionswerk „Die Sternsinger“

Xertifix – Natursteine ohne Kinderarbeit

Xertifix e. V. wurde 2005 von dem Misereor-Kinderrechtsexperten Benjamin Pütter gegründet. Der Verein vergibt ein Siegel für indische Natursteine, die garantiert ohne Kinder- und Sklavenarbeit hergestellt sind. Mehr über Xertifix erfahren Sie hier:

Xertifix: Natursteine ohne Kinderarbeit

Organisationen und Initiativen

Eine Übersicht über weitere Organisationen und Initiativen, die sich im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit engagieren, können Sie auf der folgenden Seite einsehen:

Organisationen und Initiativen

Gesundheit für Kinder in Entwicklungsländern

Kinder, die unter ausbeuterischen Bedingungen auf Plantagen, in Steinbrüchen oder Bergwerken arbeiten müssen, tragen hohe gesundheitliche Schäden davon. Ihre nicht voll entwickelten Körper leiden besonders unter Belastungen wie Chemikalien, Lärm, schweren Lasten und zu langen Arbeitszeiten.

Auf einem rund 70-seitigen Dossier widmet sich das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ dem Thema Kindergesundheit. Beiträge von Fachleuten und Projektpartnern, Zahlen, Fakten und Projektbeispiele gewähren einen tieferen Einblick in das Schwerpunktthema der diesjährigen Sternsinger-Aktion: Kindergesundheit in Entwicklungsländern:

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