Im „Dorf der Versöhnung“ bekommen Witwen ein Zuhause

  • Ruanda

Die Frauen der Pfarrgemeinde Busasamana in Ruanda haben Schreckliches erlitten. Wie fast alle anderen Bewohner mussten sie während des Völkermords 1994 furchtbare Gräueltaten mit ansehen. Viele verloren Verwandte und Freunde. Im ganzen Land ermordeten Hutu-Milizen 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Auch in den nachfolgenden Jahren kamen die Menschen in der Grenzregion zur demokratischen Republik Kongo nicht zur Ruhe. Jahrelange Kriege hinterließen eine Schneise der Verwüstung. Soldaten und Milizen ermordeten tausende Ehemänner und Väter.

Eine Volkszählung auf dem Gebiet der Pfarrgemeinde Busasamana zählt 3.500 Witwen und 8.028 Waisenkinder. Ohne Mann sind Frauen in Ruanda nichts wert. Viele von ihnen sind obdachlos und wissen nicht, wie sie den nächsten Tag überstehen sollen. Die Soldaten vertrieben die Dorfbewohner und zerstörten ihre Häuser. Seither schützen sich die Überlebenden vor Regen und Kälte mit notdürftigen Häusern aus Plastikplanen. Oder sie suchen Schutz unter dem Blätterdach von Bäumen. Nachts kann es in der Vulkanregion sehr kalt werden, und es gibt dort viel zu wenige Decken für alle.

Beim Bau der neuen Häuser packen die Frauen selbst mit an. Päpstliches Missionswerk der Frauen

Die Witwen von Busasamana

Darum hat die Pfarrgemeinde mit Hilfe des Päpstlichen Missionswerks der Frauen den Bau von Häusern begonnen. In den Unterkünften sollen die bedürftigsten Witwen und ihre Kinder endlich ein sicheres Zuhause haben. Ein „Dorf der Versöhnung“ soll es werden, in dem die verschiedenen Volksgruppen zusammenleben und die schrecklichen Erlebnisse der Vergangenheit überwunden werden können. „Nach dem Völkermord hatten wir gar nichts“, berichtet Clémence Dufitamahoro, Mutter von drei Kindern und Sprecherin der Witwen von Busasamana. „Wir waren völlig verzweifelt. Mit Hilfe des Frauenmissionswerks haben wir Häuser bauen können. Das hat uns Mut gemacht.“

Neun Häuser stehen bereits. Hundert will die Gemeinde insgesamt errichten. „Die Frauen packen selbst mit an“, sagt Margret Dieckmann-Nardmann, Präsidentin des Missionswerks. „Sie schleppen Zement und Wasser zur Baustelle“, berichtet sie. „Es gibt dort keine Bagger. Die großen Felsbrocken müssen mit Händen aus der Erde gegraben werden.“

Die Gemeinde transportiert die Baumaterialien in Eigenleistung. Auch die Ziegelsteine aus Lehm stellen die Dorfbewohner selbst her. 2.000 Euro kostet ein Haus mit vier Zimmern. Jedes Haus hat eine Fläche von 51 Quadratmetern. Mit 40 Euro kann bereits ein Quadratmeter gebaut werden.

„Die Nöte von Frauen können Frauen besonders gut nachempfinden“, bringt Margret Dieckmann-Nardmann das Engagement des Frauenmissionswerks auf den Punkt.

Von Margret Dieckmann-Nardmann

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