Der heimgekehrte Auswanderer

  • Ethisches Investment

Tausende Menschen flüchten vor der Armut in Afrika, um im reichen Europa Arbeit zu suchen. Doch es gibt auch andere, positive Geschichten – von Menschen, die mithilfe von Mikrokrediten in Afrika Unternehmen gründen und Arbeitsplätze schaffen. Wie die Geschichte von Saliou Diop aus dem Senegal.

Saliou Diop versuchte sein Glück als Immigrant in Europa – wie viele junge Männer aus dem Senegal. 20 Jahre lang arbeitete er in Spanien. Seine Ersparnisse schickte er nach Hause. „Damit sollte meine Familie zwei kleine Läden in meiner Heimatstadt Kaolack eröffnen“, berichtet er. „Aber die liefen nicht, weil ich mich selbst nicht darum kümmern konnte.“ Als Saliou Diop 2009 zurückkam, stand er quasi vor dem Nichts.

Der Lohn der Arbeit war weg

Doch der 47-Jährige gab nicht auf. In Spanien hatte er zuletzt in einer Fabrik für Tierfutter gearbeitet. Das brachte ihn auf die Idee, in Kaolack eine kleine Hühnerzucht aufzubauen. Um die nötigen Investitionen zu finanzieren, nahm er einen Kredit bei der Mikrofinanzinstitution U-IMCEC auf, einem Partner der internationalen Genossenschaft Oikocredit . Dank des Startkapitals floriert die Hühnerzucht und wirft Gewinne ab. Für seinen kleinen Musterbetrieb konnte Diop inzwischen sogar einen weiteren Mitarbeiter einstellen.

Vom Ei zur Erdnuss

Doch der Kleinunternehmer denkt weiter: Um nicht allein vom Verkauf der Eier abhängig zu sein, hat er Land gepachtet und baut mit 20 Saisonarbeitern Erdnüsse, Mais, Sesam und Hirse an. So schafft der heimgekehrte Auswanderer mithilfe von Mikrokrediten Arbeitsplätze für junge Männer und bietet ihnen eine Zukunft, ohne dass sie auswandern müssen.

Saliou Diop im Gespräch mit Oikocredit-Mitarbeiterinnen Jan Groenewold

Kleines Geld mit großer Wirkung

Das Prinzip der Mikrokredite ist einfach: In Entwicklungsländern gelten viele Menschen und Unternehmen bei normalen Banken als nicht kreditwürdig – weil sie keine Sicherheiten bieten oder auch nur, weil die Bearbeitung kleinster Kredite oder Konten in entlegenen Dörfern keine hohen Gewinne bringt.

Mikrokredite sind für diese Menschen und Unternehmen oft die einzige Möglichkeit, an Kapital zu kommen. Doch es geht nicht nur um Kredite. Viele Mikrofinanzunternehmen bieten auch Sparkonten oder Mikroversicherungen – etwa Versicherungen für Kleinbauern gegen Ernterisiken, aber auch Kranken- oder Rentenversicherungen.

Pionier in der Mikrofinanz

Eine Organisation, die bereits seit den 1970er Jahren in der Mikrofinanzierung aktiv ist, ist die Genossenschaft Oikocredit . Sie wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen gegründet, um Kirchen und Privatpersonen eine alternative Geldanlagemöglichkeit zu bieten. Mit dem Geld ihrer Anlegerinnen und Anleger vergibt Oikocredit Darlehen und Kapitalbeteiligungen an Mikrofinanzorganisationen wie U-IMCEC, aber auch an Genossenschaften und sozial orientierte Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Das Kapital kommt zum größten Teil aus Deutschland, wo über 20.000 Privatpersonen und institutionelle Anleger wie Kirchen, Kommunen oder Stiftungen die Idee eines sozialen Wirtschaftens mittragen und insgesamt mehr als 250 Millionen Euro in Oikocredit-Anteile investiert haben.

© Ulrike Haug, Oikocredit

Oikocredit

Die internationale Genossenschaft Oikocredit entstand 1975 auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen. Oikocredit vergibt Darlehen und Kapitalbeteiligungen an Partnerorganisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Das Kapital stellen die Mitglieder der Genossenschaft: in Förderkreisen organisierte Privatpersonen, Institutionen wie Kirchen, Partnerorganisationen und andere.

www.oikocredit.de

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