Neue Studie zu HIV/AIDS in Afrika

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  • Bonn - 10.03.2015

Die Wissenschaftliche Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz hat eine Studie zum Thema „Lehren aus den Antworten der katholischen Kirche auf HIV und AIDS in Afrika“ veröffentlicht. Darin werden die Ergebnisse einer breit angelegten, internationalen Feldstudie zusammengefasst, die afrikanische und deutsche Theologen und Gesundheitsexperten zwischen 2010 und 2013 im Auftrag der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz in Äthiopien, Sambia und Malawi durchgeführt haben.

Anliegen der Studie ist es, Betroffene und kirchliche Vertreter aus den drei afrikanischen Ländern zu Wort kommen zu lassen, um ein authentisches Bild der durch HIV und AIDS gestellten Herausforderungen zu zeichnen.

Ins Leben gerufen wurde die Studie durch den Besuch einer Delegation deutscher Bischöfe 2006 in Südafrika, bei der die Begegnung mit HIV-infizierten Frauen und Männern und die AIDS-Arbeit der katholischen Kirche vor Ort im Vordergrund standen. Erste Ergebnisse der Studie wurden auf einer internationalen Konferenz im Juni 2012 in Addis Abeba (Äthiopien) präsentiert, an der afrikanische Kirchenführer und Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz teilgenommen hatten.

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Verlauf von HIV in Äthiopien, Sambia und Malawi

Die Studie dokumentiert den Verlauf der HIV-Epidemie in Äthiopien, Sambia und Malawi und die vielfältigen Antworten der katholischen Kirche auf diese Herausforderung. Sie beschränkt sich nicht auf medizinische Aspekte, sondern nimmt auch pastorale und ethische Fragestellungen in den Blick.

Als Autoren waren auf deutscher Seite Prof. Dr. Klaus Fleischer, Dr. Klemens Ochel und Dr. Piet Reijer vom Missionsärztlichen Institut Würzburg, Dr. Marco Moerschbacher (Missio Aachen) und Dr. Gregor Buß (Referent für Afrika, Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz) an der Studie beteiligt. Die Feldforschung in den drei untersuchten Ländern wurde von afrikanischen Forschungseinrichtungen und Fachleuten durchgeführt.

Breite Liste an Handlungsempfehlungen

Die Autoren attestieren der katholischen Kirche in den untersuchten Ländern bei der medizinischen Versorgung, Pflege und Unterstützung von kranken und infizierten Menschen und ihrer Angehörigen, insbesondere im Bereich der basisnahen Dienste, ein enormes Engagement. Gleichzeitig identifizieren sie Schwachstellen und formulieren Empfehlungen für eine wirkungsvollere Versorgung, Prävention und Seelsorge sowie für eine bessere Organisation, Vernetzung und Kommunikation ihrer AIDS-Arbeit. Dazu gehören insbesondere die folgenden Vorschläge:

  • Grundsätzlich hat die katholische Kirche in Afrika in ihrer Antwort auf die Herausforderungen von HIV und AIDS die Tatsache zu berücksichtigen, dass wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und politischer Druck viele Menschen zu einem riskanten Verhalten drängt, das sie kaum vermeiden können. Unter solchen Zwängen und ihren Folgen leiden hauptsächlich die Ärmsten, darunter vor allem die Frauen. Insofern ist die AIDS-Arbeit nicht zuletzt im Kontext einer integrierten Entwicklung und globaler Gerechtigkeit zu sehen.
  • Es bedarf einer systematischeren Befassung mit den kulturellen und strukturellen Faktoren, die die Ausbreitung von HIV und AIDS befördern, sowie eine intensivere theologisch-ethische Reflexion über die durch die HIV/AIDS-Epidemie gestellten Fragen. Widersprüchliche Botschaften, beispielsweise zur Situation von Paaren, bei denen ein Partner infiziert ist, dürfe es nicht geben. Die Studie schlägt vor, dass ein interdisziplinäres, internationales Gremium dazu klare Richtlinien erarbeitet.
  • In der Ausbildung von Priestern und pastoralen Mitarbeitern sind medizinische, ethische und pastorale Kenntnisse und Erfahrungen über HIV und AIDS stärker zu berücksichtigen.
  • Viele in der Sozial- und Pastoralarbeit tätige Menschen, auch einige Ordensleute und Priester in Afrika sind selbst mit HIV infiziert. Sie können jedoch bisher nicht offen mit HIV im kirchlichen Dienst leben. Das innerkirchliche Schweigen über ihre Situation sollte gebrochen werden. Mit der Offenheit der Kommunikation wachsen auch die Möglichkeiten der Prävention in der Gesellschaft.
  • Auf allen Ebenen bedarf es einer besseren Zusammenarbeit der kirchlichen pastoralen und medizinischen Einrichtungen für AIDS-Kranke und Infizierte, ebenso einer stärkeren Kooperation der kirchlichen Institutionen mit anderen religiösen und zivilgesellschaftlichen Trägern.
  • An die Kirche in Deutschland appellieren die Autoren der Studie, angesichts weiter steigender globaler Gesamtzahlen von HIV-Infizierten, in ihren Bemühungen um die HIV-Prävention, Pflege, Betreuung und Unterstützung von AIDS-Kranken auf keinen Fall nachzulassen.

Afrikanische Bischöfe aus den an der Untersuchung beteiligten Ortskirchen haben angekündigt, die Ergebnisse der Studie in Workshops verbreiten zu wollen. So sollen Priester, Ordensschwestern und Katecheten, Sozialarbeiter und medizinisches Personal für eine Weiterentwicklung und Qualifizierung der HIV/AIDS-Arbeit gewonnen werden.

© DBK

Zur Studie

Die Studie „Lehren aus den Antworten der katholischen Kirche auf HIV und AIDS in Afrika“ ist als englische Langfassung (ca. 130 Seiten) sowie als deutsche , englische und französische Zusammenfassung (ca. 50 Seiten) erschienen. Alle Dokumente können im DBK-Shop heruntergeladen werden:

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