Katastrophenhilfe in Partnerschaft

  • Not- und Katastrophenhilfe

Kriege, Erdbeben, Überschwemmungen, Dürren, Wirbelstürme – die Ursachen von Katastrophen sind vielfältig. Ihre Auswirkungen sind daher sehr verschieden. Viele vor allem kirchliche Hilfswerke wie Caritas international oder Diakonie Katastrophenhilfe arbeiten daher nach dem Partnerprinzip, das weniger auf ausländische Experten als vielmehr auf Experten vor Ort setzt.

Auf den ersten Blick scheinen die Bedürfnisse der Betroffenen von Katastrophen sehr ähnlich zu sein, unabhängig davon, ob ein schweres Erdbeben ihr Land zerstört hat wie in Haiti 2010, ob sie durch großflächige Überschwemmungen zur Flucht gezwungen wurden wie zuletzt in Bangladesch oder ob lange Dürren ihnen die Lebensgrundlagen entzogen haben wie im vergangenen Jahr in Ostafrika. Es geht nach solchen Katastrophen stets darum, schnell und unbürokratisch mit Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten, Hygieneartikeln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs zu helfen.

Die Partnerorganisation der Caritas in Indonesien hat nach dem Tsunami in Sumatra besondere Not bei Menschen mit Behinderung festgestellt und sich auf medizinische und psychologische Hilfen spezialisiert. Tarmizy Harva/Caritas

Mit Ortskenntnis und Vertrauen

Doch eine genauere Analyse macht schnell deutlich, dass die Hilfe für jede Situation und für alle Betroffenen angepasst werden muss. Wer braucht besondere Unterstützung – Kinder, alte und behinderte Menschen, Flüchtlinge? Müssen die Menschen ihre Häuser verlassen und in Notunterkünften untergebracht werden? Konzentriert sich die Hilfe folglich auf solche Camps oder wird sie dezentral geleistet? Welche Gefahren gilt es zu berücksichtigen? Drohen Seuchen, Nachbeben oder Konflikte? Solche Fragen gilt es zu klären, wenn die Hilfe erfolgreich sein soll. Das Partnerprinzip ist dabei effizient und nachhaltig, weil die Hilfe näher an den betroffenen Menschen ist als etwa bei Methoden, die auf internationale Experten setzten. Die Partner im Land kennen die örtlichen Gegebenheiten, sie sind verwurzelt mit ihrer Heimat und genießen das Vertrauen der Menschen. Sie folgen dem Prinzip, wirksame Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Denn darum geht es immer: Hilfsbedürftige in die Lage bringen, sich aus eigener Kraft eine Zukunft zu schaffen. Ohne die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort wäre dieses Ziel kaum zu erreichen.

Deutsche Mitarbeiter von Caritas international gehen als Berater nur dann vor Ort, wenn die lokale Caritas Unterstützung benötigt. Um sicher zu stellen, dass die Grundsätze und Leitlinien der Caritas im Mittelpunkt der Arbeit stehen, kooperiert Caritas international vor allem mit den Fachkräften der internationalen Caritas. Das weltweite Netz der Caritas wird von Caritas Internationalis in Rom koordiniert. Nach dem schweren Erdbeben in Haiti 2010 beispielsweise waren Caritasverbände aus insgesamt 60 Ländern an den Hilfsaktionen beteiligt.

Nach dem Tsunami unterstützte die Caritas in Indien Betroffene dabei, eine neue Perspektive für den Lebensunterhalt zu finden. Noel Gavin/Caritas England

Abstimmung im Arbeitskreis

Partnerschaft ist auch in der Zusammenarbeit zwischen den Hilfswerken von großer Bedeutung. Innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland stimmen sich die Hilfswerke im „Katholischen Arbeitskreis Not- und Katastrophenhilfe (KANK)“ ab. Die Federführung hat die Deutsche Bischofskonferenz dabei bereits 1967 an den Deutschen Caritasverband beziehungsweise sein Hilfswerk Caritas international übertragen.

„Die konkrete Hilfe für Menschen in Not ist Aufgabe und Verpflichtung eines jeden Christen, und sie ist zugleich Grundauftrag der Kirche.“

Das Partnerprinzip von Caritas international und der katholischen Hilfswerke insgesamt bildet in der Not- und Katastrophenhilfe also auf allen Ebenen die Basis der Arbeit. Das Prinzip ist Ausdruck des Grundsatzes, auf den sich alle im KANK zusammengeschlossenen Hilfswerke verständigt haben: „Die konkrete Hilfe für Menschen in Not ist Aufgabe und Verpflichtung eines jeden Christen, und sie ist zugleich Grundauftrag der Kirche. Dieser von Jesus Christus selbst gegebene Auftrag zum diakonischen Handeln verpflichtet in der modernen Welt zur weltweiten Solidarität mit Notleidenden und insbesondere auch mit den Opfern von Notlagen und Katastrophen.“

Stand: September 2012

© Oliver Müller, Caritas international

Ein Gespräch mit Oliver Müller, Leiter von Caritas international, über Katastrophenhilfe und Prävention findet sich in der Januar-Ausgabe der Herder Korrespondenz. Das vollständige Interview können Sie auf der Webseite von Caritas international lesen.

Broschüre zu Prinzipien humanitärer Hilfe

Caritas Europa, ein aus 49 Caritas-Organisationen auf dem europäischen Kontinent bestehendes Netzwerk, leistet mit der Broschüre "Den Widerspruch zwischen Politik und Praxis überwinden" einen nützlichen Beitrag zur Debatte über humanitäre Grundsätze.

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