Herausforderung für die Weltkirche

  • HIV und Aids

Man kann die Dramatik der weltweiten HIV- und Aids-Epidemie anhand schockierender Zahlen veranschaulichen: Weltweit leben 36,9 Millionen Menschen mit HIV und Aids – so viele wie nie zuvor. Allein 2014 starben 1,2 Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit, 2 Millionen haben sich neu mit dem Virus infiziert.

Die Anzahl der Menschen, die indirekt von den Folgen dieser Pandemie betroffen sind, liegt noch um ein Vielfaches höher: Frauen und Männer, die ihren Ehepartner verloren haben; Kinder, die ohne ein oder sogar beide Elternteile aufwachsen; Großeltern, die sich um ihre verwaisten Enkelkinder kümmern; ganze Gesellschaften, die unter dem Verlust wichtiger Fachkräfte leiden und die verheerenden sozialen Folgen von HIV und Aids kaum auffangen können.

Das Ausmaß der globalen HIV-Epidemie World Health Organization/Unaids

Schicksal und Hoffnung

Man kann die ganze Dramatik dieser Krankheit auch an einem einzelnen Schicksal verdeutlichen, zum Beispiel dem von Rahel Haily, einer jungen Frau im Norden Äthiopiens. Sie hat ihre Eltern aufgrund von HIV und Aids verloren, wuchs bei ihrer Großmutter auf und war schon als Teenagerin für ihren jüngeren Bruder verantwortlich. Ohne Hilfe von außen hätte sie sich kaum aus dem Teufelskreis von Krankheit, Armut und Perspektivlosigkeit befreien können.

Das Schicksal von Rahel, das stellvertretend für zahllose andere steht, gibt auch Anlass zur Hoffnung. Es zeigt, dass man – bei aller Wucht, mit der die HIV-Epidemie vor allem das subsaharische Afrika getroffen hat – dieser Herausforderung nicht machtlos gegenübersteht. Die großen Anstrengungen, die bei der Bekämpfung von HIV und Aids weltweit unternommen wurden, zeigen mittlerweile Wirkung. Seit 2010 sind sowohl die Zahlen der Aids-Toten als auch der Neuinfektionen leicht rückläufig. Und selbst der hohen Zahl von 34,2 Millionen Menschen, die derzeit mit HIV und Aids leben, kann man etwas Positives abgewinnen. Sie ist nämlich ein Beleg dafür, dass heute viele Menschen aufgrund antiretroviraler Therapien wesentlich besser und länger mit dieser Immunschwäche leben können.

Wo aidskranke Kinder glücklich sind

In der Vila Nazaré der Steyler Missionare in Brasilien erhalten aidskranke Kinder Unterstützung

Steyler Missionare

Die holistische Antwort der katholischen Kirche

Auch wenn es von der Öffentlichkeit nicht immer so gesehen wird, trägt die katholische Kirche einen erheblichen Anteil zur Eindämmung der Epidemie bei. In vielen Entwicklungsländern, besonders auch im subsaharischen Afrika, ist sie nach den Regierungsorganisationen die wichtigste Akteurin auf diesem Feld. Durch das dichte Netz an kirchlichen Gesundheitseinrichtungen, durch die zahlreichen katholischen Schulen, Jugend- und Frauengruppen und Beratungsstellen, durch die seelsorgerische Begleitung steht sie den Menschen bei, die direkt oder indirekt von HIV und Aids betroffen sind.

„Der holistische Ansatz der katholischen Kirche versucht alle Dimensionen des Menschseins zu berücksichtigen – personal und sozial, körperlich und seelisch, intellektuell und spirituell, sündig und heilig.“

Der holistische Ansatz ist auch deshalb erfolgsversprechend, da er der Komplexität und Mehrdimensionalität der HIV-Problematik gerecht wird. Insofern hat Papst Benedikt XVI. nicht unrecht, wenn er die besonderen Verdienste der katholischen Kirche bei der Bekämpfung von HIV und Aids herausstreicht, „weil sie als einzige Institution ganz nah und ganz konkret bei den Menschen ist, präventiv, erziehend, helfend, ratend, begleitend“ (Papst Benedikt XVI).

Stand: September 2012

© Gregor Buß, Institut für Weltkirche und Mission

Organisationen und Initiativen

Eine Auswahl an Organisationen und Initiativen, die sich im Kampf gegen die HIV-Epidemie engagieren, können Sie auf der folgenden Seite einsehen:

Organisationen und Initiativen