„Sind Frauen endlich Menschen?“

  • Förderung von Frauen

Katholische Hilfs- und Missionswerke helfen durch die Unterstützung von Projektpartnerinnen und -partnern Mädchen und Frauen in prekären Lebenslagen, in Elendsgebieten, mit (Rechts-) Beratungsangeboten sowie mit Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Kirche leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Mädchen und Frauen.

„Sind Frauen endlich Menschen? Wenn Frauen Menschen wären, würde man uns dann wie einen Exportartikel in Containern von Thailand in die Bordelle von New York verfrachten? […] Wann werden Frauen Menschen sein? Wann?“. Diese starken Worte der amerikanischen Feministin Catherine A. MacKinnon weisen auf die prekäre Lebenssituation vieler Mädchen und Frauen weltweit hin: Armut, fehlende wie verwehrte Zugänge zu einer Gesundheitsversorgung und zu Bildung, Analphabetismus, prekäre Arbeitssituationen (Wanderarbeit, wirtschaftliche Ausbeutung, Prostitution) – das alles zeigt: Die Lebenssituationen vieler Mädchen und Frauen bedürfen der Verbesserung.

Empowerment

Zu Akteurinnen des eigenen Lebens werden

Ziel der Frauenförderung ist es, dass Frauen und Mädchen dazu befähigt werden, freiheitlich, selbstbestimmt und selbstverantwortlich ihr Leben gestalten zu können.

Weitere Inhalte

Die Würde der Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt stellen

In der nordindische Region Rampur, die geprägt ist durch Tagelöhnerarbeit (ein Tageslohn entspricht ca. einem Euro), wirtschaftliche Ausbeutung, Unterbeschäftigung, Kriminalität und Korruption, widmen sich die Clarist Franciscan Missionaries of the Most Blessed Sacrament den Ärmsten der Armen und stellen dabei insbesondere Mädchen und Frauen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit.

Neue landwirtschaftliche Methoden tragen zu einer höheren Lebensqualität der Familie und zur Sicherung einer besseren Ausbildung der Kinder bei. Pohl/Missio

Den vielen Frauen, die häufig unter häuslicher Gewalt, physischem, psychischem und sexuellen Missbrauch leiden, versuchen die Schwestern in dem von Missio geförderten Projekt mit Selbsthilfegruppen zu helfen. Sie vermitteln juristischen Beistand, bieten schulische wie beruflicher Bildung und einkommensschaffende Programme an, die die wirtschaftliche Situation der ganzen Familie verbessern sollen.

Frauen nehmen die eigene Zukunft in die Hand

Gleichzeitig gilt es, die Mitwirkung der Frauen zu stärken: in den Familien – vor allem im Bereich der Versorgung und Familienplanung –, in der Gesellschaft und in der Wirtschaft. Besonders in ländlichen Gebieten ist es wichtig, dass Frauen und Männer gemeinsam neue Methoden erlernen, um den Ertrag aus der Felderbewirtschaftung oder Viehhaltung zu erhöhen.

Frauen nehmen auch in der Kirche als Gemeindemitglieder, als Laienmitarbeiterinnen und Katechistinnen eine wichtige Rolle ein. Ihre Partizipationsmöglichkeiten erhöhen sich vor allem durch die Teilnahme an Ausbildung- und Weiterbildungskursen.

„Das gemeinsame Priestertum der Gläubigen“ (Lumen gentium, 10) - Frauen und Männer haben daran teil. Melters/Missio

Darüber hinaus sollen begabte Frauen und Ordensschwestern für ihre Weiterbildung sowie die Fortführung ihrer akademischen Laufbahn gefördert werden, sodass sie verantwortlich und kompetent Leitungsaufgaben übernehmen können.

„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus.“

— Gal 3,28

Damit Frauen ihre Zukunft gestalten können, bedarf es nicht nur engagierter Projektpartner vor Ort. Darüber hinaus ist eine Bewusstseinsbildung in Deutschland nötig, die aufmerksam macht und zu einem Eintreten füreinander motiviert. Denn nicht nur im Bezug auf Länder- und Kulturgrenzen, sondern auch mit Blick auf die Geschlechts- und Gendergrenzen erinnert uns der Galaterbrief an die Verbundenheit aller Menschen: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus." (Gal 3,28)

Stand: Juli 2013

© Monika Kling, Missio Aachen

Weiterführende Literatur

  • Azcuy; Eckholt (2009): Citizenship - Biographien - Institutionen. Perspektiven lateinamerikanischer und deutscher Theologinnen auf Kirche und Gesellschaft, Münster
  • Kristof; WuDunn (2010): Die Hälfte des Himmels. Wie Frauen weltweit für eine bessere Zukunft kämpfen. In: bpb, Schriftenreihe Bd. 1109, Bonn
  • Mbabazi (2011): Access of women to leadership positions in business organisations. A matter of equal employment opportunity or a matter of leadership style? Implications for the Catholic Church, Leuven

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