Ein Leben fernab der Favelas

  • Brasilien

Copacabana, Zuckerhut und das riesige Amazonasgebiet – das sind die ersten Bilder, die einem einfallen, wenn man an Brasilien denkt. Und dann natürlich Fußball. Auch bei Kindern und Jugendlichen in Brasilien ist der Fußballsport sehr beliebt – nicht erst im Vorfeld der Copa (Abkürzung für Copa do Mundo de Futebol), wie die Fußball-Weltmeisterschaft hier genannt wird.

Viele junge Fußballtalente träumen von einer internationalen Karriere – von einem Leben fernab der riesigen Favelas, wie die Armenviertel auf Portugiesisch genannt werden. In einfachen Hütten aus Brettern, Wellblech oder Palmblättern leben Millionen Brasilianer in den Armenvierteln der großen Metropolen. Viele sind in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Rio, São Paulo oder Salvador da Bahia gekommen – stattdessen finden sie meist das Gegenteil vor: riesige Müllberge, Armut, Gewalt, Drogenhandel und fehlenden Zukunftschancen. Rund 87 Prozent der Bevölkerung Brasiliens leben in städtischen Gebieten entlang der Atlantikküste, das Inland hingegen ist vergleichsweise dünn besiedelt.

Indigene Bevölkerung ohne Rechte

Mehr als 200 Millionen Menschen leben in Brasilien – und die Bevölkerung des Landes ist jung. 49 Millionen Kinder unter 14 Jahren gibt es – das ist ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Etwa die Hälfte der Bewohner Brasiliens hat afrikanische Wurzeln, knapp 50 Prozent sind europäischer Abstammung. Heute ist der Großteil der Bevölkerung bunt gemischt.

Für die indigene Bevölkerung bringt der Wirtschaftswachstum Brasiliens vor allem Menschenrechtsverletzungen und Vertreibung mit sich. Stefanie Wilhelm/Kindermissionswerk

Der Anteil indigener Völker ist mit 0,7 Prozent verschwindend gering, und mit ihm auch ihre Rechte. Diese sind zwar gesetzlich festgeschrieben, werden jedoch häufig missachtet. Seit der Ankunft der Europäer um 1500 wurden die in Brasilien lebenden Indigenen Opfer von Völkermord und verloren den Großteil ihres Landes. Riesige Viehzuchtbetriebe oder Industrieprojekte – wie etwa das riesige Wasserkraftprojekt Belo Monte im Norden des Landes – vertreiben die indigene Bevölkerung bis heute aus ihren Territorien.

Vom Entwicklungsland zur führenden Volkswirtschaft

Während die Indigenen im Land weiter für ihre Rechte kämpfen und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen anklagen, boomt die Wirtschaft des Landes – nicht zuletzt auf Kosten der indigenen Bevölkerung. In den vergangenen 20 Jahren hat sich Brasilien vom Entwicklungsland zu einer der führenden Volkswirtschaften entwickelt. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 2,253 Billionen US-Dollar (2012) landet Brasilien je nach Berechnungsgrundlage auf dem sechsten bzw. siebten Rang weltweit. Die brasilianische Wirtschaft profitierte vor allem vom Rohstoffboom der vergangenen Jahre, und auch der Agrarbereich brachte dem Land große Exporterfolge ein. Das wichtigste Exportprodukt ist Soja, gefolgt von Zucker, Ethanol (oft genutzt für so genannten Bio-Kraftstoff) und Fleisch.

Von Susanne Dietmann

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